RSV-Impfstoffe
Das Robert Koch-Institut (RKI) hat in Zusammenarbeit mit der Ständigen Impfkommission (STIKO) umfassende Impfempfehlungen für den Schutz vor dem Respiratorischen Synzytial-Virus (RSV) herausgegeben. Für die Saison 2025/26 empfiehlt die STIKO die aktive Immunisierung für ältere Erwachsene ab 75 Jahren sowie für 60- bis 74-Jährige mit hohem Risiko. Die Impfung sollte möglichst vor der RSV-Saison erfolgen.
Aktuell sind in Deutschland drei Impfstoffe für die aktive Immunisierung gegen RSV bei Erwachsenen zugelassen:
- Arexvy Pulver und Suspension zur Herstellung einer Injektionssuspension
- Abrysvo Pulver und Lösungsmittel zur Herstellung einer Injektionslösung
- mRESVIA Injektionsdispersion in einer Fertigspritze
Arexvy und Abrysvo basieren auf rekombinant hergestellten Prefusions-F-Protein-Antigenen und induzieren neutralisierende Antikörper sowie T-Zell-Antworten gegen das Virus. Sie sollen RSV-bedingte Erkrankungen der unteren Atemwege, Hospitalisierungen und Todesfälle bei älteren Erwachsenen verhindern.
mRESVIA von Moderna ist der erste zugelassene mRNA-basierte aktive RSV-Impfstoff in Deutschland. Er löst eine aktive Immunantwort aus, bei der der Körper selbst das RSV-F-Protein produziert und darauf Antikörper sowie T-Zellen bildet. Studien zeigen eine hohe Wirksamkeit und eine besonders robuste T-Zell-Antwort, die gerade für ältere Menschen wichtig ist. Die Zulassung umfasst Erwachsene ab 60 Jahren zur Prävention von RSV-bedingten Erkrankungen der unteren Atemwege. Die Fertigspritze vereinfacht die Handhabung und soll eine hohe Akzeptanz in der Praxis gewährleisten.
Deutschland ist nach Frankreich das zweite EU-Land mit offizieller Empfehlung für den Moderna-Impfstoff, was den wachsenden Stellenwert von mRNA-Impfstoffen beim Schutz älterer Bevölkerungsgruppen unterstreicht.
Passive Immunisierung (Nirsevimab)
Für Säuglinge empfiehlt die STIKO die passive Immunisierung mit dem humanen monoklonalen Antikörper Nirsevimab, um schwere RSV-Infektionen in der ersten Saison zu verhindern. Dabei handelt es sich um einen lang wirksamen Antikörper, der einmalig vor Beginn der RSV-Saison verabreicht wird.
Die Injektionslösung steht in zwei Wirkstärken zur Verfügung:
- Beyfortus 50 mg Injektionslösung in einer Fertigspritze
- Beyfortus 100 mg Injektionslösung in einer Fertigspritze
Nirsevimab bindet das konservierte Epitop des RSV-F-Proteins und neutralisiert das Virus direkt. Klinische Studien zeigen eine deutliche Reduktion von Hospitalisierungen und schweren RSV-Infektionen bei Säuglingen während der ersten RSV-Saison.
Impfempfehlungen
Die STIKO unterscheidet in ihren Empfehlungen zwischen einer Standard- und einer Indikationsimpfung sowie der passiven Immunisierung.
Standardimpfung:
- Alle Personen ab 75 Jahren: jährliche aktive RSV-Impfung.
Indikationsimpfung:
- Personen im Alter von 60 bis 74 Jahren mit schweren Ausprägungen von:
o chronischen Erkrankungen der Atmungsorgane,
o chronischen Herz-Kreislauf-Erkrankungen,
o chronischen Nierenerkrankungen,
o hämato-onkologischen Erkrankungen,
o Diabetes mellitus (mit Komplikationen),
o einer chronischen neurologischen oder neuromuskulären Erkrankung oder
o einer schweren angeborenen oder erworbenen Immundefizienz. - Bewohnende von Pflegeeinrichtungen im Alter von 60 bis 74 Jahren.
Passive Immunisierung mit Nirsevimab:
- Für alle Neugeborenen und Säuglinge empfohlen.
Nebenwirkungen
Die häufigsten Nebenwirkungen der aktiven RSV-Impfstoffe sind lokale Reaktionen an der Injektionsstelle (Schmerzen, Rötung, Schwellung), Ermüdung/Fatigue, Kopfschmerzen, Myalgie und Arthralgie. Diese Beschwerden sind meist mild bis moderat und klingen innerhalb weniger Tage ab.
Die häufigste Nebenwirkung von Nirsevimab war leichter bis moderater Hautausschlag, innerhalb von 14 Tagen nach der Injektion. Fieber und Reaktionen an der Injektionsstelle traten innerhalb von sieben Tagen auf und waren nicht schwerwiegend.
Kontraindikationen
Bei aktiven RSV-Impfstoffen
- Überempfindlichkeit gegenüber einem Bestandteil des Impfstoffs.
- Akute schwere Erkrankungen mit Fieber: Impfungen sollten bis zur Genesung verschoben werden.
Bei Nirsevimab
- schwere Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der Hilfsstoffe.
Impfablauf und Dosierung
Aktive RSV-Impfung:
- ≥ 75 Jahre: einmalige Impfung, möglichst vor Beginn der RSV-Saison (idealerweise im September oder Anfang Oktober).
- 60–74 Jahre: einmalige Impfung empfohlen bei hohem Risiko für schwere RSV-Erkrankungen.
Passive Immunisierung mit Nirsevimab:
- einmalige intramuskuläre Gabe bei Neugeborenen und Säuglingen vor Beginn ihrer ersten RSV-Saison.
Impfschutz
Das Respiratorische Synzytial-Virus verursacht weltweit schwere Infektionen der unteren Atemwege. Besonders gefährdet sind ältere Erwachsene, Säuglinge und Menschen mit chronischen Erkrankungen. RSV kann Pneumonien, Bronchiolitiden und Exazerbationen chronischer Erkrankungen auslösen und ist eine führende Ursache für Hospitalisierungen im Kindesalter.
Proteinbasierte RSV-Impfstoffe zeigten in randomisierten Studien eine signifikante Reduktion von RSV-bedingten Erkrankungen der unteren Atemwege und Hospitalisierungen bei älteren Erwachsenen. Sie sind derzeit eine wichtige Standardoption zur Prävention schwerer Verläufe.
Der mRNA-basierte RSV-Impfstoff mRESVIA soll laut STIKO-Empfehlung vor allem für Menschen ab 75 Jahren sowie für 60–74-Jährige mit Risikofaktoren eine weitere wichtige Schutzoption bieten. Die mRNA-Plattform erlaubt eine besonders starke und breit angelegte Immunantwort mit hoher T-Zell-Aktivierung, was für ältere Menschen mit Immunseneszenz vorteilhaft sein kann.
Nirsevimab bietet einen passiven Schutz vor schwerer RSV-Erkrankung in der ersten Lebenssaison. Die monoklonale Antikörpertherapie ermöglicht eine lang anhaltende Virusneutralisation ohne aktive Immunantwort des Neugeborenen.
















