Prävention und Früherkennung – die wichtigsten Faktoren zur Verringerung der Krebssterblichkeit

Verbesserungen bei der Prävention und Vorsorge haben in den letzten 45 Jahren mehr Krebs-Todesfälle verhindert als Fortschritte in der Behandlung. Diese Entwicklungen betreffen insbesondere die fünf häufigsten Krebsarten: Brust-, Gebärmutterhals-, Kolorektal-, Lungen- und Prostatakrebs.

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Karzinome zählen weiterhin zu den weltweit führenden Todesursachen. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sterben jährlich Millionen von Menschen an verschiedenen Krebsarten. Obwohl die Mortalitätsraten in den letzten Jahrzehnten gesenkt werden konnten, bleibt die Behandlung vieler maligner Tumore eine Herausforderung. Fortschritte in der Prävention, Früherkennung und Therapie sind entscheidend, um die Mortalität weiter zu verringern.

In den USA entfallen nahezu die Hälfte aller Krebsdiagnosen und durch Krebs verursachte Todesfälle auf Brust-, Gebärmutterhals-, Kolorektal-, Lungen- und Prostatakrebs. Diese Tatsache hat zu intensivierten Forschungsbemühungen geführt, um die effektivsten Interventionen zur Bekämpfung dieser Krebsarten zu identifizieren.

Eine Untersuchung, die von den National Institutes of Health (NIH) und dem National Cancer Institute (NCI) durchgeführt wurde, beleuchtet den eindrucksvollen Rückgang der Krebssterblichkeit seit 1975 und zeigt, welche Rolle Prävention und Früherkennung in diesem Prozess spielten. Die Ergebnisse der Studie wurden im Fachjournal JAMA Oncology veröffentlicht.

Prävention und Früherkennung: Die Schlüsselstrategien

Eine Modellanalyse von Krebssterblichkeitsdaten für die fünf Krebsarten ergab, dass insgesamt etwa 5,94 Millionen Todesfälle verhindert wurden. Rund 80% dieser geretteten Leben gehen auf Präventions- und Screening-Maßnahmen zurück.

Prävention – Vorbeugen ist besser als heilen

Lungenkrebs, der häufigste und tödlichste Krebs, hat dank tabakspezifischer Präventionsmaßnahmen, insbesondere des Rauchstopps, erhebliche Rückgänge in der Mortalität erfahren. Schätzungsweise 98% der 3,45 Millionen verhinderten Lungenkrebs-Todesfälle sind auf die Reduzierung des Rauchens zurückzuführen. Diese Ergebnisse verdeutlichen die enorme Bedeutung der Tabakkontrolle als präventive Maßnahme. Ähnlich wichtig sind die Fortschritte bei der HPV-Impfung und dem Screening bei Gebärmutterhalskrebs, die nahezu alle vermeidbaren Todesfälle in dieser Krebsart verhinderten.

Screening – Früherkennung rettet Leben

Bei Brust-, Kolorektal- und Prostatakrebs haben Screening-Programme maßgeblich zur Reduktion der Krebssterblichkeit beigetragen. Bei Brustkrebs verhinderten Mammografien rund 25% der Todesfälle. Für Kolorektalkarzinome war die Früherkennung durch Koloskopien und die Entfernung von Präkanzerosen für 79% der verhinderten Todesfälle verantwortlich, während 21% auf therapeutische Fortschritte zurückzuführen sind. Bei Prostatakrebs waren es vor allem PSA-Tests, die die Sterblichkeit signifikant senkten.

Behandlung: Fortschritte, aber nicht der Haupttreiber

Fortschritte in der Behandlung, wie neue zielgerichtete Therapien und Immuntherapien, haben selbstverständlich auch zur Verbesserung der Prognose vieler Krebspatienten beigetragen. Allerdings ist der Einfluss der Behandlung auf die Verhinderung von Todesfällen im Vergleich zu Prävention und Screening in den letzten 45 Jahren eher begrenzt. Bei Brustkrebs beispielsweise wurden 75% der verhinderten Todesfälle durch Therapieansätze erzielt, während bei anderen Krebsarten wie Prostatakrebs und Kolorektalkarzinom die Behandlung nur einen geringeren Anteil an den geretteten Leben ausmachte.

Herausforderungen und Chancen im Kampf gegen Krebs

Trotz dieser beeindruckenden Fortschritte bleibt noch viel zu tun, um die Krebssterblichkeit weiter zu senken. Die Studie verdeutlicht, dass Prävention und Screening die wichtigsten Instrumente im Kampf gegen Krebs sind. Eine der größten Herausforderungen besteht jedoch darin, diese Maßnahmen flächig und gerecht in allen Bevölkerungsgruppen umzusetzen. Insbesondere bei benachteiligten oder schwer erreichbaren Patientengruppen gibt es noch erhebliche Lücken in der Versorgung.

Zukünftige Forschungsbemühungen sollten darauf abzielen, bestehende Screening- und Präventionsstrategien weiter zu optimieren und neue, innovative Ansätze zu entwickeln, um auch Krebsarten ohne effektive Präventionsmethoden, wie etwa Bauchspeicheldrüsenkrebs, zu bekämpfen.

Nur durch einen integrativen Ansatz, der Prävention, Früherkennung und Therapie miteinander kombiniert, können die Fortschritte der letzten Jahre weiter ausgebaut und die Krebssterblichkeit weiter gesenkt werden.

Autor:
Stand:
19.02.2025
Quelle:

Goddard, K. A. B. et al. (2024): Estimation of Cancer Deaths Averted From Prevention, Screening, and Treatment Efforts, 1975-2020, JAMA Oncology, DOI: 10.1001/jamaoncol.2024.538.

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