Der Zusammenhang zwischen Typ-2-Diabetes mellitus (T2DM) und einem erhöhten Brustkrebsrisiko hat das Interesse an neuen therapeutischen Ansätzen geweckt, die auf gemeinsame Stoffwechselwege abzielen. In diesem Zusammenhang rückt eine neue Klasse von Arzneimitteln in den Fokus: die SGLT2-Inhibitoren. Diese finden breite Anwendung in der Therapie von Diabetes sowie komorbider Herzinsuffizienz und/oder Nierenerkrankungen. Vertreter dieser Wirkstoffklasse sind Canagliflozin, Dapagliflozin, Ipragliflozin und Empagliflozin.
In-vitro-Daten zeigen, dass Brustkrebszellen mehr SGLT2 exprimieren als angrenzendes gesundes Mammagewebe. Nun belegen auch präklinische und klinische Studien krebshemmende Eigenschaften der Wirkstoffgruppe. Die Ergebnisse einer Forschungsgruppe der Schiras-Universität für Medizinische Wissenschaften und Gesundheitsdienste (SUMS), Iran, wurden im 'European Journal of Pharmacology' veröffentlicht.
SGLT2-Inhibitoren zeigen antitumorale Eigenschaften
SGLT2-Inhibitoren aktivieren die AMP-aktivierte Proteinkinase (AMPK), unterdrücken den mTOR-Signalweg und regulieren neben Entzündungsmediatoren auch den Fettstoffwechsel. Diese Mechanismen spielen eine zentrale Rolle für das Wachstum und Überleben von Krebszellen und bieten somit potenzielle Ansatzpunkte zur gezielten Bekämpfung von Brustkrebs.
Wie die Forschenden herausfanden, hemmen SGLT2-Inhibitoren die Proliferation von Brustkrebszellen, fördern den programmierten Zelltod (Apoptose) und beeinflussen wichtige zelluläre Signalwege, was möglicherweise zu einer Tumorverkleinerung beitragen kann.
Einsatz in Kombination mit etablierten Behandlungsarten
Die Anwendung von SGLT2-Inhibitoren könnte zu verbesserten Behandlungsergebnissen bei Brustkrebspatienten führen. Präklinische Modelle zeigen vielversprechende Ergebnisse in der Kombination mit herkömmlichen Brustkrebstherapien wie Chemotherapie, Strahlentherapie und zielgerichteten Therapien. Durch die Überwindung von Chemo-Resistenzen könnten SGLT2-Inhibitoren die Wirksamkeit der Behandlung deutlich steigern.
Identifizierung von geeigneten Patienten über Biomarker und genetischen Signaturen
Die Identifikation spezifischer Biomarker oder genetischer Signaturen, die das Ansprechen auf SGLT2-Inhibitoren vorhersagen, könnte einen bedeutenden Fortschritt in der personalisierten Brustkrebstherapie darstellen. Solche Biomarker würden es ermöglichen, jene Patienten zu identifizieren, die besonders von einer Behandlung mit SGLT2-Inhibitoren profitieren würden. Dies ist insbesondere bei schwer behandelbaren Brustkrebs-Subtypen wie dem triple-negativen Brustkrebs (TNBC) von Bedeutung, da herkömmliche Therapien in diesen Fällen oft versagen.
Zukünftige Perspektiven: Klinische Studien und Integration in die Praxis
Laufende und zukünftige klinische Studien werden entscheidend sein, um das therapeutische Potenzial von SGLT2-Inhibitoren bei Brustkrebs umfassend zu bewerten und ihre Integration in die Brustkrebsbehandlung zu gestalten.
Insgesamt stellen SGLT2-Inhibitoren einen neuartigen und vielversprechenden therapeutischen Ansatz dar, der das Potenzial hat, die klinischen Ergebnisse für Patienten mit verschiedenen Brustkrebs-Subtypen, einschließlich des aggressiven und chemo-resistenten TNBC, zu verbessern.








