Anwendung
Antazida bestehen aus verschiedenen Verbindungen mit den Salzen von Calcium, Magnesium und Aluminium. Jedes dieser kationischen Salze hat eine charakteristische pharmakologische Eigenschaft, die seinen klinischen Einsatz bestimmt. Antazida werden zur Behandlung folgender Erkrankungen eingesetzt:
Wirkmechanismus
Antazida wirken, indem sie die Magensäure neutralisieren und das proteolytische Enzym Pepsin hemmen, die Angiogenese wird stimuliert und Gallensäuren werden gebunden.
Pepsin ist eine Proteinase, die von den Belegzellen der Magenschleimhaut aus der inaktiven Form Pepsinogen produziert wird. Pepsin wird bei einem pH-Wert von 1 bis 2 aktiviert und zeigt nur begrenzte Aktivität, wenn der pH-Wert etwa zwischen 3,5 und 5 liegt. Bei Patienten mit Refluxerkrankung wurden sowohl Pepsin als auch Gallensäuren im ösophagealen Reflux gefunden. Pepsin und Gallensäuren stören die Barrierefunktion der ösophagealen Schleimhaut.
Antazida wie Magnesium- und Aluminiumhydroxid können sich an Gallensalze binden und deren schädliche Wirkung abpuffern, sowie die Aktivität von Pepsin durch Neutralisierung der Magensäure hemmen.
Aluminiumhydroxid wird mit einem sulfatierten Polysaccharid, dem Sucrose-Octasulfat zu Sucralfat komplexiert. Sucralfat, wie auch sein Bestandteil Aluminiumhydroxid stimuliert die Angiogenese und die Bildung von Granulationsgewebe. Es verhindert aufgrund seiner phosphatbindenden Eigenschaften zudem die Absorption von Phosphat und ist daher nützlich bei Hyperphosphatämie.
Aluminiumhydroxid reagiert mit dem H+ des HCL im Magen, wodurch Aluminiumchlorid und Wasser entstehen. Aluminiumcarbonat reagiert mit HCL zu Aluminiumchlorid, CO2 und Wasser. Aluminiumphosphat reagiert mit HCL zu Aluminiumchlorid und Phosphorsäure.
Hierdurch wird die Magensäure neutralisiert, der pH-Wert wird angehoben und dadurch die proteolytische Aktivität des Proteins Pepsin gehemmt.
Calciumsalze
Calciumcarbonat neutralisiert die Magensäure und erhöht damit den pH-Wert im Magen und im Duodenum. Carbonat-Anionen binden an freie Protonen (H+) aus HCl und verringern dadurch die H+-Konzentrationen im Magen. In den alkalischen Bedingungen des Dünndarms wird lösliches Calciumchlorid wieder in Calciumcarbonat umgewandelt und über den Stuhl ausgeschieden.
Calciumsalze hemmen auch die proteolytische Aktivität des Proteins Pepsin und steigern den unteren Ösophagussphinktertonus. Calcium ist essenziell für den Muskeltonus. Es steigert die Ösophagusperistaltik, wodurch Säure in den Magen gedrückt wird und die Refluxsymptomatik somit gelindert werden kann.
Magnesiumsalze
Magnesiumhydroxid reagiert mit dem HCL der Magensäure zu Magnesiumchlorid und Wasser. Magnesiumcarbonat reagiert mit dem HCL zu Magnesiumchlorid, CO2 und Wasser. Magnesiumsilikat löst sich langsam auf und reagiert mit HCl zu Magnesiumchlorid, Siliciumdioxid und H2O.
Hierdurch wird die Magensäure neutralisiert, der pH-Wert wird angehoben und dadurch zusätzlich die proteolytische Aktivität von Pepsin gehemmt.
Pharmakokinetik
Calcium
Die Resorption von Calcium nimmt mit zunehmender Dosis und zunehmendem Alter ab und bei hypocalcämischen Zuständen zu. Der resorbierte Anteil an Calcium liegt bei 10-35% der angebotenen Calciumionen. Abhängig vom Calciumserumspiegel wird Calcium über die Nieren ausgeschieden. Zum Teil bilden sich unlösliche Salze, die mit dem Stuhl ausgeschieden werden [7].
Aluminium
Ein Teil des Aluminiums aus den Aluminiumverbindungen wird resorbiert und führt zu einer passageren Erhöhung der Serumkonzentration von Aluminium. Die Ausscheidung erfolgt renal. Ein Teil der Ionen bilden unlösliche Salze, die mit dem Stuhl ausgeschieden werden [8,9].
Magnesium
Magnesium wird im Dünndarm, zu einem kleineren Teil auch im Dickdarm zu ca. 30% resorbiert. Es liegt im Plasma zu etwa 55% in ionisierter und damit physiologisch aktiver Form vor. Magnesium wird renal ausgeschieden. Am Tag werden mit dem Urin 5-8,5 mmol Magnesium ausgeschieden [8,10].
Nebenwirkungen
Aluminium ist assoziiert mit einem erhöhten Risiko für Toxizität bei Patienten mit Niereninsuffizienz und bei Säuglingen. Mögliche Nebenwirkungen sind:
- Osteopenie
- Mikrozytäre Anämie
- Neurotoxizität
- Osteomalazie
- Gastrointestinale Symptome: Obstipation, Übelkeit, Erbrechen, abdominelle Krämpfe
- Hypomagnesiämie
- Hypophosphatämie
Calciumverbindungen
Häufige Nebenwirkungen sind:
- Kopfschmerzen
- Hyperkalzämie
- Gastrointestinale Symptome: Obstipation, Übelkeit, Erbrechen, abdominelle Schmerzen, Flatulenzen
- Reaktive Hyperazidität
- Hypophosphatämie
- Milch-alkali Syndrom
Magnesiumverbindungen
Bei höherer Dosierung von Magnesiumverbindungen kann es zu weichen Stühlen oder Durchfällen, sowie zu Müdigkeitserscheinungen kommen.
Wechselwirkungen
Die gleichzeitige Anwendung von Antazida mit sauren Medikamenten wie Digoxin, Chlorpromazin oder Isoniazid kann zu einer beeinträchtigten Aufnahme dieser Medikamente führen, wodurch die therapeutische Wirkung beeinträchtigt wird.
Die gleichzeitige Verwendung von Antazida mit Pseudoephedrin oder Levodopa kann zu einer erhöhten Aufnahme der Medikamente führen, was zu potenzieller Toxizität oder unerwünschten Ereignissen führen kann.
Antazida, die Magnesiumtrisilikat und Magnesiumhydroxid enthalten, können an Medikamente wie Tetracycline und Fluorchinolon-Antibiotika binden, wodurch deren Aufnahme und therapeutische Wirkung beeinträchtigt werden.
Natriumbikarbonat beeinflusst signifikant den Säuregehalt des Urins, was die renale Elimination einiger Medikamente verändern kann. Es hemmt die Ausscheidung basischer Medikamente wie Amphetamine und Chinidin und erhöht die Ausscheidung saurer Medikamente wie Acetylsalicylsäure [2,16].
Alternativen
Alternativ können und werden folgende Medikamente zur Behandlung von gastroösophagealem Reflux eingesetzt: