GLP-1-Rezeptoragonisten: Auswirkungen auf Hyperkaliämien und RAS-Inhibitoren-Persistenz

Das Risiko für Hyperkaliämien bei Menschen mit Typ-2-Diabetes schränkt die leitliniengerechte Anwendung von RAS-Inhibitoren ein. Eine schwedische Kohortenstudie beschäftigte sich darum mit der Frage, ob sich der Einsatz von GLP-1-Rezeptoragonisten auf Hyperkaliämien und die RAS-Persistenz auswirkt.

Analyse Daten

Hyperkaliämie ist eine häufige Komplikation bei Typ-2-Diabetes, besonders bei Patienten mit chronischer Nierenerkrankung oder Herzinsuffizienz, und führt oft zu negativen gesundheitlichen Folgen. Dieses Risiko und die damit verbundene Angst schränken jedoch die Anwendung von Renin-Angiotensin-System-(RAS)-Inhibitoren gemäß den Leitlinien erheblich ein.

Unklare Wirkung auf Kaliumhomöostase

Hinweise deuten nun darauf hin, dass neue Klassen von Antidiabetika die Ausscheidung von Kalium im Urin erhöhen, was zu einem verringerten Risiko für Hyperkaliämie führen kann. Derartige Auswirkungen wurden bereits für Natrium-Glukose-Cotransporter-(SGLT-)2-Inhibitoren beschrieben. Wenig bekannt ist jedoch bisher der Effekt von Glucagon-like-peptide-(GLP-)1-Rezeptoragonisten auf die Kaliumhomöostase. 

Obwohl die Anwendung dieser Wirkstoffklasse im Tiermodell die renale Kaliumausscheidung erhöhte und den Kaliumspiegel normalisierte, und kleinere klinische Studien am Menschen zeigten, dass GLP-1-Rezeptoragonisten die Kaliumausscheidung fördern können, bleibt die klinische Relevanz dieser Ergebnisse bisher unklar.

Vergleich von GLP-1-Rezeptoragonisten mit DPP-4-Inhibitoren

Eine schwedische Kohortenstudie ging der Fragestellung nach, ob der Einsatz von GLP-1-Rezeptoragonisten im Vergleich zu Dipeptidyl-Peptidase-(DPP-)4-Inhibitoren mit unterschiedlichen Hyperkaliämie-Raten oder einer verlängerten Anwendung von RAS-Inhibitoren bei Menschen mit Typ-2-Diabetes verbunden ist.

Dafür wurden 33.280 Personen mit Typ-2-Diabetes in der Region Stockholm untersucht, die zwischen dem 1. Januar 2008 und dem 31. Dezember 2021 eine Therapie mit GLP-1-Rezeptoragonisten (n=13.633) oder DPP-4-Inhibitoren (n=19.647) begonnen hatten. Die Daten stammten aus dem Stockholm Creatinine Measurements (SCREAM)-Projekt.

Als primärer Endpunkt wurde die Zeit bis zum Auftreten einer Hyperkaliämie (Kaliumspiegel >5,0 mEq/L) oder einer moderaten bis schweren Hyperkaliämie (Kaliumspiegel >5,5 mEq/L) festgelegt. Ebenfalls bewertet wurde die Zeitspanne bis zum Absetzen von RAS-Inhibitoren bei Personen, die diese Medikamente zu Beginn der Studie einnahmen.

Geringere Hyperglykämie- und Absetzraten

Die Studie zeigte, dass der Einsatz von GLP-1-Rezeptoragonisten verglichen mit DPP-4-Inhibitoren mit einer geringeren Hyperkaliämie-Rate sowie einer geringeren Rate an moderaten bis schweren Hyperkaliämien verbunden war. 

Zudem kam es in der mit GLP-1-Rezeptoragonisten behandelten Gruppe zu einer verlängerten Anwendung von RAS-Inhibitoren. Die Absetzrate war somit geringer als in der DPP-4-Inhibitoren-Gruppe. Die Ergebnisse waren in Intention-to-Treat-Analysen und in verschiedenen Untergruppen konsistent.

Leitliniengerechte Anwendung von RAS-Inhibitoren ermöglichen

Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass die Anwendung von GLP-1-Rezeptoragonisten in der routinemäßigen Behandlung im Vergleich zu DPP-4-Inhibitoren mit einem geringeren Risiko für Hyperkaliämie bei Menschen mit Typ-2-Diabetes verbunden ist. Der Einsatz von GLP-1-Rezeptoragonisten könnte die leitliniengerechte Anwendung von RAS-Inhibitoren unterstützen und so deren breitere Nutzung fördern, was zu verbesserten klinischen Ergebnissen beitragen könnte.

Autor:
Stand:
24.09.2024
Quelle:

Huang, T., et al. (2024): GLP-1RA vs DPP-4i Use and Rates of Hyperkalemia and RAS Blockade Discontinuation in Type 2 Diabetes. JAMA Intern Med. Published online August 12, 2024. DOI: 10.1001/jamainternmed.2024.3806

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