ASCO 2023:Checkpoint-Hemmer oder BV zusätzlich zu AVD beim Hodgkin-Lymphom?

Aktuell werden pädiatrische und erwachsene Patienten mit einem fortgeschrittenen Hodgkin-Lymphom unterschiedlich behandelt. Kinder erhalten immer noch zu 55-60% eine Bestrahlung, die erhebliche Langzeittoxizität nach sich ziehen kann. Brentuxiab vedotin hat die Prognose in allen Altersgruppen verbessert.

Auswertung Daten

Brentuximab vedotin (BV) verhindert aber bei fortgeschrittenen klassischen Hodgkin-Lymphomen (HL) nicht immer Rezidive und geht in Kombination mit der Chemotherapie mit AVD (Doxorubicin, Vinblastin und Dacarbazin) mit zusätzlicher Toxizität einher, erläuterte Professor Dr. Alex F. Herrera, Lymphomexperte von der Klinik City of Hope in Duarte, Kalifornien, anlässlich der Jahrestagung 2023 der Amerikanischen Krebsgesellschaft ASCO [1].

Beim klassischen HL ist häufig der Ligand des Checkpoint PD-1 mutiert und scheint pathogenetisch von Bedeutung zu sein. Erste Studien hatten auf eine sehr gute Effektivität der PD-1-Hemmung beim HL hingewiesen [2]. Daher verglich die US-amerikanische Studiengruppe SWOG in einer Phase-III-Studie Nivolumab plus AVD mit BV plus AVD und schloss dabei auch pädiatrische Patienten ein, um erstmals altersunabhängig eine Harmonisierung der Therapieansätze herbeizuführen.

Studiendesign 

Die Studie SWOG S1826 schloss 976 Patienten mit neu diagnostiziertem fortgeschrittenem HL ab einem Alter von zwölf Jahren ein. Randomisiert erhielten die Studienteilnehmer entweder sechs Zyklen Nivolumab plus AVD (n=489) oder BV plus AVD (n=487). Nivolumab wurde bei Erwachsenen in einer Dosis von 240 mg an den Tagen 1 und 15 eines Zyklus verabreicht, bei bis zu 17-Jährigen in einer Dosis von 3 mg/kg mit einer Maximaldosis von 240 mg.

Bei der Standardkombination BV-AVD war eine Neutropenie-Prophylaxe mit Granulozyten-Koloniestimulierendem Faktor (G-CSF) obligat, bei Nivolumab-AVD optional möglich. Nach Abschluss der systemischen Therapie konnte eine Bestrahlung erwogen werden. Primärer Endpunkt der Studie war das progressionsfreie Überleben (engl. progression-free survival, PFS).

PFS-Risiko mit Nivolumab signifikant niedriger

Nach einer medianen Beobachtungsdauer von 12,1 Monaten lag die 1-Jahres-PFS-Rate mit Nivolumab-AVD bei 94%, mit BV-AVD bei 86%. Das entsprach einer relativen Risikoreduktion für Progress oder Tod von 52% (Hazard Ratio [HR] 0,48; 95%-Konfidenzintervall [KI] 0,27–0,87; p=0,0005). Ein PFS-Vorteil zeigte sich auch in vorab definierten Subgruppen und war danach unabhängig vom Alter, dem Risiko nach dem Internationalen Prognostischen Index (IPI), dem Stadium oder dem Vorliegen von B-Symptomen bei Studieneinschluss, berichtete Herrera.

Unterschiedliche Toxizitätsprofile

Im Nivolumab-AVD-Arm traten mehr Neutropenien auf als im BV-AVD-Arm. Herrera verwies in diesem Zusammenhang darauf, dass die G-CSF-Gabe in diesem Arm nicht verpflichtend gewesen war. Entsprechend hatten 95% der Patienten in der BV-AVD-Gruppe, aber nur 54% der Patienten in der Nivolumab-AVD-Gruppe eine Neutropenie-Prophylaxe erhalten.

Dennoch gab es nicht mehr febrile Neutropenien oder Infektionen mit Nivolumab. Im BV-AVD-Arm waren mehr Knochenschmerzen zu verzeichnen als im Nivolumab-Arm (20% vs. 8%). Mit BV waren außerdem sensorische Neuropathien (55% vs. 29%) und Leberwertanstiege (41% vs. 32% erhöhte Alanin-Aminotransferase, ALT) häufiger. Außerdem brachen mehr Patienten die Therapie mit BV als mit Nivolumab als (22% vs. 11%). Immunassoziierte UE waren überraschend selten, ergänzte Herrera: Am häufigsten waren Hypo- und Hyperthyreose, aber Hautausschläge, Pneumonitis oder Kolitis waren mit Nivolumab-AVD nicht häufiger als mit BV-AVD.

Neue Perspektive für pädiatrische wie erwachsene Patienten

Noch ist die Beobachtungsdauer der Studie kurz und es bleiben Ergebnisse zum Gesamtüberleben und patientenberichteten Endpunkten abzuwarten. Doch schon jetzt erklärte Herrera, dass die Ergebnisse mit Nivolumab-AVD ein wichtiger Schritt hin zu einer Harmonisierung der Therapiekonzepte bei pädiatrischen und erwachsenen Patienten mit fortgeschrittenem klassischem HL seien.

Besonders hob er hervor, dass unter ein Prozent der Patienten in beiden Studienarmen noch eine zusätzliche Strahlentherapie erhalten hatten. Das sei im Hinblick auf Langzeittoxizitäten von großer Bedeutung.

Die Studie SWOG S1826 ist auf ClinicalTrials.gov unter der Nummer NCT03907488 registriert. Sie wurde vom National Cancer Institute finanziert.

Autor:
Stand:
06.06.2023
Quelle:
  1. Prof. Dr. Alex F Herrera: „SWOG S1826, a Rabndomized Study of Nivolumab(N)-AVD Versus Berntuximab Vedotin(BV-AVD) in Advanced Stage (AS) Classic Hodgkin Lymphoma.“, Abstract #LBA4, 2023 ASCO Annual Meeting, Chicago/online, 2.-6. Juni 2023
  2. Bröckelmann PJ, Bühnen I, Meissner J et al. (2023): Nivolumab and Doxorubicin, Vinblastine, and Dacarbazine in Early-Stage Unfavorable Hodgkin Lymphoma: Final Analysis of the Randomized German Hodgkin Study Group Phase II NIVAHL Trial. Journal of Clinical Oncology. DOI: 10.1200/JCO.22.02355
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