CAR-T-Zell-Therapien haben sich bei refraktären hämatologischen Neoplasien als hocheffektive Therapieoption etabliert. Gleichzeitig rücken seltene, aber schwerwiegende Spätkomplikationen zunehmend in den Fokus. Neben Zytokinfreisetzungssyndrom und Neurotoxizität mehren sich Berichte über sekundäre Malignome. Insbesondere CAR-T-Zell-Lymphome stellen eine außergewöhnlich seltene, bislang kaum verstandene Entität dar.
Klinische Manifestation eines CAR-T-Zell-Lymphoms
In einem aktuellen Fall entwickelte ein 51-jähriger Patient sechs Monate nach erfolgreicher Anti-BCMA-CAR-T-Zell-Therapie mit Ciltacabtagene autoleucel ein peripheres T-Zell-Lymphom. Klinisch präsentierte sich die Erkrankung mit erythematösen Hautveränderungen im Gesicht sowie einer Lymphozytose. Bildgebend zeigten sich hypermetabolische Läsionen; histologisch bestätigte sich ein CAR-positives, doppelt-negatives (CD4−/CD8−) peripheres T-Zell-Lymphom. Auffällig war die Überexpression des hautassoziierten Chemokinrezeptors CCR4, der typischerweise in kutanen T-Zell-Lymphomen exprimiert wird.
Molekulare Charakterisierung und therapeutische Konsequenzen
Mittels Einzelzell-RNA- und T-Zell-Rezeptor-Sequenzierung ließ sich ein charakteristisches Transkriptomprofil mit hoher Expression von CCR4 sowie überlebensfördernden Signalwegen identifizieren. Die vollständige Genomsequenzierung zeigte eine Integration des CAR-Vektors in das Tumorsuppressorgen TIA1 sowie neu entstandene Mutationen in TET2 und EZH2. Diese Veränderungen sind mit klonaler Hämatopoese und T-Zell-Malignomen assoziiert und könnten zur Transformation beigetragen haben.
Ein ex vivo Drug-Screen identifizierte eine Sensitivität gegenüber Anthrazyklinen. Darauf basierend wurde eine kombinierte Therapie mit Mogamulizumab (Anti-CCR4-Antikörper), liposomalem Doxorubicin und Gemcitabin initiiert. Der Patient erreichte eine komplette Remission, die auch nach zehn Monaten noch anhielt.
Bedeutung für die klinische Praxis und zukünftige Forschung
Der Fall illustriert, dass molekulare und funktionelle Profilierung bei sekundären Malignomen nach CAR-T-Zell-Therapie ein personalisiertes therapeutisches Vorgehen ermöglichen kann. Die Rolle von CCR4 als potenzielle Zielstruktur bei CAR-T-Zell-Lymphomen könnte für künftige Behandlungsstrategien von Relevanz sein. Gleichzeitig unterstreicht die Beobachtung von Vektor-Integrationen in Tumorsuppressorgene und koexistierende Mutationen die Notwendigkeit engmaschiger molekularer Überwachung.
Weitere Forschung ist erforderlich, um Risikofaktoren wie die klonale Hämatopoese systematisch zu erfassen und prospektive Strategien für Prävention und Management sekundärer Neoplasien nach CAR-T-Zell-Therapie zu entwickeln.








