Fallbericht: Endophthalmitis aufgrund von Mycobacterium marinum

Wenn vorgeschädigte Haut mit dem Mycobacterium marinum in Kontakt kommt, kann es zu opportunistischen Infektionen kommen. Hier beschreibt ein chinesisches Ärzteteam den seltenen Fall einer Endophthalmitis im Rahmen einer Mycobacterium-marinum-Infektion.

Mycobacterium marinum

Opportunistische Infektion durch Mycobacterium marinum

Das Mycobacterium marinum kann opportunistische Infektionen bei Menschen verursachen [1]. Zu diesen opportunistischen Infektionen kommt es, wenn geschädigte Haut mit kontaminiertem Fisch, Aquarien oder Schwimmbädern in Kontakt kommt. Es kommt zu einem sogenannten Schwimmbadgranulom oder Aquariumgranulom. Meist sind die Infektionen auf die Haut oder Weichgewebe der Körperextremitäten beschränkt.

Endophthalmitis auf Grund einer Mycobacterium-marinum-Infektion

Die Studienautoren beschreiben einen ungewöhnlichen Fall einer Endophthalmitis auf Grund eines Aquariumgranuloms [2]. Der betroffene 68-jährige Patient stellte sich auf Grund eines schmerzlosen geröteten Auges und Verschwommensehens seit zwei Monaten vor.

Nebenbefundlich litt er seit 20 Jahren an einem Typ-2-Diabetes und seit zehn Monaten an einer Tenosynovitis der rechten Hand, die nach einem Unfall bei der Arbeit mit Fischen aufgetreten war. Letztere war therapierefraktär gegenüber Antibiotika.

Gelbliche keratische Präzipitate und Hypopyon

In der ophthalmologischen Untersuchung betrug die Sehschärfe 20/20. Am linken Auge waren unter anderem eine konjunktivale Hyperämie, große gelbliche keratische Präzipitate sowie ein Hypopyon von 5mm in der Vorderkammer zu erkennen. In den temporalen und inferioren Gebieten zeigte sich eine anteriore Skleritis.

Durch die vorhandene Glaskörpertrübung wurden keine abnormalen Änderungen im Fundus gesehen. Das rechte Auge zeigte einen Normbefund. An der rechten Hand fanden sich multiple verkrustete ulzerierte Knoten. Die Laborbefunde waren unauffällig.

Keine Besserung der Endophthalmitis durch Antibiotika

Als Verdachtsdiagnose wurde eine bakterielle Endophthalmitis des linken Auges gestellt. Die Autoren initiierten eine intravitreale Injektion von 1 mg Vancomycin. Vor Beginn der antibiotischen Therapie wurde eine Kammerwasserprobe genommen. Der Abstrich sowie eine Kultur zeigten beide ein negatives Ergebnis. Hierbei ist zu bedenken, dass bei der Anzüchtung von Mycobacterium marinum die Schwierigkeit in der Temperaturempfindlichkeit des Bakteriums besteht. Es hat sein Wachstumsoptimum bei 30° und wächst fast nicht bei 37°.

Nach der Behandlung verschlechterte sich der Befund der vorderen Augenkammer. Daher wurde erneut eine Kammerwasserprobe genommen und eine Next-Generation-Sequencing Analyse durchgeführt. Hiermit fand sich Mycobacterium marinum. Daraufhin erfolgte eine orale Therapie mittels Clarithromycin, Rifampicin und Ethambutol. Zudem wurden Rifampicin-Augentropfen und topische Kortikosteroide appliziert. Die Hautläsionen klangen allmählich ab, doch am Auge verschlimmerten sich Hypopyon und Glaskörpertrübung.

Vitrektomie wurde notwendig

Bei der Vitrektomie zeigte sich in der Nähe des kornealen Limbus eine nekrotische Skleritis und eine sklerale Perforation. Zudem fanden sich einige kleine retinale Hämorrhagien. In der Glaskörperkultur wuchsen Mykobakterien. Die Kultur wurde in einem Lowenstein-Jensen Medium bei 35° durchgeführt, dadurch konnte es zu einem Wachstum der Mykobakterien kommen. Die Färbung des Abstrichs bliebnegativ.

Die Pathohistologie der Hautbiopsie zeigte käsige Nekrosen. Ungefähr einen Monat nach der Therapie traten sklerale purulente Knoten, schwere korneale Ödeme und ein Hypopyon im linken Auge in Erscheinung. Die intraokuläre Infektion war therapierefraktär gegenüber der kombinierten antibiotischen Therapie [4]. Zum Schluss entschieden sich die Autoren zur Eviszeration.

Fazit

Mycobacterium marinum kann in seltenen Fällen zu einer Endophthalmitis führen. Die Prognose der intraokulären Infektion durch nichttuberkulöse Mykobakterien ist schlecht. In fast einem Drittel der Fälle endet die Infektion in einem Verlust des Auges [2].

Auch bei initial negativer Kultur/Abstrich sollte bei entsprechender Klinik an eine Mykobakterieninfektion gedacht und die Diagnostik entsprechend angepasst werden.

Autor:
Stand:
22.05.2023
Quelle:
  1. Kheir et al. (2015): Nontuberculous mycobacterial ocular infections: a systematic review of the literature. Biomed Research International; doi:10.1155/2015/164989
  2. Chen et al. (2023): Endophthalmitis Secondary to Fish Tank Granuloma. JAMA Ophthalmology; doi: 10.1001/jamaophthalmol.2023.0955
  • Teilen
  • Teilen
  • Teilen
  • Drucken
  • Senden
Orphan Disease Finder
Orphan Disease Finder

Hier können Sie seltene Erkrankungen nach Symptomen suchen: