Potenzial der Heimdialyse bei Fachkräftemangel in der Nephrologie

Steigende Patientenzahlen und fehlendes Fachpersonal stellen die nephrologische Versorgung vor große Herausforderungen. Die DGfN verweist auf die Heimdialyse als bisher wenig genutzte Möglichkeit, Versorgung zu sichern, Patientenautonomie zu fördern und Ressourcen gezielt einzusetzen.

Dialyse

In Deutschland sind rund 100.000 Patienten auf eine regelmäßige Dialyse angewiesen, da ihre Nierenfunktion stark eingeschränkt oder komplett ausgefallen ist. Diese Form der Nierenersatztherapie ist lebensnotwendig, gleichzeitig aber personal- und kostenintensiv. Angesichts des zunehmenden Fachkräftemangels in der ambulanten und stationären Versorgung rückt die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie (DGfN) die Heimdialyse stärker in den Fokus.
Derzeit nutzen lediglich etwa 7 % der Betroffenen ein Heimverfahren. Nach Einschätzung der DGfN wäre ein Anteil von 20 bis 30 % realistisch, wodurch sich die nephrologische Versorgung deutlich entlasten ließe.

Heimdialyse: Verfahren und Vorteile

Bei der Heimdialyse führen die Patienten die Behandlung nach einer ausführlichen Schulung eigenständig durch. Zur Verfügung stehen die Peritonealdialyse über das Peritoneum (Bauchfell) sowie die klassische Hämodialyse mit Heimgeräten. Der Nutzen geht über organisatorische Aspekte hinaus: Eine flexible Zeitgestaltung und der Wegfall langer Anfahrtswege steigern die Lebensqualität. Zudem verbessert eine häufigere und kontinuierlichere Dialyse die Substitution der Nierenfunktion. Dies stellt insbesondere für Berufstätige oder Patienten mit familiärer Unterstützung eine geeignete Option dar.

Voraussetzungen für eine verlässliche Heimdialyse

Voraussetzung für die Anwendung ist eine sorgfältige Schulung der Patienten sowie eine kontinuierliche Betreuung durch den behandelnden Nephrologen. Auch das Behandlungsteam muss entsprechend qualifiziert sein, da es die anfängliche Einweisung, die technische Handhabung und das Management möglicher Komplikationen übernimmt.

Für viele Patienten ist die Gewissheit, dass ein kompetentes Team im Hintergrund steht, entscheidend für die Akzeptanz des Verfahrens. Ambulante und stationäre Zentren übernehmen diese Funktion und stehen als verlässliche Ansprechpartner bereit, falls Fragen auftreten oder eine stationäre Abklärung erforderlich ist. Damit die Heimdialyse langfristig erfolgreich etabliert werden kann, sind standardisierte Schulungskonzepte und eine gute Vernetzung zwischen Zentrum und Patient unverzichtbar.

Neue Vergütungsregelungen als gesundheitspolitische Weichenstellung

Zum 1. Januar 2025 wurden finanzielle Anreize für die Heimdialyse geschaffen. Leistungserbringer in Praxen und Kliniken erhalten für die ersten 52 Behandlungswochen wöchentliche Zuschläge in Höhe von 96,50 Euro (Gebührenordnungsposition 40845–40847). Dafür stehen zusätzliche Mittel von rund 15 Millionen Euro bereit. Die DGfN sieht darin eine wichtige Grundlage, um die Heimdialyse langfristig strukturell zu verankern und Patienten ab dem Zeitpunkt der Diagnose eine echte Wahlmöglichkeit zu bieten.

Strategische Grundlage: 10-Punkte-Plan der DGfN

Bereits im Jahr 2021 hatte die Fachgesellschaft einen 10-Punkte-Plan vorgestellt, mit dem sie die Heimdialyse und die Nierentransplantation stärken wollte. Grundlage hierfür war die im Rahmen des Innovationsfonds geförderte MAU-PD-Studie („Multidimensionale Analyse der Ursachen für die niedrige Prävalenz der ambulanten Peritonealdialyse in Deutschland“, DRKS00012555), welche die Ursachen für die niedrige Prävalenz der Peritonealdialyse in Deutschland analysierte. Die Studie zeigte deutliche Defizite in den Bereichen Patienteninformation, Strukturen in den Zentren, Ausbildung und Wirtschaftlichkeit auf.

Der 10-Punkte-Plan sieht unter anderem standardisierte Aufklärungsmaterialien, die Integration aller Dialyseverfahren in die Facharztausbildung, den Ausbau telemedizinischer Betreuung, eine angemessene Vergütung, ein nationales Dialyseregister sowie einen Nationalen Nierenplan vor. Das Ziel besteht darin, die Heimverfahren als gleichwertige Therapieoptionen zu etablieren und die Transplantationsrate zu verbessern.

Integration der Heimdialyse in nationale Versorgungssysteme

Die DGfN engagiert sich auch auf globaler Ebene für die Heimdialyse. Sie ist Teil des International Home Dialysis Consortium, in dem Fachgesellschaften, medizinisches Personal, Patientenorganisationen und politische Entscheidungsträger zusammenkommen. Das Ziel besteht darin, die Heimdialyse international sichtbarer zu machen und sie in nationale Versorgungssysteme zu integrieren.

Langfristig wird die Prävention entscheidend sein. Etwa 10 % der Bevölkerung leiden an einer chronischen Nierenerkrankung, oft ohne es zu wissen. Diese Erkrankungen sind eng mit Hypertonie und kardiovaskulären Komorbiditäten wie Schlaganfall und Herzinfarkt verknüpft. Sie verursachen eine hohe Krankheitslast und erhebliche sozioökonomische Kosten. Eine engere Zusammenarbeit von Hausärzten, Kardiologen und Diabetologen kann dazu beitragen, Risikopatienten frühzeitig zu identifizieren und rechtzeitig therapeutische Maßnahmen einzuleiten. Dadurch besteht die Möglichkeit, die Zahl der Dialysepatienten zu verringern, hochspezialisiertes Personal zu entlasten und die Heimdialyse in Deutschland langfristig zu stärken.
 

Autor:
Stand:
30.09.2025
Quelle:

[1] Deutsche Gesellschaft für Nephrologie e. V. (DGfN), Pressemitteilung, 09.09.2025

[2] Deutsche Gesellschaft für Nephrologie e. V. (DGfN), Pressemitteilung, 24.09.2021

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