Bluthochdruck im Kindes- und Jugendalter erhöht langfristig kardiovaskuläres Risiko

Bluthochdruck erhöht das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall. Auch junge Menschen sind immer häufiger von Bluthochdruck betroffen. Eine aktuelle Studie untersucht den Einfluss eines pädiatrischen Bluthochdrucks auf das langfristige kardiovaskuläre Risiko.

Blutdruckmessung Kind

Weltweit leiden 6% der Kinder und Jugendlichen unter Bluthochdruck und weitere 8% haben einen erhöhten Blutdruck [1]. Die Prävalenz des pädiatrischen Bluthochdrucks hat dabei besonders in den letzten drei Jahrzehnten zugenommen. Ein hoher Blutdruck im pädiatrischen Alter ist beispielsweise mit einem erhöhten Risiko für linksventrikuläre Hypertrophie und einem erhöhten Risiko für eine höhere Intima-Media-Dicke der Halsschlagader assoziiert. Ob der Bluthochdruck bei Kindern und Jugendlichen auch langfristig das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen im Laufe ihres Lebens erhöht, ist bisher allerdings nicht eindeutig nachgewiesen.

Studie untersucht Risiko für MACE

Dieser Fragestellung haben sich die Autoren einer kürzlich veröffentlichten Publikation gewidmet [1]. In einer bevölkerungsbezogenen, retrospektiven, gematchten Kohortenstudie haben die Wissenschaftler untersucht, ob Kinder und Jugendliche, bei denen Bluthochdruck diagnostiziert wurde, einem langfristig erhöhten Risiko für schwerwiegende unerwünschte kardiale Ereignisse (MACE) unterliegen.

Hierfür wurden die Daten von Kindern und Jugendlichen im Alter von 3 bis 18 Jahren ausgewertet, die zwischen April 1996 und März 2021 in der kanadischen Provinz Ontario lebten. Insgesamt wurden die Daten von 25.605 Kindern mit einer Bluthochdruck-Diagnose mit den Daten von 128.025 gematchten Kindern ohne Bluthochdruck verglichen (gematchte Kriterien waren u.a. Alter, Geschlecht, Gewicht bei der Geburt, Schwangerschaftsbluthochdruck der Mutter, Diagnose einer chronischen Nierenerkrankung oder eines Diabetes oder vorangegangene kardiovaskuläre Operationen).

Erhöhtes Risiko für MACE

Der primäre Endpunkt der Studie war MACE, ein Kombinationsendpunkt aus kardiovaskulärem Tod, Schlaganfall, koronarem Eingriff oder Hospitalisierung wegen Herzinfarkt oder instabiler Angina pectoris. Über eine mediane Beobachtungszeit von 13,6 Jahren (interquartiler Bereich [IQR]: 7,8 bis 19,5 Jahre) waren 6,1% der Kinder mit Bluthochdruck von MACE betroffen, während nur 3,1% der Kinder ohne Bluthochdruck MACE erlitten. Die Inzidenz von MACE lag bei Kindern mit Bluthochdruck bei 4,6 Ereignissen pro 1.000 Personenjahre (95%-Konfidenzintervall [KI]: 4,4 bis 4,9) gegenüber 2,2 Ereignissen pro 1.000 Personenjahre (95%-KI: 2,2 bis 2,3) bei Kindern ohne Bluthochdruck. Somit waren Kinder mit einem diagnostizierten Bluthochdruck im Vergleich zu denen ohne eine entsprechende Diagnose einem höheren Risiko für das Auftreten von MACE während der Beobachtungszeit ausgesetzt (Hazard Ratio [HR]: 2,1; 95%-KI: 1,9 bis 2,2).

Erhöhtes Risiko für einzelne kardiovaskuläre Ereignisse

Sekundäre Endpunkte der Studie waren einzelne kardiovaskuläre Ereignisse. Kinder mit Bluthochdruck hatten demzufolge im Vergleich zu Kindern ohne Bluthochdruck auch ein erhöhtes Risiko für Schlaganfälle (HR: 2,7; 95%-KI: 2,4 bis 2,9), für koronare Eingriffe (HR: 4,1; 95%-KI: 3,2 bis 5,3) sowie für Hospitalisierungen aufgrund von Herzinfarkt oder Schlaganfall (HR: 1,8; 95%-KI: 1,7 bis 2,0). Darüber hinaus war das Risiko für die Entwicklung eines kongestiven Herzversagens (HR: 2,6; 95%-KI: 2,4 bis 2,9), für andere kardiovaskuläre Diagnosen (HR: 1,7; 95%-KI: 1,6 bis 1,8) sowie für kardiovaskuläre Eingriffe (HR: 2,6; 95%-KI: 2,3 bis 2,8) erhöht.

Das Risiko für kardiovaskulären Tod war hingegen bei Kindern mit Bluthochdruck nicht höher als bei Kindern ohne Bluthochdruck (HR: 1,0; 95%-KI: 0,9 bis 1,2).

Diese Ergebnisse zeigen, dass Bluthochdruck im Kindes- bzw. Jugendalter das kardiovaskuläre Risiko langfristig negativ beeinflussen kann und dementsprechend ernst genommen werden sollte. Aktuell wird der Blutdruck bei nur einem Bruchteil der Kinder und Jugendlichen routinemäßig untersucht, sodass viele pädiatrische Patienten unterdiagnostiziert und unbehandelt bleiben. Weitere Studien könnten für noch mehr Klarheit in diesem Bereich sorgen und dazu beitragen, dass Leitlinien einheitliche Empfehlungen für den Umgang mit Blut(hoch)druck bei Kindern und Jugendlichen in der Praxis abgeben.

Autor:
Stand:
22.06.2024
Quelle:

Robinson CH et al. (2024): Long-Term Cardiovascular Outcomes in Children and Adolescents With Hypertension. JAMA Pediatrics; DOI: 10.1001/jamapediatrics.2024.1543.

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