Laryngitis

Meist sind virale Erreger die Ursache für Entzündungen im Hals-Rachen-Raum. Laryngitiden sind häufig und meist benigne. Betroffene sollten vor allem ihre Stimme schonen, um eine Chronifizierung der Beschwerden zu verhindern.

Laryngitis

Definition

Bei einer Laryngitis handelt es sich um eine Entzündung des Kehlkopfes . Je nach Verlauf kann die akute Laryngitis (Laryngitis acuta) von der chronischen Laryngitis (Laryngitis chronica) abgegrenzt werden. Eine Sonderform, die vor allem Kinder und Säuglinge betrifft, ist der sog. „Pseudokrupp“. Die Differentialdiagnosen sind vielfältig und umfassen unter anderem die reine Entzündung der Rachenschleimhaut (Pharyngitis).

Epidemiologie

Die häufigste Form der Laryngitis ist die akute, infektiös bedingte Laryngitis. Meist sind Erwachsene im Alter von 18-40 Jahren betroffen. Da viele Kehlkopfentzündungen unentdeckt bleiben, ist eine genaue Angabe der Inzidenz schwierig [4].

Ursachen

Ursächlich für die Entstehung von Kehlkopfentzündungen sind in den meisten Fällen Viren; sehr selten können auch Bakterien eine Laryngitis verursachen, z.B. am Kehldeckel (Epiglottitis). In der Regel sind Laryngitiden Begleiterscheinungen von Infektionen der oberen Atemwege und werden durch typische respiratorische Viren (Rhinoviren, Influenzaviren, Parainfluenzaviren, Coxsackieviren, Coronaviren, Adenoviren, RS-Viren) hervorgerufen.

Prädisponierende Faktoren für die Erkrankung sind eine Überlastung der Stimme, Rauchen, trockene oder staubige Luft, der Wechsel von Klimazonen, eine behinderte Nasenatmung oder die Inhalation von Toxinen.

In einigen Fällen kann eine Laryngitis chronifizieren. Ursachen für eine chronische Laryngitis sind meist anhaltende Begleitumstände wie ständige Mundatmung oder eine die Schleimhäute reizende Refluxösophagitis. Eine seltene Form der chronischen Laryngitis ist die Kehlkopftuberkulose als Teil einer Infektion mit Mycobacterium tuberculosis, bei der es zu Granulationen und Ulzerationen im Kehlkopfbereich kommt.

Refluxerkrankungen verursachen eine Säureschädigung der Larynxschleimhäute vor allem in der Region zwischen den Aryknorpeln und sind damit ein häufiger Grund der chronischen Laryngitis posterior [2, 6].

Pathogenese

Bei einer Laryngitis kann die Schleimhaut aller Etagen des Kehlkopfes (Supraglottis, Glottis, Subglottis) betroffen und entzündet sein. Da im Prozess der Abheilung Leukozyten an den Ort der Entzündung wandern, kann ein Stimmbandödem entstehen. Die Veränderung der Stimmbandstruktur führt zu einer Änderung der Stimmlippendynamik im Sinne von Abweichungen der normalen Frequenz und Amplitude der Stimmbandschwingungen. Durch eine Erhöhung des Phonationsschwellendrucks wird das Sprechen für Betroffene schwieriger und es kommt zu Heiserkeit und Aphonie [4].

Symptome

Typische klinische Symptome einer akuten Kehlkopfentzündung sind die Dysphonie  bis hin zur Aphonie. Außerdem können Infektzeichen wie Halsschmerzen, Husten, subfebrile Temperaturen oder Fieber sowie Schmerzen beim Schlucken auftreten.

Im Rahmen einer chronischen Laryngitis berichten Betroffene häufig von einem ständigen Fremdkörpergefühl im Rachen und beklagen Reizhusten sowie permanente Heiserkeit [2, 6].

Diagnostik

Neben einer ausführlichen Anamnese inkl. der Abfrage von Risikofaktoren und der primären klinischen Diagnostik kann bei einem Bestehen der Beschwerden  über mehr als drei Wochen eine Laryngoskopie durchgeführt werden.

In der Laryngoskopie kann zwischen einer katarrhalischen Laryngitis und einer fibrinösen Laryngitis unterschieden werden. Während sich bei sehr viel häufigeren katarrhalischen Laryngitis vor allem gerötete und geschwollene Stimmlippen bei erhaltener phonatorischer Beweglichkeit zeigen, imponieren bei der Sonderform der fibrinösen Laryngitis weißliche Fibrinauflagerungen. Der Verlauf der fibrinösen Laryngitis ist insgesamt schwerwiegender; wegen Bewegungseinschränkungen der Stimmlippen kann es zu Atemnot kommen.

Zusätzlich können in einer Laryngoskopie Ödeme entdeckt und einige Differentialdiagnosen (wie z.B. ein Larynxkarzinom) ausgeschlossen werden.

Liegt die Vermutung einer chronischen Laryngitis als Folge einer Refluxerkrankung nahe, können eine Gastroduodenoskopie und eine pH-Metrie als weiterführende Diagnostik angewandt werden [2].

Differentialdiagnosen

Differentialdiagnostisch kommt bei den oben beschriebenen Symptomen ein breites Spektrum an Erkrankungen des Hals- und Rachenraums in Frage.

Larynxödeme

Ödeme im Bereich des Kehlkopfes können zu  einer Veränderung der Stimme, Heiserkeit und Stimmlosigkeit führen.

Bei einem Reinke-Ödem handelt es sich um eine Flüssigkeitsansammlung im subepithelialen Bereich der Stimmbänder, die vor allem nach langjährigem Nikotinabusus auftritt.

Andere Ursachen für Ödeme sind z. B. Allergien (allergisches Stimmlippenödem) oder eine Reizung des Kehlkopfes im Rahmen von Radiotherapien. Auch Medikamente wie z. B. ACE-Hemmer können potentiell zu Larynxödemen führen [1].

Laryngitis subglottica (Pseudokrupp)

Beim sog. „Pseudokrupp“ handelt es sich um eine viral verursachte, vorwiegend pädiatrische Erkrankung. Klassische Symptome sind ein akuter und bellender Husten, Heiserkeit sowie ein inspiratorischer Stridor. Der Anfall beginnt meistens aus dem Schlaf heraus und betrifft vorwiegend Kleinkinder zwischen 6 Monaten und 3 Jahren in den Wintermonaten. Therapeutisch hilft es in der Akutsituation, Kinder (in eine warmen Decke eingewickelt) kalter und feuchter Luft auszusetzen. Bei starken Beschwerden oder schwerer Luftnot bekommen die Kinder Steroide (oral, rektal oder inhalativ) und bei Ruhestridor oder akuter Dyspnoe lässt man sie Adrenalin inhalieren. [5].

Pharyngitis

Bei einer Pharyngitis handelt es sich um eine schmerzhafte Entzündung der Schleimhaut des Rachenraums. Häufig tritt sie in Kombination mit einer Entzündung der Rachenmandeln auf (Tonsillopharyngitis); ggf. können auch nur die Rachenmandeln betroffen sein (Tonsillitis).

Prinzipiell treten Rachenentzündungen in jedem Alter auf, am häufigsten sind jedoch Schulkinder betroffen.

Die Genese ist wie bei der Laryngitis meistens viraler Natur durch die oben genannten typischen Erkältungsviren, selten sind  Bakterien wie Streptokokkus pyogenes die Auslöser.

Im Gegensatz zur Laryngitis ist eine Aphonie eher selten, dafür imponiert häufig ein stärkeres Krankheitsgefühl mit Fieber, Kopfschmerzen, Halsschmerzen und Husten. Die Rachenhaut ist gerötet, und ggf. mit zähen Schleimhautauflagerungen oder eitrigen Stippchen bedeckt. Manchmal findet sich eine Schwellung der zervikalen Lymphknoten.

Die Diagnose erfolgt wie bei der Laryngitis zunächst klinisch, ggf. kann eine ergänzende Blutuntersuchung mit Entzündungsparametern bei der Diagnose helfen.

Die Therapie der akuten Pharyngitis erfolgt rein symptomatisch mittels Flüssigkeitszufuhr und Analgetika. Besondere Vorsicht ist bei Verdacht auf eine bakterielle Genese bei der Anwendung von Aminopenicillinen geboten , da dieses Antibiotikum im Falle einer Infektion mit dem Epstein-Barr-Virus (EBV) ein Arzneimittelexanthem auslösen kann. Meist sind Pharyngitiden selbstlimitierend.

Sehr seltene Komplikationen bei Pharyngitiden sind das rheumatische Fieber oder eine Glomerulonephritis als Komplikation einer Streptokokkenangina. Des Weiteren kann sich die Entzündung ggf. ausbreiten und z. B. zu einer Sinusitis, Otitis media, Mastoiditis oder einem Peritonsillarabszess führen [6].

Therapie

Bei der Therapie der Laryngitis steht die Schonung des Kehlkopfes im Vordergrund. Empfohlen wird Stimmruhe oder mindestens ruhiges Sprechen bzw. Flüstern; Rauchen sowie Alkohol und stark gewürzte Speisen sollten vermieden werden. Des Weiteren eignen sich Antitussiva, die Inhalation von ätherischen Ölen und die Einnahme von Sekretolytika zur Linderung der Beschwerden. In den meisten Fällen bildet sich eine akute Laryngitis innerhalb von 3-7 Tagen zurück. Sollte ein Ödem der Stimmlippen bestehen, hilft Kortison. Eine Antibiotikatherapie ist aufgrund der meist viralen Genese nur selten indiziert. Im Falle einer chronischen Laryngitis als Folge eines Refluxes sind zudem Protonenpumpeninhibitoren therapeutisch sinnvoll [2, 3].

Prophylaxe

Zur Vermeidung von Laryngitiden sollten Risikofaktoren wie das Rauchen oder eine Überanstrengung der Stimme vermieden werden [6].

Hinweise

Da das Risiko für eine Chronifizierung von Laryngitiden bei Betroffenen in Sprechberufen besonders hoch ist, sollte  für sie eine Arbeitsunfähigkeit für mind. 2 Wochen ausgestellt werden [2].

Autor:
Stand:
09.10.2023
Quelle:
  1. Arnold, Ganzer (2011): Checkliste Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Thieme, DOI: 10.1055/b-002 21508
  2. Behrbohm et al. (2012): Kurzlehrbuch Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Thieme, DOI: 10.1055/b-002-37761
  3. Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Leitlinie, 17. Juli 2019
  4. Gupta, Mahajan (2022): Acute Laryngitis. StatPearls, PMID: 30521292
  5. Scholz et al (2019): Referenz Notfallmedizin. Thieme, DOI: 10.1055/b-006-149615
  6. Suttorp et al. (2020): Harrisons Innere Medizin. Thieme, DOI: 10.1055/b000000107
  • Teilen
  • Teilen
  • Teilen
  • Drucken
  • Senden
Orphan Disease Finder
Orphan Disease Finder

Hier können Sie seltene Erkrankungen nach Symptomen suchen: