DGK 2025: Perspektiven der kardiovaskulären Präzisionsmedizin

Kardiovaskuläre Erkrankungen verursachen Leid und hohe gesamtgesellschaftliche Kosten. Nicht nur die Präzisionsmedizin, sondern auch die politische Förderung der Prävention können die Minderung der Lebensqualität verhindern und die Kosteneffizienz der Gesundheitsversorgung erhöhen.

Zielbereich

In der Eröffnungspressekonferenz zur 91. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie - Herz- und Kreislaufforschung e. V (DGK) am 23. April 2025 in Mannheim erörterte der Tagungspräsident Professor Dr. med. Ulf Landmesser, stellvertretender ärztlicher Direktor des Deutschen Herzzentrums der Charité das Motto der diesjährigen Veranstaltung: „Perspektiven in der kardiovaskulären Präzisionsmedizin - von der Prävention zur Intervention". Das Konzept der Präzisionsmedizin beruht auf der Erkenntnis, dass ähnliche Krankheits-Phänotypen aus verschiedenen Gründen entstehen können. Die Kenntnis der Krankheitsgründe beim Individuum ermöglicht präzise, maßgeschneiderte Therapien, die die Chancen des Patienten verbessern.

Voraussetzungen für eine kardiovaskuläre Präzisionsmedizin

In der Kardiologie ebnen vier Faktoren den Weg zur Entwicklung und Implementierung von präzisionsmedizinischen Behandlungs- und Managementansätzen:

  • zunehmendes Wissen über die Genetik kardiovaskulärer Erkrankungen
  • verbesserte Bildgebung
  • fortschreitende Digitalisierung
  • auf künstlicher Intelligenz basierende Analysen.

Die künstliche Intelligenz ist nicht nur schneller als herkömmliche Analysemethoden, sie kann auch Krankheitsmuster erkennen, die der menschlichen Wahrnehmung verborgen geblieben sind.

Bedeutung der Früherkennung und der Prävention in der Kardiologie

Angesichts der wachsenden Ansprüche an die Gesundheitsversorgung bei einem gleichzeitig zunehmenden Mangel an Fachärzten rücken die Erhaltung der Herz-Kreislaufgesundheit allgemein sowie die Früherkennung und die Prävention kardiovaskulärer Erkrankungen immer mehr in den Mittelpunkt des Interesses.

Die Prävention von Erkrankungen ist gerade in der Kardiologie effektiv, weil das subklinische Stadium bei kardiovaskulären Erkrankungen häufig lange andauert. Präventive Maßnahmen in der subklinischen Phase können die Manifestation vieler kardiovaskulärer Erkrankungen verzögern, wenn nicht sogar verhindern. Trotz der Ausgaben für Früherkennungs-Screenings kann die Prävention die kardiovaskulären Gesundheitskosten auf Dauer begrenzen, weil Krankenhausaufenthalte und Folgeschäden vermieden werden.

Herzgesundheit im Europäischen Vergleich 

In Deutschland sind die Gesundheitskosten im Vergleich zu anderen europäischen Staaten hoch, die Lebenserwartung jedoch unterdurchschnittlich – dies auch aufgrund einer schlechteren Herz-Kreislauf-Gesundheit der deutschen Bevölkerung. Professor Dr. med. Holger Thiele, Direktor der Universitätsklinik für Kardiologie am Helios Herzzentrum Leipzig und Präsident der DGK erklärte in seinem Vortrag „Nationale Herz-Allianz und Gesundes-Herz-Gesetz: Was die neue Bundesregierung für Deutschlands Herzen tun kann“, wie die derzeitige Lage verbessert werden kann.

Erhöhung der Tabaksteuer

Das „Gesundes Herz-Gesetz" zur Verbesserung der Früherkennung und Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen konnte infolge des vorzeitigen Endes der Ampelkoalition nicht mehr verabschiedet werden. Der neue Koalitionsvertrag hebt zwar die Bedeutung der Prävention allgemein hervor, bleibt auf die gesundheitspolitischen Vorhaben jedoch vage.

Aus Sicht der Kardiologie und im Sinne einer Verhältnisprävention „könnte die Politik vor allem bei der Erhöhung der Tabaksteuer ein starkes Zeichen setzen“, sagte Thiele. Drastisch erhöhte Tabaksteuern könnten jüngere Menschen davon abhalten, mit dem Rauchen zu beginnen. Gleichzeitig müsste der Schutz vor dem Passivrauchen verbessert werden. Der Vorschlag des EU-Rats zur Etablierung rauch- und aerosolfreier Zonen im öffentlichen Raum, sollte umgesetzt werden.

Förderung von Früherkennung und Prävention

Analog zu den Früherkennungsscreenings in der Onkologie, sollten auch kardiovaskuläre Vorsorgeuntersuchungen zur Erkennung der Risikofaktoren: Bluthochdruck, Rauchen, Adipositas, Diabetes mellitus und Hypercholesterinämie im Alter von 40 und ein zweites Mal im Alter von 50 Jahren durchgeführt werden. Die Früherkennung und die entsprechenden präventiven oder therapeutischen Maßnahmen könnten schwere Erkrankungen und Folgen begrenzen.

Zur Prävention von kardiovaskulären Ereignissen bei Patienten mit Herz-Kreislauferkrankungen spielen Impfungen gegen Atemwegsinfekte wie Influenza, Humanes Respiratorisches Synzytial-Virus oder Pneumokokken eine herausragende Rolle. Diese Infektionen verlaufen bei Herzpatienten nicht nur schwerer, sie erhöhen auch das Risko für einen Herzinfarkt oder die Verschlechterung einer Herzinsuffizienz. „Eine Verbesserung der hierzulande viel zu niedrigen Impfquote könnte viele kardiovaskuläre Ereignisse verhindern“, erklärte Thiele. Um die Impfquote zu erhöhen hat die Nationale Herz-Allianz – ein Bündnis der großen kardiologischen Fachgesellschaften Deutschlands und Patientenvertretungen – die Awareness-Kampagne „Herz ist Impf" ins Leben gerufen.

Autor:
Stand:
06.05.2025
Quelle:
  1. Prof. Dr. med. Ulf Landmesser, Perspektiven in der kardiovaskulären Präzisionsmedizin - von der Prävention zur Intervention, 91. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie - Herz- und Kreislaufforschung e. V, 23.April.2025
  2. Prof. Dr. med. Holger Thiele, Nationale Herz-Allianz und Gesundes Herz-Gesetz: Was die neue Bundesregierung für Deutschlands Herzen tun kann, 91. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie - Herz- und Kreislaufforschung e. V, 23.April.2025
  3. Nationale Herz-Allianz, Herz ist Impf.
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