Erster Nachweis von Carbapenem-resistenten Salmonella Typhi in Deutschland

Carbapenem-resistente Salmonella Typhi stellen eine neue Herausforderung bei Reiserückkehrenden dar – dies zeigte ein einzigartiger Fall nach Indienreise 2024.

Typhus

Aktuelle Bedrohung durch antibiotikaresistente Typhus-Erreger bei Reiserückkehrenden

Typhus abdominalis, verursacht durch Salmonella Typhi, ist weltweit ein infektiologisches Problem, insbesondere in Ländern mit niedrigen Hygienestandards. In Deutschland tritt die Erkrankung fast ausschließlich bei Reiserückkehrenden aus endemischen Regionen auf. Die zunehmende Antibiotikaresistenz von S. Typhi erschwert die Therapie erheblich. Besonders problematisch sind multiresistente (MDR) und extensiv resistente (XDR) Stämme, wie sie bereits seit 2016 aus Pakistan gemeldet werden.

Erstmals Carbapenem-resistenter Salmonella Typhi in Deutschland nachgewiesen

Im Jahr 2024 wurde in Deutschland erstmals ein Carbapenem-resistenter Stamm von Salmonella Typhi isoliert. Der Erreger wurde bei einem Patienten nach einer Indienreise nachgewiesen, die mit einer Typhus-Infektion endete. Eine umfassende Resistenzprüfung ergab Resistenzen gegen Penicilline, Cephalosporine der dritten Generation, Fluorchinolone und Tetracycline.

Genomsequenzanalysen identifizierten die Resistenzgene blaNDM-5, blaCTX-M-15, qnrS1 und tet(A). Trotz der ausgeprägten Resistenz war der Erreger empfindlich gegenüber Trimethoprim-Sulfamethoxazol, Chloramphenicol und Azithromycin, sodass die strengen Kriterien einer XDR-Definition nicht erfüllt wurden. Der Patient konnte erfolgreich mit Trimethoprim-Sulfamethoxazol behandelt werden.

Vergleich zu bisherigen Resistenzen und neue Erkenntnisse

Während MDR- und XDR-Stämme von S. Typhi bereits aus Pakistan bekannt sind, zeigt dieser Fall, dass Carbapenem-Resistenzen nun auch bei Reiserückkehrenden aus Indien auftreten können. Der Nachweis von blaNDM-5, einem zentralen Carbapenemase-Gen, unterstreicht die klinische Brisanz. Dies ist besonders relevant, da Carbapeneme bislang als Reserveantibiotika für schwerwiegende Infektionen galten.

Konsequenzen für Diagnostik, Therapie und Prävention

Dieser Fall verdeutlicht die Notwendigkeit einer gezielten Diagnostik mit Antibiogramm bei Reiserückkehrenden aus Hochrisikogebieten. Die Ständige Impfkommission (STIKO) und die Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin (DTG) empfehlen die Typhusimpfung für Reisen nach Pakistan, Indien, Nepal, Afghanistan und Bangladesch sowie für Reisen unter einfachen Bedingungen in alle endemischen Regionen. Eine konsequente Nahrungs- und Trinkwasserhygiene bleibt ein essenzieller Pfeiler der Prävention.

Autor:
Stand:
04.03.2025
Quelle:

Robert Koch-Institut (2025): Infektion mit Carbapenem-resistenten Salmonella Typhi nach Aufenthalt in Indien. Epidemiologisches Bulletin 6/2025.

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