Vesikoureteraler Reflux: Auswirkungen rezidivierender Harnwegsinfektionen auf die Nierenfunktion

Wiederkehrende Harnwegsinfektionen können bei Kindern mit vesikoureteralem Reflux langfristige Nierenschäden verursachen. Eine aktuelle Studie zeigt, wie solche Infektionen die glomeruläre Filtrationsrate beeinflussen und welche Rolle die antibiotische Prophylaxe spielen könnte.

Glomerulus

Kinder mit vesikoureteralem Reflux (VUR), einer häufigen angeborenen Anomalie, entwickeln oft wiederkehrende Harnwegsinfektionen (UTIs), die langfristige Nierenschäden zur Folge haben können. Eine aktuelle Sekundäranalyse der RIVUR-Studie (Randomized Intervention for Children With Vesicoureteral Reflux) zeigt, wie sich diese Infektionen auf die glomeruläre Filtrationsrate (eGFR) und somit die Nierenfunktion auswirken. Ziel der Studie war es, den Zusammenhang zwischen der Anzahl von UTIs und der Veränderung der eGFR bei VUR-Patientinnen und Patienten genauer zu beleuchten.

Vergleich der eGFR-Werte zu Studienbeginn und Ende

Bei der RIVUR-Studie handelt es sich um eine zweijährige, multizentrische, randomisierte und placebokontrollierte Studie mit 607 Kindern mit vesikoureteralem Reflux, der nach einer ersten oder zweiten Harnwegsinfektion diagnostiziert wurde. Primär wurde die Wirksamkeit einer Prophylaxe mit Cotrimoxazol (Trimethoprim, Sulfamethoxazol) zur Verhinderung von Rezidiven im Vergleich zu Placebo untersucht. Zu den sekundären Ergebnissen zählte unter anderem das Vorhandensein einer Nierenvernarbung.

In der nachfolgenden Kohortenstudie wurde die eGFR bei Kindern aus der RIVUR-Studie im Alter von mindestens sechs Monaten anhand von Serum-Kreatinin-Werten zu Studienbeginn und nach zwei Jahren berechnet. Um Faktoren wie Alter und Komorbiditäten zu berücksichtigen, erfolgten die Berechnungen im Rahmen einer multivariaten Regressionsanalyse.

Häufigkeit der Harnwegsinfektionen korreliert mit eGFR-Reduktion

Die Studie umfasste 188 Kinder mit VUR, deren durchschnittliche Veränderung der eGFR bei 9,5 mL/min/1,73 m² lag. Kinder mit mehr als einer Harnwegsinfektion im Studienzeitraum zeigten eine eGFR-Reduktion von durchschnittlich 12,3 mL/min/1,73 m² gegenüber jenen mit einer oder keiner UTI.

Besonders auffällig war, dass Kinder im Placebo-Arm mit häufigeren fieberhaften Harnwegsinfektionen eine um 27,1 mL/min/1,73 m² niedrigere eGFR aufwiesen. In der multivariaten Analyse blieb diese Verringerung nach Korrektur für Ausgangsvariablen signifikant, was auf eine potenziell schädliche Wirkung rezidivierender UTIs auf die Nierenfunktion hindeutet. Bei den Kindern, die eine antibiotische Prophylaxe erhielten, war dieser eGFR-Verlust nicht signifikant festzustellen.

Grundlage für weitere Forschung

Die Ergebnisse legen nahe, dass häufige Harnwegsinfektionen die Nierenfunktion bei Kindern mit vesikoureteralem Reflux beeinträchtigen können. Eine antibiotische Prophylaxe könnte dabei helfen, die Schwere solcher Infektionen zu verringern und somit die eGFR zu stabilisieren.

Eine Limitation der Studie ist allerdings, dass die RIVUR-Studie ursprünglich nicht für die Untersuchung der eGFR-Veränderung ausgelegt war. Daher können die Befunde nur als Grundlage für weitergehende Studien dienen, um die Langzeitauswirkungen rezidivierender UTIs auf die Nierenfunktion besser zu verstehen und gegebenenfalls präventive Maßnahmen für eine nachhaltige Nierengesundheit in dieser Patientengruppe zu optimieren.

Autor:
Stand:
04.12.2024
Quelle:
  1. Hains et al. (2024): Glomerular Filtration Rate Changes Following UTI in Children With Vesicoureteral Reflux. JAMA Pediatr, DOI: 10.1001/jamapediatrics.2024.4546.
  2. Hoberman et al. (2014): Antimicrobial prophylaxis for children with vesicoureteral reflux. N Engl J Med. 2014 Jun 19;370(25):2367-76, DOI: 10.1056/NEJMoa1401811.
  • Teilen
  • Teilen
  • Teilen
  • Drucken
  • Senden