Seit über 30 Jahren gibt es die Möglichkeit, Wechseljahresbeschwerden wie Hitzewallungen, Schweißausbrüche oder Depressionen mit einer Hormonersatztherapie (HRT) zu mildern. Doch genauso lange wird über die Auswirkungen auf das Gefäßsystem diskutiert. Anfangs wurde der HRT noch ein gewisser Gefäßschutz durch Östrogene zugesprochen, doch seit geraumer Zeit ist klar, dass die HRT auch Risiken auf das Herz-Kreislauf-System birgt. Das bestätigt jetzt auch eine aktuelle schwedische Studie.
Doch die Forscher der Universität Uppsala gehen noch einen Schritt weiter: Sie differenzieren nicht nur nach den jeweiligen Erkrankungen wie Thromboembolien oder Schlaganfall, sie untersuchten auch, ob es Unterschiede bei der jeweiligen Darreichungsform der Hormone bzw. ihrer Kombination gibt.
Aus dem schwedischen nationalen Gesundheitsregister wurden die Daten von insgesamt 77 512 Frauen, die eine Hormontherapie in den Wechseljahren erhalten hatten, mit den Daten von 842 102 Frauen ohne HRT verglichen.
Bei der HRT wurde zwischen sieben Darreichungsformen unterschieden:
- Orale kombinierte und kontinuierlich verabreichte Hormontherapie,
- Orale kombiniertes und sequenziell verabreichte Hormontherapie
- Orales freies Östrogen
- Orales Östrogen mit lokalem Gestagen
- Tibolon
- Transdermale kombinierte HRT
- Transdermales Östrogen
Bei den verschiedenen Herz-Kreislauf-Erkrankungen wurden die Risiken nach venösen Thromboembolien, ischämisch Herzkrankheit, Hirninfarkt und Myokardinfarkt sowohl getrennt und als auch zusammengesetztes Ereignis aufgeschlüsselt.
Orale HRT: hohes Risiko für KHK
Ergebnis: Die häufigste kardiovaskuläre Erkrankung in der gesamten Studienpopulation war mit 43% die koronare Herzerkrankung (KHK) gefolgt von Thromboembolien mit 38%. Die orale kombinierte kontinuierliche Hormontherapie in den Wechseljahren war mit 37% aller HR-Behandlungen die häufigste Darreichungsform.
Für die orale Östrogen-Gestagen-Therapie und auch Tibolon ergab sich innerhalb der ersten zwei Jahre nach Therapiebeginn generell ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verglichen mit Frauen, die keine HRT angewendet hatten. Aufgeschlüsselt nach den verschiedenen Erkrankungsarten traten bei der oralen kombinierten Dauertherapie vor allem ischämische Herzerkrankung (Risikosteigerung 21%) vermehrt auf. Bei der oralen kontinuierlichen Östrogen-Gestagen-Therapie lag die Risikosteigerung für thromboembolische Ereignisse bei 61% (Hazard Ratio HR 1,61; Konfidenzintervall KI 1,35 bis 1,92). Bei der sequenziellen Therapie verdoppelt sich das Risiko (HR 2,00; KI 1,61 bis 2,49) und bei der reinen Östrogentherapie betrug das Thromboembolie-Risiko 57% mehr als in der Vergleichsgruppe ohne HRT (HR 1,57; KI 1,02 bis 2,44).
Bei Tibolon zeigte sich ein um 46% erhöhtes Risiko für ischämische Herzkrankheiten, sowie auch ein fast verdoppeltes Risiko für Hirn- (HR 1,97, KI 1,02 bis 3,78) und Myokardinfarkte (HR 1,94, KI 1,01 bis 3,73), nicht aber für venöse Thromboembolien.
Wurden die transdermalen Darreichungsformen verwendet, war eine Risikosteigerung für Herz-Kreislauf-Erkrankungen (Myokardinfarkt, Hirninfarkt oder ischämische Herzkrankheit) nicht nachzuweisen.










