Prognosen zeigen weltweit steigende Krebsbelastungen

Die globale Krebslast nimmt zu, mit 20 Millionen neuen Fällen und 9,7 Millionen Todesfällen jährlich, doch es mangelt an angemessener staatlicher Unterstützung und Versorgung. Die Dringlichkeit effektiver und weltweit zugänglicher Krebsbehandlungen steigt.

Anstieg

Hintergrund

Im Jahr 2022 gab es schätzungsweise 20 Millionen neue Krebsfälle und 9,7 Millionen Todesfälle. Etwa einer von fünf Menschen erkrankt im Laufe des Lebens an Krebs. Schätzungen der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC), basierend auf Daten aus dem Jahr 2022, unterstreichen die wachsende Krebsbelastung und die unterschiedlichen Auswirkungen und Maßnahmen je nach Bevölkerungsgruppe. Eine Umfrage der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zeigt, dass nur 39% der teilnehmenden Länder die Grundlagen der Krebsbehandlung im Rahmen von Health Benefit Packages (HBP) finanzieren. Die Versorgung von Menschen, die Palliativpflege benötigen, wurde von 28% der Länder übernommen.

Im Rahmen einer Pressemitteilung der WHO vom 1. Februar 2024 wurden weltweite Daten (185 Länder) aus 2022 über die Inzidenzen der Krebsarten (36 Krebsarten), die unterschiedliche Versorgung weltweit und die Prognose für 2050 veröffentlicht.

Inzidenz und Mortalität der häufigsten Krebsarten

Zehn Krebsarten waren für etwa zwei Drittel aller Neuerkrankungen und Todesfälle verantwortlich. Lungenkrebs war weltweit die häufigste Krebsart mit 2,5 Millionen Neuerkrankungen und führte mit 1,8 Millionen Todesfällen. Bei Männern hatte Lungenkrebs die höchste Inzidenz und Mortalität, gefolgt von Prostatakrebs und kolorektalem Krebs, wohingegen Leberkrebs nach Lungenkrebs die zweithöchste Mortalität aufwies. Bei Frauen war Brustkrebs die häufigste Krebsart mit der höchsten Inzidenz und Mortalitätsrate, gefolgt von Lungenkrebs und kolorektalem Krebs. Brustkrebs rangierte weltweit als zweithäufigster Krebs mit 2,3 Millionen Neuerkrankungen und 670.000 Todesfällen. In 157 von 185 Ländern war Brustkrebs die führende Krebserkrankung bei Frauen, während in 25 Ländern, hauptsächlich im subsaharischen Afrika, Gebärmutterhalskrebs mit 661.044 Neuerkrankungen dominierte. Kolorektaler Krebs war mit 1,9 Millionen Neuerkrankungen und 900.000 Todesfällen der dritthäufigste Krebs weltweit.

Unterschiede je nach Human Development Index (HDI)

Ein signifikanter Unterschied in Diagnoseraten und Mortalität bei Brustkrebs zeigt sich in Abhängigkeit vom Entwicklungsstand eines Landes. Frauen in Ländern mit niedrigem Human Development Index (HDI) haben eine um 50% geringere Wahrscheinlichkeit, eine Brustkrebsdiagnose zu erhalten (eine von 27 im Vergleich zu eine von 12 in hochentwickelten Ländern). Dort stirbt eine von 48 Frauen an Brustkrebs, während es in Ländern mit hohem HDI eine von 71 Frauen ist.

Auch im Bereich der Versorgung bestehen globale Ungleichheiten. In Ländern mit hohem Einkommen waren die Chancen, Dienstleistungen und Strahlenleistungen im Zusammenhang mit Lungenkrebs in ein Gesundheitsversorgungsprogramm (HBP) aufzunehmen, vier bis sieben Mal höher als in Ländern mit niedrigem Einkommen. Besonders groß war die Diskrepanz bei der Stammzelltransplantation, die in Ländern mit hohem Einkommen zwölf Mal häufiger durchgeführt wurde als in Ländern mit niedrigem Einkommen.

Anstieg der Krebsbelastung bis 2050 prognostiziert

Für das Jahr 2050 werden über 35 Millionen neue Krebsfälle prognostiziert, was einem Anstieg von 77% gegenüber den geschätzten 20 Millionen Fällen im Jahr 2022 entspricht. Dies spiegelt sowohl die alternde und wachsende Bevölkerung wider als auch die Veränderung in der Exposition gegenüber Risikofaktoren. Tabak, Alkoholkonsum und Fettleibigkeit, sowie Luftverschmutzung sind die vorherrschenden Faktoren für die Zunahme von Krebserkrankungen.

Der größte absolute Anstieg der Inzidenz mit 4,8 Millionen neuen Fällen wird in Ländern mit hohem HDI erwartet. Der stärkste proportionale Anstieg um 142% wird hingegen in Ländern mit niedrigem HDI verzeichnet. Ebenso wird geschätzt, dass sich die Mortalität in Ländern mit mittlerem und niedrigem HDI bis 2050 verdoppeln wird.

Was soll nun geschehen?

Dr. Cary Adams, Leiter der Union for International Cancer Control, äußert seine Ansicht: Regierungen sollten Krebsbehandlungen priorisieren und gewährleisten, dass jeder, unabhängig vom Herkunftsland, Zugang zu qualitativ hochwertigen Dienstleistungen erhält. Er betont, dass dies nicht nur eine Frage der verfügbaren Ressourcen, sondern auch des politischen Willens ist.

Autor:
Stand:
19.02.2024
Quelle:

Weltgesundheitsorganisation (WHO), Pressemeldung, 1. Februar 2024 (Pressemeldung: Global cancer burden growing, amidst mounting need for services (who.int))

  • Teilen
  • Teilen
  • Teilen
  • Drucken
  • Senden
Orphan Disease Finder
Orphan Disease Finder

Hier können Sie seltene Erkrankungen nach Symptomen suchen: