Reisen kann für Krebspatienten eine wertvolle Gelegenheit zur Erholung und zum Wohlbefinden bieten, birgt jedoch auch besondere Herausforderungen und Risiken. Ärzte spielen eine entscheidende Rolle bei der Vorbereitung ihrer Patienten auf Reisen, indem sie individuelle Ratschläge und Vorsichtsmaßnahmen bieten. Dieser Artikel bietet eine Übersicht über die wichtigsten Aspekte, die Ärzte bei der Beratung von Krebspatienten hinsichtlich Reisen berücksichtigen sollten.
Medizinische Beratung
Vor Reiseantritt sollten Krebspatienten eine gründliche medizinische Untersuchung durchführen lassen. Dabei sollte Folgendes besprochen werden:
- Medikamentenbedarf: Patienten sollten ausreichend Medikamente für die gesamte Reisedauer sowie eine Reserve für unvorhergesehene Verzögerungen mitführen. Die Medikation sollte im Handgepäck mitgeführt werden. Für das Mitführen von Medikamenten, die unter das Betäubungsmittelgesetz fallen, z.B. Opioide zur Schmerztherapie, muss eine ärztliche Bescheinigung vorliegen.
- Ärztliche Bescheinigungen: Eine Bescheinigung über die Diagnose und die Notwendigkeit von Medikamenten und Hilfsmitteln (z.B. Analgetika, Antiemetika) kann hilfreich sein, um Probleme bei Sicherheitskontrollen zu vermeiden.
- Notfallplan: Ein Plan für den Umgang mit akuten Verschlechterungen der Symptome sollte erstellt werden. Dazu gehört auch die Information über medizinische Einrichtungen am Reiseziel.
Flugreisen mit Krebserkrankungen
Während des Fluges kommt es zu Veränderungen des Kabinendrucks und einer reduzierten Sauerstoffsättigung, was bei Krebspatienten zu Symptomen wie Müdigkeit und Atemnot führen kann. Folgende Maßnahmen werden empfohlen:
- Sauerstoffversorgung: Patienten mit eingeschränkter Lungenfunktion oder einer Anämie sollten vor dem Flug eine Sauerstofftherapie in Erwägung ziehen. Es ist wichtig, die Fluggesellschaft im Voraus über den Bedarf an zusätzlichem Sauerstoff zu informieren.
- Thromboseprophylaxe: Um das Risiko von Thrombosen zu minimieren, sollten Patienten während des Fluges regelmäßig aufstehen und sich bewegen. Außerdem können Kompressionsstrümpfe sinnvoll sein. Bei stark erhöhtem Risiko kann eine medikamentöse Thromboseprophylaxe nötig werden.
Es gibt spezifische Hämoglobin-Grenzen, unterhalb derer das Fliegen als unsicher gilt. Allgemein wird empfohlen, dass Patienten mit einem Hämoglobinwert unter 8 g/dL nicht fliegen sollten. Unter bestimmten Voraussetzungen, wie bei einer stabilen chronischen Anämie oder wenn Sauerstoff an Bord verfügbar ist, kann ein Flug bis zu einem Hämoglobinwert von 7 g/dL in Betracht gezogen werden.
- Konsequenzen niedriger Hämoglobinwerte beim Fliegen: Ein zu niedriger Hämoglobinwert kann zu einer signifikanten Hypoxie führen, die während eines Fluges lebensbedrohlich sein kann. Dies kann zu schweren Symptomen wie extremem Schwindel, Bewusstseinsverlust und sogar zu einem Herzstillstand führen.
Immunsuppression und Infektionsrisiko
Krebspatienten, insbesondere jene, die sich einer Chemotherapie oder einer Stammzelltransplantation unterziehen, sind anfälliger für Infektionen. Empfohlene Maßnahmen umfassen:
- Impfungen: Patienten sollten sicherstellen, dass sie alle empfohlenen Impfungen erhalten haben. Dies umfasst Grundimmunsierungen, Grippe- und Pneumokokken-Impfungen sowie gegebenenfalls zusätzliche Impfungen, abhängig vom Reiseziel.
- Insektenschutz: Durch Insekten-, insbesondere Mückenstiche, können vor allem in tropischen Gebieten viele Erkrankungen, z.B. Malaria oder Denguefieber übertragen werden. Bei einem geschwächten Immunsystem verlaufen diese Erkrankung häufig schwerwiegender. Ein guter Insektenschutz ist daher unerlässlich.
- Hygiene: Strikte Hygienepraktiken, einschließlich Nahrungsmittelhygiene, regelmäßigen Händewaschens und der Vermeidung von Menschenmengen, sind entscheidend.
- Reiseversicherung: Eine umfassende Reisekrankenversicherung, die medizinische Notfälle abdeckt, ist unverzichtbar.
Ernährung und Flüssigkeitszufuhr
- Ernährung: Patienten sollten eine ausgewogene Ernährung beibehalten und Lebensmittel wählen, die gut verträglich sind und das Immunsystem unterstützen.
- Flüssigkeitszufuhr: Ausreichendes Trinken ist wichtig, um Dehydrierung zu vermeiden und die Gesundheit zu unterstützen.