Cefepim–Taniborbactam bei komplizierten Harnwegsinfektionen

Wissenschaftler berichteten, dass Cefepim-Taniborbactam 22% wirksamer als Meropenem war, das derzeit zur Behandlung komplizierter Harnwegsinfektionen und akuter Pyelonephritis eingesetzt wird.

Harnblase

Neue Option bei antibiotikaresistenten Bakterien?

Carbapenem-resistente Enterobacterales-Spezies und multiresistente Pseudomonas aeruginosa bedrohen weltweit zunehmend die Gesundheit. Weit verbreitete und sich abzeichnende Resistenzen gegen β-Lactam-Antibiotika erschweren die Behandlung schwerer Infektionen, einschließlich komplizierter Harnwegsinfektionen.

Cefepim, ein Breitspektrum-Cephalosporin der vierten Generation, wird zur Behandlung solcher Infektionen eingesetzt. Die Resistenz gegen Cefepim hat mit der Verbreitung von Extended-Spectrum-β-Lactamase (ESBL)- und Carbapenemase-Enzymen zugenommen. Taniborbactam ist ein bizyklischer Boronat-β-Lactamase-Inhibitor mit starker, selektiver, direkter inhibitorischer Aktivität gegen Ambler-Enzyme der Klassen A, B, C und D, einschließlich der vorherrschenden Serin- und Metallo-β-Lactamasen.

Derzeit wird die Kombination aus Cefepim und Taniborbactam zur Behandlung von schweren Infektionen mit gramnegativen antibiotikaresistenten Bakterien erforscht. Sie hatte in vivo Wirksamkeit gegen Cefepim- und Carbapenem-resistente Enterobacterales-Spezies und gegen Pseudomonas aeruginosa gezeigt.

Über die Studie CERTAIN-1

Im Rahmen einer aktuellen Studie untersuchten Wissenschaftler die Sicherheit und Wirksamkeit von Cefepim-Taniborbactam im Vergleich zu Meropenem - einer bevorzugten Behandlungsoption für Infektionen, die durch ESBL-produzierende gramnegative Erreger verursacht werden - bei hospitalisierten Patienten mit komplizierter Harnwegsinfektion. Das Forscherteam unter Erstautor Dr. Florian Wagenlehner von der Justus-Liebig-Universität in Gießen veröffentlichte die Ergebnisse im New England Journal of Medicine [1].

In der doppelt verblindeten, randomisierten Phase-III-Studie CERTAIN-1 (NCT03840148) erhielten hospitalisierte Erwachsene mit komplizierten Harnwegsinfektionen, einschließlich akuter Pyelonephritis, entweder sieben Tage lang alle acht Stunden intravenös 2,5 g Cefepim-Taniborbactam (n=441) oder 1 g Meropenem (n=220). Die Anwendungsdauer konnte im Falle einer Bakteriämie auf bis zu 14 Tage verlängert werden.

Der primäre Endpunkt setzte sich aus dem mikrobiologischen und dem klinischen Erfolg an den Studientagen 19 bis 23 zusammen (kombinierter Erfolg). Der mikrobiologische Erfolg war definiert als eine Reduktion aller gramnegativen bakteriellen Krankheitserreger, die zu Studienbeginn gefunden wurden, auf weniger als 103 Kolonie-bildenden Einheiten pro Milliliter. Der klinische Erfolg war definiert als symptomatisches Abklingen oder Rückkehr aller Symptome zum Ausgangswert vor der Infektion ohne den Einsatz zusätzlicher antibakterieller Wirkstoffe.

Der primäre Endpunkt wurde in der mikrobiologischen Intention-to-treat-Population (microITT) analysiert. Diese umfasste alle Patienten, die mit einem qualifizierten gramnegativen Erreger infiziert waren (≥105 Kolonie-bildende Einheiten pro Milliliter), gegen den beide Studienmedikamente wirksam waren.

Die microITT umfasste Daten von 436 (66,0%) Patienten. Das Durchschnittsalter der Patienten betrug 56,2 Jahre. Bei 57,8% der Patienten wurde eine komplizierte Harnwegsinfektion, bei 42,2% eine akute Pyelonephritis und bei 13,1% eine Bakteriämie diagnostiziert. Die mediane Behandlungsdauer betrug in beiden Gruppen sieben Tage.

Cefemim-Taniborbactam mit überlegenem mikrobiologischen und klinischen Erfolg

An den Tagen 19 bis 23 zeigten 70,6% der Patienten in der Cefepim-Taniborbactam-Gruppe eine erfolgreiche Reduktion der Bakterien und Symptome, in der Meropenem-Gruppe waren es 58,0%. Cefepim-Taniborbactam war Meropenem in Bezug auf den kombinierten Erfolg (primärer Endpunkt) überlegen. Der Behandlungsunterschied betrug 12,6 Prozentpunkte (P=0,009)
Cefepim-Taniborbactam war auch bei der späten Nachbeobachtung (Studientage 28 bis 35) wirksamer als Meropenem. Cefepim-Taniborbactam hatte eine Wirksamkeit von 63,8%, für Meropenem betrug sie in diesem Zeitraum 51,7%.

Vergleichbar viele unerwünschte Ereignisse unter Cefepim-Taniborbactam

Patienten unter Cefepim-Taniborbactam hatten ein ähnliches Risiko für unerwünschte Ereignisse und schwerwiegende unerwünschte Ereignisse wie Patienten unter Meropenem. Gastrointestinale Ereignisse waren die häufigsten unerwünschten Ereignisse in den beiden Gruppen.

In der Cefepim-Taniborbactam-Gruppe traten bei 35,5% der Patienten leichte bis mittelschwere Nebenwirkungen auf, darunter Kopfschmerzen, Durchfall, Verstopfung, Bluthochdruck und Übelkeit. In der Meropenem-Gruppe waren es 29,0%.

Insgesamt setzten mehr Studienteilnehmer Cefepim-Taniborbactam aufgrund von unerwünschten Ereignissen ab als Meropenem (3% vs. 1,8%). Die Gründe waren heterogen.

Die Wissenschaftler bewerteten Cefepim-Taniborbactam als eine potenzielle Behandlungsoption für Patienten mit komplizierten Harnwegsinfektionen und akuter Pyelonephritis, die durch Enterobacterales-Spezies und Pseudomonas aeruginosa, einschließlich antimikrobiell resistenter Stämme, verursacht werden.

Autor:
Stand:
28.05.2024
Quelle:

Wagenlehner et al. (2024): Cefepime–taniborbactam in complicated urinary tract infection. New England Journal of Medicine, DOI: 10.1056/NEJMoa2304748

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