ESMO GI 2023: Jeder Vierte überlebt vier Jahre bei inoperablem HCC

Zulassungsbehörden fordern Langzeitergebnisse für neu zugelassene Therapieoptionen. Auch für Patienten ist die Information über die Chance auf ein Langzeitüberleben von größter Bedeutung. Für die HIMALAYA-Studie wurden jetzt 4-Jahres-Ergebnisse vorgestellt.

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Auch nach vier Jahren sind die Ergebnisse für die kombinierte Immuntherapie mit Tremelimumab plus Durvalumab im Vergleich zu Sorafenib bei Patienten mit einem nicht resektablen hepatozellulären Karzinom (engl. unresectable hepatocellular carcinoma, uHCC) extrem positiv, berichtete Professor Dr. Bruno Sangro von der Universitätsklinik von Navarra in Pamplona, Spanien [1]. Im sogenannten STRIDE-Regime erhielten die Patienten eine Dosis des gegen den Checkpoint CTLA-4 (engl. für cytotoxic T-lymphocyte-associated Protein 4) gerichteten Antikörpers Tremelimumab als Priming zusätzlich zur regelmäßigen Gabe des Antikörpers gegen den Checkpoint PD-L1 (engl. für Programmed Death-Ligand 1) Durvalumab alle vier Wochen.

Dreiarmige Studie

In der HIMALAYA-Studie wurde die Überlegenheit dieses Regimes im Vergleich zu Sorafenib in einer Dosis von 400 mg zweimal täglich untersucht [2]. Außerdem wurde die Nichtunterlegenheit einer Monotherapie mit Durvalumab im Vergleich zu Sorafenib überprüft. Voraussetzung für die Studienteilnahme war ein HCC des Stadiums Child-Pugh A und nach der Barcelona-Klassifikation BCLC B (wenn Lokaltherapie nicht möglich) oder C. Die Patienten durften zuvor keine systemische Therapie erhalten haben und mussten in einem guten Allgemeinzustand sein.

STRIDE-Therapie senkt Sterberisiko um 22%

Wie Sangro anlässlich des 25th World Congress on Gastrointestinal Cancer in Barcelona berichtete, zeigte sich nach vier Jahren ein mit den 3-Jahres-Ergebnissen übereinstimmendes Ergebnis: das Sterberisiko bei Therapie mit STRIDE reduzierte sich gegenüber einer Therapie mit Sorafenib um 22% [1]. Das mediane Gesamtüberleben (OS) lag in der aktuellen Auswertung mit STRIDE bei 16,4 Monaten, mit Sorafenib bei 13,8 Monaten.

Die Hazard Ratio (HR) betrug 0,78, das 95% Konfidenzintervall (KI) reichte von 0,67 bis 0,92. Der Unterschied in den Kaplan-Meier-Kurven der beiden Gruppen hatte gegenüber den 3-Jahres-Ergebnissen noch etwas zugenommen. Nach vier Jahren lebten in der STRIDE-Gruppe noch 25,2%, in der Sorafenib-Gruppe 15,1% der Patienten. „Einer von vier Patienten überlebt vier Jahre“, betonte Sangro. Das gab es seinen Ausführungen nach so noch nicht in Studien zur uHCC-Therapie.

Durvalumab-Monotherapie nicht unterlegen 

Konsistent mit den primären Studienergebnissen erreicht auch die Durvalumab-Monotherapie den gesetzten Endpunkt. Die OS-Rate war auch nach vier Jahren im Durvalumab-Arm der im Sorafenib-Arm mindestens nicht unterlegen (19,3% vs. 15,1%). Das mediane OS lag bei mit Durvalumab bei 16,6 Monaten und mit Sorafenib bei 13,8 Monaten (HR 0,86; 95% KI 0,74–1,01).

Wer überlebt lange?

Im Rahmen der 4-Jahres-Auswertung erfolgte auch eine Analyse von Faktoren, die Patienten mit Langzeitüberleben charakterisieren. Wie Sangro berichtete, waren aber Patientencharakteristika wie Herkunft, Ätiologie, das Stadium BLBC B oder C oder die Art der Krebstherapie nach der randomisierten Studienmedikation bei Langzeitüberlebenden nicht grundsätzlich anders als in der Gesamtpopulation der Studie.

Es zeigte sich aber, dass nicht nur Patienten mit Ansprechen auf die Therapie lange überlebten, sondern auch solche, die unter der Studientherapie nur eine stabile Erkrankung auswiesen. Die OS-Rate der Patienten, die unter STRIDE einer Krankheitskontrolle erreicht hatten (ca. 60%) lag nach vier Jahren bei 36,2%.

4-Jahres-Daten unterstützen Zulassung

Das STRIDE-Regime weist ein für Immuntherapien typisches Sicherheitsprofil auf, das von dem von Sorafenib deutlich verschieden ist. Neue Sicherheitssignale gegenüber der primären Auswertung gab es in der 4-Jahres-Auswertung nicht, betonte Sangro.

Das STRIDE-Regime wurde in vielen Ländern auf Basis der 3-Jahres-OS-Daten für die Therapie von Erwachsenen mit uHCC zugelassen. Die 4-Jahresdaten bestätigen die Effektivität dieses Therapieansatzes.

Die Studie HIMALAYA ist auf ClinicalTrials.gov unter der Nummer NCT03298451 registriert. Sie wurde von AstraZeneca finanziert.

Autor:
Stand:
06.07.2023
Quelle:
  1. Prof. Dr. Bruno Sangro: „Four-year overall survival update from the Phase 3 HIMALAYA study of tremelimumab plus durvalumab in unresectable hepatocellular carcinoma.“, Vortrag/Abstract SO-15 am 29. Juni 2023 anlässlich des World Congress on Gastrointestinal Cancer 2023 vom 28. Juni bis 1. Juli 2023
  2. Abou-Alfa GK, Lau G, Kudo M et al. (2022): Tremelimumab plus Durvalumab in Unresectable Hepatocellular Carcinoma. NEJM Evidence. DOI: 10.1056/EVIDoa2100070
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