Depression und Schlaganfall
In Ländern mit hohem Einkommen wurden Depressionen in verschiedenen Studien bereits als Risikofaktor für einen akuten Schlaganfall identifiziert. Doch gilt das auch weltweit? Um diese Frage zu beantworten, werteten Wissenschaftler Daten aus, die im Rahmen der INTERSTROKE-Studie erhoben worden waren [1,2].
INTERSTROKE
INTERSTROKE war eine Fall-Kontroll-Beobachtungsstudie, die zum Ziel hatte, umfassendes Wissen über Risikofaktoren für Schlaganfälle zu gewinnen. Die Datenerhebungsphase fand zwischen 2007-2015 weltweit in 32 Ländern an 142 Zentren mit mehr als 26.000 Teilnehmern (Durchschnittsalter 62 Jahre) statt [3]. Mehr als 13.000 Teilnehmer der INTERSTROKE Studienpopulation hatten einen Schlaganfall (verifiziert durch CT oder MRT) erlitten und wurden mit >13.000 Personen ohne Schlaganfall hinsichtlich Alter, Geschlecht und Ethnie gematcht.
Zu Beginn der Studie füllten alle Teilnehmer Fragebögen zu kardiovaskulären Risikofaktoren wie Hypertonie und Diabetes mellitus aus. Um Daten über potenzielle Depressionssymptome zu erheben, wurden die Teilnehmer gefragt, ob sie in den 12 Monaten vor Studienbeginn Phasen durchgemacht hätten, in denen sie sich an ≥2 aufeinanderfolgenden Wochen traurig, unglücklich oder deprimiert gefühlt hätten. Darüber hinaus wurde erfragt, ob die Teilnehmer Antidepressiva eingenommen hatten.
Signifikant erhöhte Risiken.
In der Schlaganfallgruppe litten rund 18% der Patienten vor dem Ereignis unter Depressionen; unter den Kontrollen wiesen nur 14% depressive Symptome auf (p<0,001). Nach Adjustierung aufAlter, Geschlecht, Bildung, körperliche Aktivität und andere Lebensstilfaktoren hatten die Personen mit Depressionen ein um 46% erhöhtes Risiko für einen Schlaganfall gegenüber den Personen ohne depressive Symptome (Odd Ratio [OR] 1,46; 95%-KI 1,34 bis 1,58). Dabei war das Risiko sowohl für den hämorrhagischen (OR 1,56; 95%-KI 1,28 bis 1,91) als auch den ischämischen Schlaganfall (OR 1,44, 95%-KI 1,31 bis 1,58) signifikant erhöht.
Das Risiko nahm mit der Anzahl depressiver Symptome zu. Bei Teilnehmern, die von ≥5 Depressionssymptomen berichteten, war das Risiko gegenüber Personen ohne Depression um 54% erhöht. Zwischen der Schwere des akuten Schlaganfalls und einer depressiven Symptomatik wurde kein Zusammenhang beobachtet. Es zeigte sich jedoch ein schlechteres funktionelles Outcome nach einem Monat bei Patienten mit depressiver Vorgeschichte als bei Patienten ohne depressive Symptome.
Ansatz für die Schlaganfallprävention
Studienautor Dr. Robert P. Murphy, von der University of Galway in Irland fasst die Studienergebnisse wie folgt zusammen: „Unsere Ergebnisse zeigen, dass depressive Symptome mit einem erhöhten Schlaganfallrisiko verbunden sind und dass dieses Risiko in verschiedenen Altersgruppen und weltweit ähnlich ist.“ Diese Informationen könnten in der Praxis für die Prävention von Schlaganfällen nützlich sein, wenn Patienten mit depressiver Symptomatik als Risikogruppe behandelt würden.
INTERSTROKE wurde von folgenden Institutionen und Firmen gesponsort: Canadian Institutes of Health Research, Heart and Stroke Foundation of Canada, Canadian Stroke Network, Swedish Research Council, Swedish Heart and Lung Foundation, AFA Insurance, The Health & Medical Care Committee of the Regional Executive Board, Region Västra Götaland, Astra Zeneca, Boehringer Ingelheim, Pfizer and Merck.




