Respiratorische Infektionen gehören bei älteren Patienten zu den häufigsten Ursachen für Krankenhausaufenthalte. Neben akuten Komplikationen wie Pneumonie oder respiratorischem Versagen können sie auch längerfristige gesundheitliche Folgen nach sich ziehen. Während Influenza in diesem Kontext gut untersucht ist, gibt es für das respiratorische Synzytial-Virus (RSV) weniger Evidenz.
Umfangreiche Kohortenanalyse zu RSV-Hospitalisierungen bei älteren Erwachsenen in Kanada
Eine im 'Journal of the American Geriatrics Society' veröffentlichte retrospektive Kohortenstudie analysierte Gesundheitsdaten von Erwachsenen ab 65 Jahren aus Ontario (Kanada). Untersucht wurden 2.558 RSV-bedingte Hospitalisierungen zwischen 2011 und 2020. Vergleichsgruppen bildeten Patienten, die aufgrund von Influenza (n = 16.688), Harnwegsinfektion (n = 73.587) oder Fraktur (n = 11.262) stationär behandelt wurden.
Primäre Endpunkte waren in-hospital Outcomes (Aufenthaltsdauer, Verlegung auf Intensivstation, 30-Tage-Mortalität) sowie kardiovaskuläre Ereignisse (Herzinsuffizienz, Myokardinfarkt, Schlaganfall, Vorhofflimmern) bis ein Jahr nach Entlassung.
Schwerere Klinikverläufe und höhere Mortalität bei RSV-Hospitalisierung
Patienten mit RSV-Hospitalisierung wiesen signifikant schwerere Verläufe auf als die Vergleichsgruppen. Die Wahrscheinlichkeit einer Intensivtherapie war deutlich erhöht (Odds Ratio [OR] 1,48–3,55). Auch die 30-Tage-Mortalität lag signifikant höher (Hazard Ratio [HR] 1,49–3,98). Zudem war die durchschnittliche Aufenthaltsdauer gegenüber allen Referenzgruppen verlängert.
Erhöhtes Risiko für Herzinsuffizienz und Vorhofflimmern
Die Analyse ergab, dass 18,5 % der RSV-Patienten innerhalb eines Jahres nach Entlassung ein kardiovaskuläres Ereignis entwickelten.
• Herzinsuffizienz: Das Risiko war im Vergleich zu allen Referenzgruppen signifikant erhöht (HR 1,48–3,74), unabhängig vom Vorliegen kardiovaskulärer Vorerkrankungen.
• Vorhofflimmern: Auch Vorhofflimmern trat häufiger auf, wobei Ausmaß und Signifikanz von der jeweiligen Vergleichsgruppe und den Vorerkrankungen abhingen.
Vergleich zeigt: RSV belastender als Influenza, Harnwegsinfektion und Frakturen
Im direkten Vergleich zeigte sich RSV in mehrfacher Hinsicht belastender als Influenza und nicht-respiratorische Infektionen. Während bei Influenza 17,7 % und bei Harnwegsinfektionen 12,1 % der Patienten im Verlauf ein kardiovaskuläres Ereignis entwickelten, lag die Rate bei RSV mit 18,5 % deutlich höher. Frakturpatienten hatten mit 8,4 % das niedrigste Risiko.
Fazit: RSV im höheren Lebensalter mit hoher klinischer Belastung
Die Ergebnisse zeigen: RSV-Hospitalisierungen bei älteren Erwachsenen gehen mit schwereren akuten Verläufen und einem signifikant erhöhten Risiko für Herzinsuffizienz einher; Vorhofflimmern trat häufiger auf. Damit wird die klinische Relevanz von RSV im höheren Lebensalter deutlich und schafft damit eine wichtige Grundlage für die weitere Versorgung und Forschung.
Wie Studienautor Chris Verschoor in einer begleitenden Pressemitteilung erläuterte, spielen auch Aspekte der Immunität und Nachsorge eine Rolle: „Anders als bei anderen respiratorischen Viren nimmt die Immunität gegen RSV relativ schnell ab. Das bedeutet, dass eine durchgemachte Infektion nicht denselben langfristigen Schutz bietet wie etwa gegen Influenza oder COVID-19. Unsere Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung der RSV-Impfung bei älteren Erwachsenen und legen nahe, dass die Überwachung auf Anzeichen einer Herzerkrankung nach einer RSV-Erkrankung sinnvoll sein könnte.“










