Kompakt: Komorbiditäten der Migräne im Jugendalter

Ein steigender Anteil von Kindern und Jugendlichen leidet an Kopfschmerzerkrankungen, vor allem Migräne, und gleichzeitig unter verschiedenen Begleiterkrankungen. Welche Schmerzbehandlungen sind bei den Betroffenen sinnvoll und möglich, welche kontraindiziert?

Komorbiditäten Migräne im Jugendalter

Epidemiologie von Kopfschmerzen im Kindesalter

  • Steigender Anteil von Kindern und Jugendlichen mit Kopfschmerzerkrankungen, insbesondere Migräne
  • KiGGS-Studie 2014-2017: 20% der 3-10-Jährigen und 45% der 11-17-Jährigen litten an wiederkehrenden Kopfschmerzen
  • Bei 7-13-Jährigen wurde ein signifikanter Anstieg der Kopfschmerzprävalenz im Vergleich zur KiGGs Basiserhebung 2003-2006 festgestellt

Risiko von Begleiterkrankungen bei Migräne

  • Jugendliche mit Migräne haben ein 1,3-fach erhöhtes Risiko für verschiedene Begleiterkrankungen
  • Mögliche Begleiterkrankungen: affektive Störungen, neurotische oder somatoforme Störungen, Verhaltensstörungen mit physiologischen Auswirkungen, Rückenschmerzen, Reizdarmsyndrom

Multimodale Schmerztherapien

  • Dresdner Kinder- und Jugendkopfschmerzprogramm: 38,5% der Patienten litten an Schmerzerkrankungen des Bewegungsapparats
  • Jugendliche mit Migräne haben ein 1,6-fach erhöhtes Risiko für Rückenschmerzen
  • Prophylaktische multimodale Schmerztherapien, insbesondere Gruppentherapieprogramme, sind besonders effektiv

Psychische und psychosomatische Begleiterkrankungen

  • US-Studie: 32% von 20.000 Migränepatienten im Alter von 6-18 Jahren hatten eine psychiatrische Begleiterkrankung
  • Häufigste psychiatrische Begleiterkrankungen: Angststörungen (11,2%), Depressionen (6,7%) und ADHS (6,5%)
  • Expertin empfiehlt Amitriptylin (off-label: 1 mg/kgKg/tgl.) oder Propranolol (zugelassen 2mg/kgKG/tgl.); Botulinumtoxin A bei chronischer Migräne
  • Keine Anwendung von Flunarizin (kann Angst, Depression, Panik und Tagesmüdigkeit verstärken) und Topiramat (kann depressive Symptomatik und kognitive Störungen hervorrufen)

Migräne und Epilepsie

  • Retrospektive Fall-Kontroll-Studie: 3,1% der Kinder mit Kopfschmerzen hatten auch Epilepsie, von diesen hatten 82,1% Migräne
  • Empfohlene Migräne-Prophylaxe bei Kindern mit Epilepsie: Topiramat (schwache Evidenz) und Levetiracetam (ohne Evidenz)
  • Abgeraten wird von Amitriptylin (kann Krampfschwelle senken) und Valproat (keine Wirksamkeit, aber hohes Nebenwirkungsrisiko)

Migräne und Schlafstörungen

  • Italienische Studie: 72,9% der Migräne-Patienten unter 18 Jahren litten an einer Schlafstörung
  • Patienten mit Schlafstörungen hatten eine höhere Kopfschmerzfrequenz
  • Metaanalyse: Migränepatienten aller Altersgruppen zeigten Veränderungen in der Schlafarchitektur, einschließlich weniger REM-Schlaf

Hier geht's zum Langtext "Deutscher Schmerzkongress 2023: Komorbiditäten der Migräne im Jugendalter"!

Autor:
Stand:
01.11.2023
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