Langzeiteffekte hypertensiver Schwangerschaftserkrankungen

Hypertensive Schwangerschaftserkrankungen werden mit einem erhöhten Risiko für chronischen Bluthochdruck assoziiert. Das erhöhte Risiko könnte auch bei den Nachkommen im Erwachsenenalter eine entscheidende Rolle für die Entwicklung einer chronischen Hypertonie spielen.

Schwangere misst Blutdruck

Infos: Hypertensive Schwangerschaftserkrankungen

Die HDP (Hypertensive Disorder of Pregnancy) ist eine der Hauptursachen für die mütterliche Morbidität und Mortalität weltweit. Mit dem Begriff hypertensive Schwangerschaftserkrankungen (oder HDP) werden Erkrankungen während der Schwangerschaft zusammengefasst, deren gemeinsames Hauptsymptom ein erhöhter Blutdruck (auch arterielle Hypertonie) ist.

Die Inzidenz von HDP betrifft derzeit schätzungsweise 7,3% der Schwangerschaften.

Folgende Krankheitsbilder gehören laut der deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe zu den hypertensiven Schwangerschaftserkrankungen [1]:

  • chronische Hypertonie
  • Gestationshypertonie, Gestationsproteinurie
  • Präeklampsie
  • Eklampsie
  • HELLP-Syndrom.

Mögliche negative Folgen von HDP

Es gibt immer mehr Hinweise darauf, dass hypertensive Schwangerschaftserkrankungen langfristig negative Folgen für die Gesundheit von betroffenen Frauen haben könnten.

Es wird vermutet, dass HDP das Auftreten von Bluthochdruck, Schlaganfall, koronare Herzkrankheit, Herzrhythmusstörungen und chronische Nierenerkrankungen begünstigen.

Darüber hinaus gibt es Hinweise darauf, dass Nachkommen, die einer HDP-Exposition ausgesetzt waren, ein erhöhtes Risiko für Typ-2-Diabetes, eine veränderte Herzstruktur, Asthma in der Kindheit und Bluthochdruck haben könnten.

Auswirkungen auf das Hypertonie-Risiko der Nachkommen

Um einen möglichen Zusammenhang von hypertensiven Schwangerschaftserkrankungen und der Entwicklung von chronischem Bluthochdruck bei den Nachkommen zu erkennen, haben Forschende Daten aus einer großen bevölkerungsbasierten Kohortenstudie analysiert [2].

Ziel der Analyse war es, das Risiko für die Entwicklung eines chronischen Bluthochdrucks der Nachkommen von Müttern mit HDP mit dem Risiko der Nachkommen von Müttern ohne HDP zu vergleichen. Den Forschern standen dafür Daten von 8.755 Personen zur Verfügung, die von 6.658 Frauen im Bezirk von Minnesota geboren wurden.

Auswirkung von HDP-Exposition und chronischem Bluthochdruck der Mutter auf das Kind

Im Rahmen der Studie konnten die Wissenschaftler feststellen, dass sowohl die HDP-Exposition (Hazard Ratio [HR] 1,5; 95%-Konfidenzintervall [KI] 1,18 bis 1,90) als auch ein chronischer Bluthochdruck der Mutter (HR 1,73; 95%-KI 1,48 bis 2,02) das Risiko für die Entwicklung einer chronischen Hypertonie bei den Nachkommen signifikant erhöhen.

Die HDP-Exposition sowie die mütterliche Hypertonie stellen unabhängig voneinander Risikofaktoren für die Entwicklung eines chronischen Bluthochdrucks bei den Nachkommen dar.
Es zeigte sich jedoch eine 2,4-fache Erhöhung des Hypertonie-Risikos bei den Nachkommen in Anwesenheit beider Expositionen, was darauf hinweist, dass eine synergistische und additive Interaktion vorliegen könnte.

Risikoentwicklung bezogen auf das Lebensalter

Die kumulative Inzidenz der chronischen Hypertonie bei den Nachkommen stieg mit dem Alter an: Sie betrug 5,7% (95%-KI 5,1 bis 6,4) im Alter von 30 Jahren, 9,5% (95%-KI 8,7 bis 10,3) im Alter von 35 Jahren und 16,2% (95 %-KI 15,0 bis 17,5) im Alter von 40 Jahren. Darüber hinaus wiesen Nachkommen von Müttern mit HDP im Vergleich zu Nachkommen von Müttern ohne HDP eine signifikant höhere Inzidenz auf, mit Raten von 8,9% (95%-KI 6,3 bis 11,5) und 5,5% (95%-KI 4,8 bis 6,1) bis zum Alter der Nachkommen von 30 Jahren und 22,5% (95%-KI 17,2 bis 27,4) und 15,7% (95%-KI 14,4 bis 17,0) bis zum Alter der Nachkommen von 40 Jahren.

Andere Einflüsse auf die Risikoentwicklung

Im Rahmen der Studie konnte kein Unterschied für das Hypertonie-Risiko zwischen männlichen und weiblichen Nachkommen erkannt werden (HR 1,14; 95%-KI 0,98 bis 1,32). Des Weiteren konnte in der Kohorte dieser Studie mit insgesamt 462 Frühgeburten und 54 Frühgeburten bei Schwangerschaften, die von HDP betroffen waren, kein signifikanter Zusammenhang zwischen Frühgeburten und dem Auftreten von Hypertonie nachgewiesen werden.

Erklärung des Zusammenhangs

Die Wissenschaftler weisen auf viele mögliche Mechanismen hin, die den Zusammenhang von HDP-Exposition und chronischer Hypertonie der Mutter und der Entstehung von Bluthochdruck bei den Nachkommen erklären könnten. Zu diesen Mechanismen gehören gemeinsame familiäre Umwelt-Risikofaktoren, eine gemeinsame genetische Disposition sowie intrauterine Faktoren während der HDP.

Möglichkeiten für den klinischen Alltag

Die Ergebnisse dieser Studie deuten darauf hin, dass HDP ein wichtiger Marker für ein erhöhtes Risiko für künftigen Bluthochdruck sowohl für die Frau als auch für ihre Nachkommen sein könnte. Die betroffenen Patienten könnten aufgrund ihres erhöhten Risikos von einem zusätzlichen Screening sowie einer engen klinischen Überwachung profitieren.

Autor:
Stand:
29.11.2023
Quelle:
  1. Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. (DGGG): S2k-Leitlinie Hypertensive Schwangerschaftserkrankungen: Diagnostik und Therapie. AWMF-Register-Nummer 015 – 018, Version 6.0
  2. Dines et al. (2023): Risk of Adult Hypertension in Offspring From Pregnancies Complicated by Hypertension: Population-Based Estimates. Hypertension, DOI: https://doi.org/10.1161/HYPERTENSIONAHA.123.20282
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