Kardiovaskuläres Risiko bei Psoriasis-Arthritis und Spondyloarthritis

Psoriasis-Arthritis und Spondyloarthritis sind mit einem erhöhten kardiovaskulären Risiko assoziiert. Eine Metaanalyse untersucht die Langzeitinzidenz kardiovaskulärer Ereignisse in beiden Patientengruppen und analysiert mögliche Einflüsse von Entzündung und Therapie.

Rheumatische Erkrankungen

Die Psoriasis-Arthritis (PsA) und die Spondyloarthritis (SpA) gehören zu den häufigsten chronisch-entzündlichen Erkrankungen des muskuloskelettalen Systems. Neben der Beeinträchtigung der Gelenkfunktion sind sie mit einer erheblichen systemischen Morbidität assoziiert. Eine der klinisch relevantesten Komorbiditäten ist das erhöhte Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen (CVD [cardiovascular disease]). Epidemiologische Studien weisen darauf hin, dass bis zu 19 % der PsA-Patienten und 12 % der SpA-Patienten kardiovaskuläre Komplikationen entwickeln.

Das kardiovaskuläre Risiko resultiert aus einer Kombination aus chronischer systemischer Inflammation, medikamentösen Einflüssen sowie häufigen Komorbiditäten wie Hypertonie, Dyslipidämie und Diabetes mellitus. Zusätzlich erhöhen Lebensstilfaktoren wie Rauchen, Alkoholkonsum und Bewegungsmangel das Risiko weiter.

Meta-Analyse zur kardiovaskulären Inzidenz bei PsA und SpA

Die langfristige Entwicklung des kardiovaskulären Risikos bei Psoriasis-Arthritis und Spondyloarthritis sowie der Einfluss von Therapien auf dessen Reduktion sind bislang unzureichend untersucht. Eine aktuelle systematische Übersichtsarbeit mit Meta-Analyse hat die Inzidenz kardiovaskulärer Ereignisse wie koronare Herzkrankheit (KHK), Schlaganfälle und kardiovaskuläre Mortalität bei PsA- und SpA-Patienten im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung bewertet.

Hierfür wurden Langzeitstudien mit einer Mindestlaufzeit von fünf Jahren analysiert. Von 993 gesichteten Publikationen wurden 34 in die systematische Literaturübersicht aufgenommen, 24 davon in die Meta-Analyse einbezogen. Insgesamt wurden Daten von über 200.000 Patienten berücksichtigt. Die statistische Auswertung erfolgte mittels Zufallsmodell zur Berechnung von Hazard Ratios (HR), ergänzt durch Sensitivitätsanalysen zur Überprüfung der Ergebnisstabilität.

Erhöhtes kardiovaskuläres Risiko bei beiden Erkrankungen

Die Analyse zeigte ein signifikant erhöhtes kardiovaskuläres Risiko bei Patienten mit PsA und SpA im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung. Insbesondere Patienten mit SpA wiesen ein erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse auf, insbesondere für Schlaganfall, KHK und kardiovaskuläre Mortalität. Eine erhöhte Inzidenz kardiovaskulärer Ereignisse wurde auch bei PsA-Patienten beobachtet, jedoch in geringerem Ausmaß. Im Gegensatz zur SpA war die kardiovaskuläre Mortalität bei Patienten mit PsA nicht signifikant erhöht.

Zeitliche Veränderungen des Risikos

Eine relevante Beobachtung der Meta-Analyse war der rückläufige Trend des kardiovaskulären Risikos bei PsA-Patienten im Zeitverlauf. Diese Entwicklung könnte mit optimierten Therapieansätzen, einer effektiveren Entzündungskontrolle und einer höheren Remissionsrate zusammenhängen. Im Gegensatz dazu blieb das kardiovaskuläre Risiko bei SpA-Patienten über die Jahre hinweg konstant erhöht. Dies weist auf mögliche Unterschiede in der Pathophysiologie sowie in der Wirksamkeit und Anwendung therapeutischer Strategien hin.

Einfluss verschiedener Therapien

Die Analyse der Therapieansätze deutet darauf hin, dass der Einsatz von Biologika, insbesondere bei SpA-Patienten, das kardiovaskuläre Risiko potenziell reduzieren kann. Die Evidenz zur kardiovaskulären Wirkung entzündungshemmender Therapien bleibt jedoch heterogen. Während Biologika durch eine effektive Entzündungskontrolle möglicherweise protektive Effekte entfalten, zeigen einige Studien, dass die langfristige Anwendung nicht-steroidaler Antirheumatika (NSAR) mit einem erhöhten kardiovaskulären Risiko assoziiert sein kann.

Heterogenität der Studienergebnisse

Die Meta-Analyse zeigte eine signifikante Heterogenität zwischen den eingeschlossenen Studien, vor allem bei der Inzidenz von Schlaganfällen und KHK. Diese Variabilität lässt sich durch Unterschiede in Studiendesigns, Patientenkohorten und Beobachtungszeiträumen erklären. Trotz dieser methodischen Unterschiede bestätigten Sensitivitätsanalysen die Robustheit der zentralen Ergebnisse und untermauerten die Relevanz des festgestellten kardiovaskulären Risikos bei PsA- und SpA-Patienten.

Interdisziplinärer Therapieansatz zur Minimierung des kardiovaskulären Risikos

Die Ergebnisse der Meta-Analyse unterstreichen die Notwendigkeit eines über die Krankheitskontrolle hinausgehenden Managements von PsA- und SpA-Patienten, um das kardiovaskuläre Risiko gezielt zu minimieren. Eine interdisziplinäre Betreuung sollte präventive Maßnahmen wie die engmaschige Überwachung kardiovaskulärer Parameter sowie eine individualisierte Therapieanpassung umfassen.

Insbesondere bei PsA deuten aktuelle Therapieansätze darauf hin, dass eine effektive Krankheitskontrolle potenziell auch systemische Risiken wie CVD reduzieren kann. Für SpA-Patienten hingegen besteht weiterhin ein hoher Handlungsbedarf, um Strategien zur Senkung des konstant erhöhten kardiovaskulären Risikos zu entwickeln. Die Ergebnisse zeigen die Notwendigkeit weiterer Forschung und einer optimierten Behandlungsstrategie zur Reduktion des kardiovaskulären Risikos bei PsA und SpA.

Autor:
Stand:
13.02.2025
Quelle:

Gouze et al. (2024): Risk of cardiovascular disease decreases over time in psoriatic arthritis but not in spondylarthritis: meta-analysis of longitudinal studies. Rheumatology, DOI: 10.1093/rheumatology/keae080

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