EADV 2023: Hautfarbe & Dermatologie – neue Perspektiven

Die Dermatologie muss sich an die Vielfalt der Hauttöne anpassen. Bei dunkler Haut können Hauterkrankungen anders aussehen und erfordern spezifische Behandlungsansätze.

Hauttypen

Die Dermatologie basiert stark auf visuellen Diagnosen, wobei die meisten Lehrmaterialien Bilder von Menschen mit heller Haut zeigen. Doch mit dem wachsenden Bewusstsein über die Diversität der Bevölkerung wird es immer wichtiger, die Besonderheiten von "Skin of Color" (SoC) zu verstehen und entsprechend zu behandeln [1,2].

Herausforderung Hauttyp-Definition

Die Herausforderungen beginnen bereits mit der Definition der Hauttypen. Diese werden meist nach Fitzpatrick eingeteilt, die jedoch den ethnischen Ursprung der Menschen außer Acht lässt. Die Haut eines Menschen mit indischen Vorfahren mag gemäß der Fitzpatrick-Einteilung einer Person mit brasilianischen Vorfahren ähneln. Sie ist jedoch von einem gänzlich anderen Hauttyp. Doch nicht nur das: Scores für die Diagnose verschiedener Hauterkrankungen sind meist vor allem auf Menschen mit europäischem Ursprung ausgelegt. Verteilung und Morphologie können sich bei SoC jedoch davon unterscheiden. Das kann zu falschen Diagnosen führen.

Auch die Einteilung in weiß und nicht-weiß oder SoC und nicht-SoC limitiere die Dermatologie, erklärte Andrew Alexis aus den USA beim diesjährigen EADV-Kongress in Berlin. Er rückte das Thema „Skin of Colour“ in den Fokus, da die Diagnose von Hauterkrankungen bei Menschen mit SoC herausfordernd ist: Die seborrhoische Dermatitis kann sich beispielsweise nur durch hypopigmentierte Anteile in den klassischen Arealen zeigen, ohne dass ein Erythem sichtbar ist. Oder die gerötete Haut bei einer Psoriasis fällt auf den ersten Blick gar nicht auf [1,2]. Deshalb empfiehlt er: „Kalibrieren Sie Ihre Augen zunächst, indem Sie nicht betroffene Haut des Patienten betrachten. Blicken Sie erst dann auf die Läsion und kalkulieren Sie im Kopf ein Delta der Farbintensität von der vorher betrachteten Haut. Nun werden Sie die subtilen Unterschiede von Rot, Braun und anderen Farben innerhalb der Läsion erkennen können.“

Hyperpigmentierung – ein zentrales Anliegen bei SoC

Ein weiteres kritisches Thema bei der Behandlung von SoC ist die Hyperpigmentierung. Dunkle Haut kann auf Entzündungen mit Hyper- oder Hypopigmentierung reagieren. Auch eine übermäßige Narbenbildung mit Keloiden kann auftreten. Obwohl die Behandlung einer Erkrankung, wie beispielsweise Psoriasis oder Akne erfolgreich war, können danach hyperpigmentierte Stellen zurückbleiben, die die Lebensqualität der Patienten beeinträchtigen. „Darüber muss offen mit den Betroffenen gesprochen werden“, so die Dermatologin Nada Elbuluk aus den USA beim EADV.

Die Hyperpigmentierung lasse sich zwar meist behandeln, das brauche aber Zeit. Für die Therapie eigenen sich beispielsweise Retinoide wie Trifaroten, Azelainsäure, Salizylsäure, chemische Peelings oder Tyrosinaseinhibitoren. Mit Vitamin B-Komplexen habe der Dermatologe Shyam Verma aus Indien gute Erfahrung gemacht [1,2].

Besonderheiten bei Hautkrebs

Obwohl Menschen mit SoC seltener an Melanomen erkranken, liegt ihre 5-Jahres-Überlebensrate bei nur 75%, verglichen mit 92,9% bei Menschen mit heller Haut. Plattenepithel- und Basalzellkarzinome treten bei ihnen besonders häufig auf. Daher ist ein effektiver Sonnenschutz für Menschen mit dunkler Haut essenziell, der zudem vor Hyperpigmentierung schützt. Ibrahima Traore aus Guinea rät beim Kongress, besonders auf Regionen mit Narben und chronischen Entzündungen zu achten. Ein perivaskulärer weißer Halo um eine Läsion könnte ein Anzeichen für ein Plattenepithelkarzinom auf dunkler Haut sein.

Zukunft der Dermatologie: Inklusivität und Anpassung

Mit der zunehmenden weltweiten Migration wird das Bewusstsein für die Besonderheiten von SoC auch in Ländern wie Deutschland immer wichtiger. Online-Ressourcen, wie die Webseite der Skin of Color Society [3], können Dermatologen unterstützen, bis diese Thematik fest im Lehrplan verankert ist. Es ist entscheidend, dass die Dermatologie sich weiterentwickelt, um Menschen mit allen Hauttönen optimal zu versorgen.

Autor:
Stand:
17.10.2023
Quelle:
  1. Trarore I., Alexis A.F., et al.: „Dermatology in skin of color patients“, 32. EADV Kongress, Berlin, 11. Oktober 2023.
  2. Alexis A.F.: „Diagnostic and therapeutic pitfalls in skin of colour“, 32. EADV Kongress, Berlin, 14. Oktober 2023.
  3. The Skin of Color Society (SOCS): Skin of Color Society. Online, zuletzt aufgerufen am 16.10.2023.
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