Mit der Aktualisierung der S3-Leitlinie Endometriumkarzinom steht für die Versorgung von Patientinnen mit Gebärmutterkörperkrebs ein überarbeitetes evidenzbasiertes Regelwerk zur Verfügung. Ziel der neuen Version ist es, Diagnostik und Therapie stärker an individuellen Risikoprofilen auszurichten und gleichzeitig die onkologische Sicherheit zu gewährleisten. Nach Angaben des Leitlinienprogramms Onkologie erkranken in Deutschland jährlich rund 11.000 Frauen an einem Endometriumkarzinom, der häufigsten malignen Erkrankung der weiblichen Genitalorgane. Die Bedeutung einer differenzierten Therapieplanung ist daher für die klinische Versorgung von hoher Relevanz.
Risikoklassifikation als Grundlage therapeutischer Entscheidungen
Ein zentrales Element der Leitlinienaktualisierung ist die konsequente Orientierung an der Risikoklassifikation der European Society of Gynaecological Oncology (ESGO), der European Society for Radiotherapy and Oncology (ESTRO) und der Europäischen Gesellschaft für Pathologie (ESP). Diese unterteilt Patientinnen in die Gruppen Low Risk, Intermediate Risk, High-Intermediate Risk und High Risk und ermöglicht eine präzisere Auswahl therapeutischer Maßnahmen. Laut Pressemitteilung der Deutschen Krebsgesellschaft können dadurch bei Patientinnen mit niedrigem Risikoprofil unnötige operative Eingriffe sowie adjuvante Strahlen- oder Chemotherapien vermieden werden. Dieser Ansatz reduziert deutlich die therapiebedingte Morbidität und trägt zur Verbesserung der Lebensqualität bei.
Neuerungen beim operativen Staging
Die überarbeitete Leitlinie enthält mehrere neue Empfehlungen zur chirurgischen Behandlung. Besonders hervorzuheben sind die präzisierte Anwendung der Sentinel-Lymphadenektomie entsprechend der ESGO-/ESTRO-/ESP-Risikoklassifikation sowie Empfehlungen zum Vorgehen bei positivem Sentinel-Lymphknoten hinsichtlich einer möglichen Komplettierungs-Lymphadenektomie. Darüber hinaus wurden neue Daten zur laparoskopischen und robotisch assistierten Chirurgie bei Hochrisikopatienten berücksichtigt. Diese Änderungen zählen laut Langversion der Leitlinie zu den wesentlichen Neuerungen.
Adjuvante Therapie stärker molekular gesteuert
Auch die Empfehlungen zur adjuvanten Behandlung wurden umfassend überarbeitet. Die Leitlinie formuliert neue Empfehlungen zur Anwendung von Strahlentherapie und Chemotherapie entsprechend der ESGO-/ESTRO-/ESP-Risikoklassifikation und berücksichtigt dabei zunehmend molekulare Risikofaktoren in der Therapieplanung. Nach Angaben der Leitlinienautoren kann bei bestimmten molekularen Tumorprofilen und vollständiger Tumorresektion sogar auf eine adjuvante Chemo- oder Strahlentherapie verzichtet werden. Für Patientinnen mit höherem Risiko werden differenzierte Empfehlungen zu vaginaler Brachytherapie, perkutaner Bestrahlung, Chemotherapie oder kombinierten Behandlungskonzepten gegeben.
Erweiterte Empfehlungen für fortgeschrittene Erkrankungen
Die aktualisierte Leitlinie enthält außerdem neue Empfehlungen zu modernen systemischen Therapieoptionen bei primär fortgeschrittenem oder rezidiviertem Endometriumkarzinom. Dazu zählen kombinierte Chemo-Immuntherapien mit Pembrolizumab, Dostarlimab oder Durvalumab sowie Behandlungsstrategien unter Einbeziehung von Olaparib. Ergänzt wurden außerdem Hinweise zur operativen zytoreduktiven Therapie sowie Empfehlungen zur Behandlung seltener Tumorentitäten wie dem Karzinosarkom. Damit trägt die Leitlinie aktuellen Entwicklungen der gynäkologischen Onkologie Rechnung und stärkt den Trend zu einer zunehmend individualisierten Therapie des Endometriumkarzinoms.













