In ihrem Vortrag „WIN axSpA“ stellte PD Dr. Uta Kiltz auf dem Deutschen Rheumatologiekongress 2024 am 19. September in Düsseldorf die wichtigsten Neuigkeiten auf dem Forschungsgebiet der axialen Spondyloarthritis (axSpA) vor. Ihr Vortrag widmete sich dabei unter anderem den neuesten Erkenntnissen zur Differenzieldiagnostik, der Rolle der Bildgebung und den aktuellen Entwicklungen in der Therapie.
Diagnosestellung häufig herausfordernd
Die Diagnosestellung ist im klinischen Alltag nachgewiesenermaßen eine große Herausforderung. Zentral ist dabei die Differenzierung von Patienten mit axialer Spondyloarthritis von Patienten mit anderem entzündlichem Rückenschmerz.
Eine aktuelle Studie zeigt, dass die Schmerzintensität sowohl allgemein als auch nachts bei axSpA-Patienten geringer ist im Vergleich zu Personen mit entzündlichem Rückenschmerz ohne axSpA. Dennoch sind nächtliche Rückenschmerzen, insbesondere in der zweiten Nachthälfte, ein wichtiger Indikator für die Diagnose der axSpA.
Bislang wird aufgrund des heterogenen klinischen Bildes bei nur etwa einem Drittel der zu Rheumatologen überwiesenen Patienten mit klinischem Verdacht auf axiale Spondyloarthritis auchdie entsprechende Diagnose gestellt. Kiltz forderte Rheumatologen daher auf, eng mit Augenärzten und Gastroenterologen zusammenzuarbeiten, um Patienten mit extramuskuloskelettalen Manifestationen zu identifizieren.
Herausforderungen bei der Interpretation der Bildgebung
Eine weitere Herausforderung der Diagnosestellung liegt in der Interpretation der Bildgebung. Kiltz betonte, dass ein Knochenmarködem im Iliosakralgelenk (ISG) durch viele Faktoren verursacht werden könne, vornehmlich durch mechanischen Stress.
Eine wichtige Differenzialdiagnose sei hierbei die Osteitis condensans ilii (OCI), die sich durch das Fehlen von Erosionen deutlich von der axSpA abgrenzen lasse. Zudem träte das Knochenmarködem bei der OCI meist im vorderen Bereich des ISG auf, während es bei der axSpA häufiger im mittleren Bereich des Gelenks lokalisiert sei.
Kiltz hob daher abermals die Bedeutung der Zusammenarbeit zwischen Rheumatologen und Radiologen hervor. So zeigte eine aktuelle Studie, dass der radiologische Befund durch einen intensiveren Informationsaustausch mit dem Rheumatologen deutlich verbessert werden kann.
Adalimumab und Secukinumab am häufigsten eingesetzte Biologika
Wie die therapeutische Versorgungspraxis aussieht, zeigen neue Daten aus dem deutschen Register RABBIT-SpA. So machen Tumornekrosefaktor-Inhibitoren den Großteil der Biologika-Therapie aus, gefolgt von Interleukin-17-Inhibitoren. Dabei sind der TNF-Inhibutor Adalimumab und der IL-17-Inhibitor Secukinumab die beiden am häufigsten verschriebenen Biologika.
Wirksamkeit und Sicherheit gängiger Medikamente
Neue Studien demonstrieren auch, wie wirksam und sicher verschiedene Wirkstoffe und deren Kombinationen in der krankheitsmodifizierenden Therapie der axialen Spondyloarthritis sind.
So zeigen Tumornekrosefaktor-Inhibitoren und Interleukin-17-Inhibitoren eine vergleichbare Effektivität bei der Verlangsamung der Röntgenprogression. Auch eine Kombinationstherapie aus Tumornekrosefaktor-Inhibitoren und nichtsteroidalen Antirheumatika unterscheidet sich hinsichtlich der Röntgenprogression nicht signifikant von einer Monotherapie mit Tumornekrosefaktor-Inhibitoren.
Langzeitdaten zu Bimekizumab und Upadacitinib
Langzeitdaten zum Interleukin-17-Inhibitor Bimekizumab zeigen, dass es auch langfristig zu einem guten Ansprechen hinsichtlich der Krankheitsaktivität und Funktionsfähigkeit kommt. Diese Wirksamkeit bleibt unabhängig davon bestehen, ob die Patienten zuvor mit Tumornekrosefaktor-Inhibitoren behandelt wurden oder nicht. Zudem wirkt Bimekizumab auch bei Patienten mit begleitender Uveitis effektiv.
Ebenso sprechen axiale Spondyloarthritis-Patienten langfristig gut auf die Therapie mit dem Januskinase-Inhibitor Upadacitinib an. Auch nach zwei Jahren ist sowohl die Krankheitsaktivität als auch die körperliche Funktionsfähigkeit weiterhin deutlich verbessert.
Sicherheitsvergleich von Januskinase-Inhibitoren, Tumornekrosefaktor-Inhibitoren und Interleukin-17-Inhibitoren
Ein Sicherheitsvergleich zwischen Januskinase-Inhibitoren, Tumornekrosefaktor-Inhibitoren und Interleukin-17-Inhibitoren zeigte nur geringe Unterschiede in der Sicherheit dieser Wirkstoffgruppen. Lediglich nach drei und fünf Jahren traten bei den mit Januskinase-Inhibitoren behandelten Patienten häufiger Fälle von Herpes zoster auf als bei der Therapie mit Interleukin-17-Inhibitoren.
Einflussfaktoren auf das Therapieansprechen
Neue Erkenntnisse wurden auch zu den Einflussfaktoren auf das Therapieansprechen vorgestellt: So sprechen Patienten mit Entzündungsnachweis im MRT und erhöhtem CRP besser auf eine Behandlung mit Tumornekrosefaktor-Inhibitoren an als jene, bei denen nur einer dieser Faktoren vorliegt. Einen möglichen Grund dafür sieht Kiltz in der eingeschränkten Spezifität der MRT.
Auch die mentale Gesundheit spielt eine wichtige Rolle für das Therapieansprechen. Patienten mit depressiven Symptomen weisen bereits zu Beginn der Therapie eine höhere Krankheitsaktivität, schlechtere Funktion und geringere körperliche Aktivität auf, was zu einem schlechteren Therapieerfolg führt.
Zudem betonte Kiltz die Bedeutung der beruflichen Teilhabe von Patienten mit axialer Spondyloarthritis. Etwa 30 % dieser Patienten berichten von einer eingeschränkten Arbeitsfähigkeit, die stark mit körperlichen Funktionseinschränkungen zusammenhängt. Kiltz sieht daher einen klaren Bedarf, körperliche Einschränkungen gezielt anzugehen und Maßnahmen wie Bewegung und Rehabilitationsprogramme zu initiieren.