Zwei neue Risikofaktoren für Demenz benannt

Im Jahr 2020 hat die Lancet-Kommission zwölf Risikofaktoren benannt, die im Zusammenhang mit Demenzerkrankungen stehen. Jetzt kamen mit Sehkraftverlust und hohe LDL-Cholesterinwerte zwei neue Risikofaktoren hinzu.

Alzheimer

Das Update der Lancet-Kommission vom 31. Juli 2024 über Demenz liefert neue, hoffnungsvolle Erkenntnisse über Demenzprävention, -intervention und -pflege. Da die Menschen immer länger leben, steigt die Zahl der Menschen, die mit Demenz leben, weiter an, auch wenn die altersspezifische Inzidenz in Ländern mit hohem Einkommen abnimmt. Dies unterstreicht die Notwendigkeit, Präventionsansätze zu ermitteln und umzusetzen. Für das Update wurden Forschungsergebnisse ab dem Jahr 2020 zusammengefasst, wobei Studien bevorzugt wurden, die zeigen, wie sich kognitive und körperliche Reserven im Laufe des Lebens entwickeln und wie die Verringerung von Gefäßschäden wahrscheinlich zu einem Rückgang der altersbedingten Demenzinzidenz beiträgt.

Alte und neue Risikofaktoren für Demenz

Die Lancet-Kommission besteht aus 27 weltweiten Demenz-Experten. Im Jahr 2020 wurden bereits zwölf Risikofaktoren für die Entwicklung einer Demenz benannt, die mit 40% aller Demenzfälle in Zusammenhang stehen.

Dazu gehören: 

  • geringere Bildung
  • traumatische Kopfverletzungen
  • körperliche Inaktivität
  • Rauchen
  • übermäßiger Alkoholkonsum
  • Bluthochdruck
  • Fettleibigkeit
  • Diabetes
  • Hörverlust
  • Depressionen
  • wenig soziale Kontakte
  • Luftverschmutzung

Neue Erkenntnisse sprechen jetzt dafür, diese zwölf Risikofaktoren um Sehkraftverlust und hohe LDL-Cholesterinwerte als potenziell veränderbare Risikofaktoren zu ergänzen.

Sehkraftverlust und hohe Cholesterinwerte als Demenzrisiko

Die beiden neuen Risikofaktoren für Demenz sind mit 9% aller Demenzfälle assoziiert. Davon fallen geschätzt 7% auf ein erhöhtes LDL-Cholesterin ab einem Alter von ca. 40 Jahren und 2% auf einen unbehandelten Sehverlust im späteren Leben. Eine Metaanalyse mit insgesamt 1.138.488 Teilnehmern, die das LDL-Cholesterin bei Erwachsenen unter 65 Jahren über mehr als zwölf Monaten untersuchte, ergab, dass jeder Anstieg des LDL-Cholesterins um 1 mmol/l mit einem Anstieg der Häufigkeit von Demenzerkrankungen aller Art um 8% verbunden war. Im Bereich der Augenerkrankungen wurde ein erhöhtes Demenzrisiko mit Katarakten und diabetischer Retinopathie in Verbindung gebracht, nicht aber mit Glaukom oder altersbedingter Makuladegeneration.

Kommission bricht eine Lanze für die Prävention 

Laut der Lancet-Kommission könnte durch die Änderung der 14 Risikofaktoren fast die Hälfte der Demenzfälle verhindert oder verzögert werden. Zur Prävention gehören sowohl politische Veränderungen als auch individuell zugeschnittene Maßnahmen. Dabei sollten diese Risikofaktoren bereits in der Kindheit angegangen werden, z. B. durch eine Verbesserung der frühkindlichen Bildung. Eine bevölkerungsbezogene Politik sollte der Chancengleichheit Priorität einräumen und sicherstellen, dass Gruppen mit hohem Risiko einbezogen werden. Maßnahmen zur Verringerung des Demenzrisikos sollten dann nicht nur früh beginnen, sondern während des gesamten Lebens fortgesetzt werden.

Weitere potenzielle Risikofaktoren

In ihrem Bericht erwähnt die Kommission auch noch weitere potenzielle Risikofaktoren, die derzeit jedoch noch als unzureichend belegt gelten, um offiziell in das Modell aufgenommen zu werden. Trotzdem sollten auch sie beobachtet und beachtet werden. Zu diesen Risikofaktoren gehören Schlaf, Ernährung, Infektionen, systemische Entzündungen, Psychosen, bipolare Störungen, posttraumatische Belastungsstörungen, Menopause und Hormonersatztherapie sowie Angststörungen. Außerdem haben Menschen mit multimorbiden chronischen und schweren Erkrankungen ein erhöhtes Risiko, an Demenz zu erkranken, insbesondere wenn diese Erkrankungen in der Lebensmitte beginnen. 

Autor:
Stand:
29.08.2024
Quelle:
  1. Livingston et al. (2024): Dementia prevention, intervention, and care: 2024 report of the Lancet standing Commission. The Lancet, DOI: 10.1016/S0140-6736(24)01296-0.
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