Definition
- Fettstoffwechselstörung, bei der eine unphysiologische Erhöhung der Triglyceride im Blut vorliegt.
- Hypertriglyceridämie ab Nüchternwerten >150 mg/dl (1,7 mmol/l).
Epidemiologie
- >50% der westlichen Bevölkerung über 40 Jahren weisen erhöhte Fettwerte (einschließlich erhöhter Triglyceridwerte) auf, steigende Prävalenz.
- Erhöhte Triglyceride bei 15-20% der Patienten in der Hausarztpraxis.
- Erblich bedingte Formen variieren in der Häufigkeit. Sehr seltenes familiäres Chylomikronämie-Syndrom in 1 von 1 Million Fällen.
Ursachen
- Verschiedene Ursachen, drei Formen werden unterschieden.
- Reaktiv-physiologische Formen: Ausdruck von Stoffwechselüberlastungen, z.B. nach hohem Alkoholkonsum, kalorien-, zucker- und fruktosereiche Ernährung
- Sekundäre Formen: z.B. bei Diabetes mellitus, metabolischem Syndrom, Adipositas, Schwangerschaft, oder Einnahme bestimmter Arzneimittel
- Primäre/hereditäre/familiäre Formen: meist polygen bedingt, Erhöhung der Triglyceride, z.B. familiäre kombinierte Hyperlipoproteinämie oder Chylomikronämie-Syndrom
Pathogenese
- Lipide im Blut bilden mit Apolipoproteinen verschiedene Lipoproteine, darunter LDL und HDL. ApoB hat eine atherogene Wirkung.
- Atherogene Lipoproteine verursachen Entzündungen und atherosklerotische Plaques, deren Ruptur zu Thrombusbildung und Gefäßverengung führen kann.
- Die Rolle von triglyceridhaltigen Lipoproteinen in Atherosklerose ist unklar, aber Hypertriglyceridämie ist ein bestätigter Risikofaktor (vermutlich u.a. durch inflammatorische Prozesse und reaktive Sauerstoffspezies).
- Sehr hohe Triglyceridwerte können Pankreatitis verursachen, durch direkte und indirekte Schädigung der kleinen Blutgefäße des Pankreas.
Klinik
- Hypertriglyceridämie als Symptom, das zu Krankheiten wie koronare Herzkrankheit, Myokardinfarkt und Schlaganfall führen kann. Stark erhöhte Werte können Pankreatitis und Fettleber verursachen.
- Eruptive Xanthome (gelblich-weiße Papeln) sind spezifische Hauterscheinungen bei erhöhten Fettwerten. Sie treten insbesondere an Gesäß und Unterarmen auf. Bei Dysbetalipoproteinämie finden sich Xanthome typischerweise an den Handlinien.
- Bei Hypertriglyceridämie besteht ein erhöhtes Atherosklerose-Risiko. LDL- und HDL-Cholesterinwerte gelten allerdings als verlässlichere Indikatoren für das kardiovaskuläre Risiko.
- Das Risiko für Pankreatitis steigt mit Triglyceridwerten. Besonders hoch ist es bei Werten über 1.000 mg/dl und bei Chylomikronämie-Syndrom.
Diagnostik
- Labor: Bestimmung der Triglyceridwerte, idealerweise im nüchternen Zustand. Werte > 150 mg/dl gelten als erhöht. Bei trübem Serum dient der Kühlschranktest zur Untersuchung des Anteils an Chylomikronen.
- Erhöhte Triglyceride gehen oft einher mit einer Reduzierung der HDL-Cholesterin-Werte und einer Erhöhung der Gesamtcholesterin-Werte. Die Differenz, das Non-HDL-Cholesterin, ist stärker mit atherogenem Potenzial assoziiert.
- Weiterführende Diagnostik zur Ursachenfindung: Screening auf Krankheiten wie metabolisches Syndrom, Diabetes und Lebererkrankungen, Anamnese (Lebensstil, Ernährung) und körperliche Untersuchung (Body-Mass-Index (BMI), Taillenumfang).
- Bei der Differentialdiagnostik kombinierte Hyperlipoproteinämien und sekundäre Formen bei auffälligen Triglyceridwerten berücksichtigen.
Therapie
- Ziel: Senkung der Triglyceridwerte auf < 150 mg/dl zur Vermeidung von Folgeerkrankungen und Komplikationen
- Lebensstilanpassungen als Kernelement der Behandlung: gesunde, ausgewogene Ernährung, Alkoholabstinenz, Rauchstopp. Regelmäßige körperliche Aktivität (2,5-5h pro Woche) wird empfohlen. Bei Chylomikronämie-Syndrom: stärkere Reduktion des Fettanteils.
- Bei sekundären Erhöhungen der Triglyceride ist die Behandlung der Ursachen entscheidend, z.B. Diabeteskontrolle, Gewichtsreduktion.
- Sorgfältige Abwägung einer medikamentösen Therapie, in der Regel als Langzeitbehandlung.
- Einsatz von Statinen bei kombinierten Hypertriglyceridämien, Fibrate bei schwerer Hypertriglyceridämie. Antisense-Oligonukleotid Volanesorsen zur Therapie des familiären Chylomikronämie-Syndroms.
Prognose
- Potenzielle Komplikationen sind ausschlaggebend für die Prognose.
- Lebensstilanpassungen können sekundäre Formen der Hypertriglyceridämie beeinflussen, genetische Formen sind wenig beeinflussbar.
Prophylaxe
- Primärprävention ist bei Hypertriglyceridämie wichtiger als nachträgliche Behandlung.
- Ein gesunder Lebensstil mit ausgewogener Ernährung und moderater Bewegung ist zentral für die Vorbeugung.
- Alkoholabstinenz ist ein bedeutender präventiver Faktor.










