Cutane Maximal-Eruption: Hidradenitis suppurativa früh erkennen

Schmerzhafte Entzündungen, lange Diagnosewege, hohe Belastung: Warum das frühe Erkennen der Hidradenitis suppurativa entscheidend ist.

Auf einen Blick:
  • Früherkennung entscheidend: Typische Läsionen + typische Areale + chronisch rezidivierender Verlauf. Die Diagnose erfolgt oft erst nach ca.10 Jahren, mit progredienter Gewebeschädigung.
  • Systemisch relevant: Häufige Komorbiditäten und hohe psychosoziale Belastung.
  • Therapie im Wandel: Von Lokal-/Antibiotikatherapie bis zu Biologika (TNF α , IL 17 Inhibitoren); Ziel: Krankheitskontrolle, Gewebeschutz, Lebensqualität – interdisziplinär.
Mikroskopisches Bild der Hidradenitis suppurativa in axillärem Gewebe - Dr. Frost

Wenn Entzündung chronisch wird

Schmerzhafte Knoten in den Achselhöhlen, wiederkehrende Abszesse im Leistenbereich oder nässende Fistelgänge in intertriginösen Regionen: Die Hidradenitis suppurativa (HS), auch Acne inversa genannt, zählt zu den belastendsten chronisch-entzündlichen Dermatosen. Trotz charakteristischer Symptome wird die Erkrankung häufig erst spät erkannt. Dr. Carolin Frost von der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie der Ruhr-Universität Bochum, weiß: Zwischen den ersten Beschwerden und der Diagnosestellung vergehen im Durchschnitt rund zehn Jahre. Diese Verzögerung bleibt nicht ohne Folgen. Während die Erkrankung oft schubweise verläuft, schreitet die Gewebeschädigung kontinuierlich voran.

Typische Symptome werden häufig übersehen

Besonders häufig betroffen sind jüngere Erwachsene zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr, das durchschnittliche Manifestationsalter liegt bei etwa 22 bis 23 Jahren. Mit einer geschätzten Prävalenz von 0,03 bis 3 % in Deutschland ist die Hidradenitis suppurativa keineswegs selten. Dennoch wird sie oft erst nach Jahren diagnostiziert. Ein Grund dafür ist, dass frühe Läsionen nicht selten zunächst als Furunkel, bakterielle Hautinfektionen oder isolierte Abszesse eingeordnet werden. Für die klinische Diagnosestellung sind vor allem drei Kriterien richtungsweisend: typische Läsionen, typische Lokalisationen und ein chronisch-rezidivierender Verlauf. Treten innerhalb von sechs Monaten mindestens zwei entsprechende Episoden auf, sollte an eine Hidradenitis suppurativa gedacht werden. Gerade in der Primärversorgung kann diese Aufmerksamkeit entscheidend sein, um lange Diagnosewege zu verkürzen.

Hidradenitis suppurativa – Mehr als eine Hauterkrankung

Die Hidradenitis suppurativa beschränkt sich nicht auf die Haut, sondern ist oft mit relevanten Begleiterkrankungen assoziiert. Zu den wichtigsten Komorbiditäten zählen Diabetes mellitus, metabolisches Syndrom und kardiovaskuläre Erkrankungen. Darüber hinaus treten chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, Schilddrüsenerkrankungen sowie rheumatologische Erkrankungen wie die axiale Spondyloarthritis häufiger auf. Auch Depressionen und Angststörungen spielen eine bedeutende Rolle. Hinzu kommt die erhebliche psychosoziale Belastung. Wiederkehrende Schmerzen, Sekretion, Geruchsbelästigung und sichtbare Hautveränderungen führen zu Einschränkungen im Berufsleben, im sozialen Umfeld oder in partnerschaftlichen Beziehungen.

Moderne Therapien eröffnen neue Perspektiven

Die gute Nachricht: Die therapeutischen Möglichkeiten haben sich in den vergangenen Jahren deutlich erweitert. Bei milden, entzündlichen Frühstadien können antiseptische oder antibiotische Lokaltherapien eingesetzt werden. Bei stärkerer Entzündungsaktivität empfiehlt die Leitlinie eine systemische Antibiotikatherapie, beispielsweise mit Doxycyclin über zehn bis zwölf Wochen. Für Patienten mit mittelschweren bis schweren Verläufen stehen heute zudem zielgerichtete antientzündliche Therapien zur Verfügung. Im Leitfaden werden TNF-α- und IL-17-Blocker als mögliche Bestandteile eines langfristigen Therapiekonzepts genannt. Ziel moderner Behandlungsstrategien ist nicht nur die Kontrolle akuter Schübe. Im Mittelpunkt stehen vielmehr die langfristige Reduktion der Krankheitsaktivität, die Verhinderung weiterer Gewebeschäden und die Verbesserung der Lebensqualität. Voraussetzung dafür ist eine enge Zusammenarbeit zwischen Primärversorgung, Dermatologie und weiteren beteiligten Fachdisziplinen. Die Herausforderungen chronischer Entzündungsprozesse der Haut in unterschiedlichen Lebensphasen werden auch im Rahmen des CME-zertifizierten Online-DermatologiekongressesVulkan Haut – Ent-Zündungen des Integuments in Kindheit, Jugend und Erwachsenenalter“ diskutiert. Das Thema Hidradenitis suppurativa zeigt exemplarisch, wie entscheidend eine frühzeitige Einordnung entzündlicher Hauterkrankungen für den weiteren Verlauf sein kann.

Autor:
Stand:
16.06.2026
Quelle:
  1. Frost CE, Ocker LT, Bechara FG. Acne inversa erkennen und richtig einordnen – Ein Leitfaden für die Primärversorgung. MMW Fortschr Med.
  2. Zouboulis CC, Bechara FG, Alavi A et al. S2k-Leitlinie zur Therapie der Hidradenitis suppurativa/ Acne inversa (ICD-10 L73.2). Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG), AWMF-Register-Nr. 013-012.
  3. Marzano AV, Genovese G, Damiani G et al. Hidradenitis suppurativa, from basic science to surgery and a new era of tailored targeted therapy: An expert opinion paper. Arch Dermatol Res. 2025. DOI: 10.1007/s00403-025-04016-1.
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