Statine verringerten das Risiko für Hirnblutungen

Eine Fall-Kontroll-Studie mit den Daten verlinkter dänischer Register ergab, dass die Statineinnahme bei Personen im Alter von mehr als 55 Jahren im Vergleich zu gematchten Kontrollen ohne Statine mit einem geringeren Risiko für intrazerebrale Blutungen einherging.

Gehirn Schlaganfall

Hintergrund

Die Therapie mit Statinen ist mit einem geringeren Risiko für ischämische Schlaganfälle assoziiert, das ist unbestritten. Aber wie ist das bei intrazerebralen Blutungen? Sind Statine mit einem höheren Risiko oder einem geringeren Risiko für erstmals auftretende Hirnblutungen assoziiert? Vorangegangene Analysen lieferten heterogene Antworten auf diese Fragen.

Wissenschaftler um Professor Dr. David Gaist führten an der Universität von Süd-Dänemark eine registerbasierte Fall-Kontroll-Studie durch, um zu untersuchen, welche Assoziationen zwischen der Therapie mit Statinen und erstmals auftretenden intrazerebralen Blutungen bestehen und ob diese möglicherweise von der lobären oder nicht-lobären Lokalisation der Blutung beeinflusst werden [1,2].

Daten aus verknüpften Registern

Die Studie wurde als eingebettete Fall-Kontroll-Studie mit Daten aus miteinander verlinkten nationalen dänischen Registern durchgeführt. Innerhalb der süddänischen Population (N=1,2 Millionen) wurden Personen im Alter ≥55 Jahren identifiziert, die im Zeitraum von 2009-2018, erstmals eine in ihrer Patientenakte verifizierte intrazerebrale Blutung erlitten hatten. Anhand der dokumentierten Diagnosen wurden die intrazerebralen Blutungen in lobäre und nicht-lobäre Blutungen eingeteilt. Die nicht-lobären Hirnblutungen umfassten Blutungen in den Basalganglien, dem Thalamus, dem Cerebellum und dem Hirnstamm.

Die Patienten wurden mit Kontrollen aus der Allgemeinbevölkerung unter anderem nach Alter und Geschlecht gematcht. Die Daten zur Einnahme von Statinen und anderen Medikamenten konnten die Autoren einem nationalen Verordnungsregister entnehmen. Die medikamentösen Therapien wurden nach Aktualität, Dauer und Intensität klassifiziert. Die Risiken für lobäre und nicht lobäre Hirnblutungen wurden unter Adjustierung von Störfaktoren wie Hypertonie, Diabetes oder Alkoholkonsum mithilfe logistischer Regression berechnet.

Risiko für Hirnblutung nimmt unter Statinen ab

Insgesamt 2.164 Personen erlitten im Beobachtungszeitraum erstmals eine intrazerebrale Blutung. Die 989 Patienten (52,2% Frauen) mit einer lobären Hirnblutung waren im Durchschnitt 76,3 Jahre alt und wurden mit 39.500 Kontrollen gematcht. Nicht-lobäre Hirnblutungen waren bei 1.175 Personen (46,5% Frauen) mit einem Durchschnittsalter von 75,1 Jahren aufgetreten. Diese Patienten wurden mit 46.755 Kontrollen gematcht.

Das Risiko einer lobären Hirnblutung war bei Patienten, die aktuell Statine einnahmen, um 17% verringert (adjustierter Odds Ratio [aOR] 0,83; 95%-KI: 0,70 bis 0,98); das Risiko einer nicht-lobären Hirnblutung um 16% (aOR 0,84; 95%-KI: 0,72 bis 0,98).

Berechnet nach Dauer der Statintherapie waren die Ergebnisse wie folgt:

  • Dauer der Statintherapie <1 Jahr: Risiko für lobäre Hirnblutungen aOR 0,89; 95%-KI: 0,69 bis 1,14 und für nicht-lobäre aOR 1,00; 95%-KI: 0,80 bis 1,25
  • Dauer der Statintherapie ≥1 Jahr<5 Jahre: Risiko für lobäre Hirnblutungen aOR 0,89; 95%-KI: 0,73 bis 1,09 und für nicht-lobäre aOR 0,88; 95%-KI: 0,73 bis 1,06
  • Dauer der Statintherapie ≥5 Jahre: Risiko für lobäre Hirnblutungen aOR 0,67; 95%-KI: 0,51 bis 0,87 und für nicht-lobäre aOR 0,62; 95%-KI: 0,48-0,80

Der p-Wert für einen Trend zu einer Risikominimierung mit zunehmender Dauer der Statintherapie lag bei lobären Hirnblutungen bei p=0,04 und bei nicht lobären bei p<0,001.

Fazit

Die Autoren stellten fest, dass die Einnahme von Statinen mit einem geringeren Risiko für Hirnblutungen einherging. Diese Assoziation war bei einer längeren Behandlungsdauer besonders ausgeprägt. Die Lokalisation der Blutung hatte keinen Einfluss auf diesen Zusammenhang. Als Limitation der Studie benannte Gaist, dass sie ausschließlich auf Daten der dänischen Bevölkerung und damit Menschen vorwiegend europäischer Abstammung, beruhte. Weitere Studien sollten mit anderen Populationen durchgeführt werden.

Die Studie wurde von der by Novo Nordisk Foundation gesponsort.

Autor:
Stand:
08.01.2023
Quelle:
  1. Boe et al. (2022): Association Between Statin Use and Intracerebral Hemorrhage Location: A Nested Case-Control Registry Study. Neurology. DOI: 10.1212/WNL.0000000000201664
  2. American Academy of Neurology (AAN), Pressemitteilung, 7. Dezember 2022
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