Assoziation zwischen Depressionen und kardiovaskulären Erkrankungen
Depressionen und kardiovaskuläre Erkrankungen (cardiovascular disease, CVD) sind weit verbreitet. Die Erkrankungen von Psyche und Herz beeinflussen sich zudem gegenseitig. So erhöhen Depressionen das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen wie Herzinfarkt, Angina pectoris, Schlaganfall und die kardiovaskuläre Mortalität insgesamt. Daneben ist bekannt, dass es geschlechtsspezifische Unterschiede im Risikoprofil verschiedener Herz-Kreislauf-Erkrankungen gibt. Doch wie ist der Einfluss des Geschlechts auf das CVD-Risiko bei Depressionen? Hier war die Evidenzlage bislang widersprüchlich.
Studie untersucht CVD-Risiko von Menschen mit Depressionen
Ein Forscherteam aus Japan um Erstautor Keitaro Senoo, assoziierter Professor an der Kyoto Prefectural University of Medicine, untersuchte nun in einer Kohortenstudie mögliche Geschlechtsunterschiede bei Frauen und Männern mit Depressionen im Hinblick auf ihr CVD-Risiko. Der primäre Endpunkt setzte sich aus folgenden CVDs zusammen: Myokardinfarkt, Angina pectoris, Schlaganfall, Herzinsuffizienz, Vorhofflimmern.
Daten von über 4 Millionen Personen ausgewertet
Die Autoren analysierten retrospektiv Daten von über 4 Millionen Personen anhand der „JMDC Claims Database“ aus dem Zeitraum zwischen 2005 und 2022. Die Personen waren zwischen 18 und 25 Jahren alt (Median 44 Jahre) und 2.370.986 waren männlichen Geschlechts. Depressionen waren vor dem initialen Gesundheitscheck klinisch diagnostiziert und anhand von ICD-10-Codes gefiltert worden. Die eingeschlossenen Teilnehmer hatten vor der Diagnose einer Depression keine kardiovaskuläre Erkrankung gehabt. Body Mass Index (BMI), Blutdruck, ein möglicher Diabetes mellitus und verschiedene Laborparameter (Blutzucker, LDL- und HDL-Cholesterin, Triglyceride) sowie Raucherstatus und Alkoholkonsum der Teilnehmer wurden erfasst.
Die Teilnehmer wurden im Durchschnitt 1.288 Tage nachbeobachtet, um die Assoziation zwischen Depressionen und einem folgenden CVD-Ereignis zu beurteilen.
Stärkere Assoziation zwischen Depressionen und kardiovaskulären Erkrankungen bei Frauen
Die Ergebnisse der Analysen zeigen eine signifikante Assoziation zwischen Depressionen und folgenden kardiovaskulären Erkrankungen bei beiden Geschlechtern. Die Assoziation war bei Frauen allerdings stärker ausgeprägt als bei Männern. Die Hazard Ratio (HR) für den kombinierten Endpunkt zeigte sich nach Adjustierung multipler Variablen wie folgt:
- Frauen: HR 1,64 (95% Konfidenzintervall [KI] 1,59 bis 1,70)
- Männer: HR 1,39 (95%-KI 1,35 bis 1,42).
Weiterhin waren die einzelnen Parameter des kombinierten Endpunktes ebenfalls mit Depressionen assoziiert, auch hier wieder stärker ausgeprägt bei Frauen.
Limitationen der Studie
Die Nutzung der Routinedaten von Krankenkassen und Versicherungen birgt Risiken im Hinblick auf die Korrektheit der Diagnose. Weiterhin werden Schwere und Dauer durch die ICD-10-Codes möglicherweise nicht ausreichend abgebildet. Darüber hinaus wurden der sozioökonomische Status, die Ernährung und der Bildungsstand der Teilnehmer nicht einbezogen. Da die Studie zum Teil während der Pandemie stattfand, können Einflüsse durch die soziale Isolation bei Patienten mit COVID-19 nicht ausgeschlossen werden.
Geschlechtsunterschiede bei Prävention und Therapie berücksichtigen
Die Ergebnisse dieser Studie zeigen eine signifikante Assoziation zwischen Depressionen und folgenden kardiovaskulären Erkrankungen bei Männern und Frauen, mit einer stärkeren Assoziation bei Frauen. Die Autoren betonen in Anbetracht der Studienergebnisse die Bedeutung von geeigneten Präventions- und Managementstrategien bei Personen mit Depressionen unter Berücksichtigung geschlechtsspezifischer Unterschiede.
Zu den Hintergründen der beobachteten Geschlechtsunterschiede kann diese Beobachtungsstudie aufgrund des Studiendesigns keine Hinweise liefern. Die Autoren diskutieren verschiedene mögliche Ursachen, unter anderem schwerere und länger andauernde Depressionen bei Frauen sowie hormonelle Unterschiede, welche bei Frauen gerade in der Schwangerschaft und Menopause eine bedeutende Rolle spielen dürften. Hier sind weitere Studien nötig.
Die Studie wurde unterstützt vom japanischen Ministerium für Gesundheit, Arbeit und Soziales und vom japanischen Ministerium für Bildung, Kultur, Sport, Wissenschaft und Technologie.





