Akne inversa beziehungsweise Hidradenitis suppurativa (HS) zählt zu den chronisch-entzündlichen Hauterkrankungen mit erheblicher Krankheitslast. Neben den körperlichen Beschwerden beeinträchtigen Schmerzen, Exsudation, Geruchsbelastung und wiederkehrende Schübe häufig auch Alltag, Beruf und soziale Teilhabe der Betroffenen.
Vor diesem Hintergrund gewinnt die psychische Belastung bei HS zunehmend wissenschaftliche Aufmerksamkeit. Eine in der Fachzeitschrift 'CosmoDerma' veröffentlichte Übersichtsarbeit von Forschern des The Oxford Medical College Hospital and Research Centre in Indien fasst aktuelle Erkenntnisse zu psychiatrischen Begleiterkrankungen und psychosozialen Folgen der Erkrankung zusammen. Im Mittelpunkt standen insbesondere Depressionen, Angststörungen, Suizidalität, Selbstwertprobleme und Substanzmissbrauch.
Chronische Entzündung und soziale Belastung verstärken psychischen Druck
Die Autoren beschreiben Akne inversa als systemische Erkrankung mit vielfältigen Komorbiditäten. Neben metabolischem Syndrom, kardiovaskulären Erkrankungen, Diabetes mellitus und chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED) treten insbesondere psychiatrische Begleiterkrankungen überdurchschnittlich häufig auf. So leidet etwa jeder vierte erwachsene HS-Patient an Depressionen, während Angststörungen bei etwa jedem fünften Patienten auftreten. Zudem sei das Risiko für vollendeten Suizid im Vergleich zu Patienten mit Psoriasis mehr als doppelt so hoch.
Als wesentliche Belastungsfaktoren nennen die Autoren chronische Schmerzen, rezidivierende Schübe und soziale Stigmatisierung. Viele Betroffene berichteten über Schamgefühle, soziale Isolation, sexuelles Funktionsdefizit, Arbeitslosigkeit und vermindertes Selbstwertgefühl. Auch die Teilnahme an sportlichen und sozialen Aktivitäten sei häufig eingeschränkt.
Entzündungsprozesse könnten an psychiatrischen Komorbiditäten beteiligt sein
Zudem werden mögliche pathophysiologische Zusammenhänge zwischen chronischer Entzündung und psychischen Erkrankungen diskutiert. Demnach könnten erhöhte Konzentrationen proinflammatorischer Zytokine wie TNF-α, IL-1β und IL-6 sowohl bei HS als auch bei psychiatrischen Erkrankungen eine Rolle spielen.
Diese Entzündungsmediatoren werden in der Arbeit mit einer Störung der Blut-Hirn-Schranke (BHS), Mikroglia-Aktivierung und Veränderungen dopaminerger Signalwege in Zusammenhang gebracht. Gleichzeitig könne psychischer Stress entzündliche Prozesse verstärken und damit wiederum die Krankheitsaktivität der Akne inversa beeinflussen, so die Forschenden.
Sichtbare Symptome fördern Stigmatisierung und Rückzug
Nach Darstellung der Autoren trägt vor allem die sichtbare und häufig geruchsbelastete Symptomatik wesentlich zur psychosozialen Belastung bei. Viele Patienten zögen sich aus zwischenmenschlichen Beziehungen zurück oder vermieden soziale Kontakte aus Angst vor Ablehnung und Stigmatisierung.
Auch sexuelle Dysfunktion werde bei HS häufig unterschätzt. Vor allem jüngere Patienten seien durch die Erkrankung in ihrer sozialen und beruflichen Entwicklung beeinträchtigt. Zusätzlich könne maladaptives Bewältigungsverhalten auftreten. Laut den zusammengefassten Daten konsumieren etwa 4 % der Betroffenen Alkohol, Opioide oder Cannabis als Bewältigungsstrategie.
Frühe psychosoziale Diagnostik soll Risikopatienten erkennen
Angesichts der hohen psychischen Krankheitslast sprechen sich die Autoren für ein interdisziplinäres Versorgungskonzept aus. Bereits in den ersten dermatologischen Konsultationen sollten psychosoziale Belastungen systematisch erfasst werden.
Als mögliche Instrumente nennen sie unter anderem den Dermatology Life Quality Index (DLQI) sowie standardisierte Fragebögen zur Depressionsdiagnostik. Zudem wird eine enge Zusammenarbeit zwischen Dermatologen, Psychiatern und Psychologen empfohlen.
Forschungsbedarf bei psychischen Komorbiditäten bleibt hoch
Trotz zunehmender wissenschaftlicher Aufmerksamkeit bestehen weiterhin erhebliche Forschungslücken, so das Forschungsteam. Insbesondere seien prospektive Studien notwendig, um die Wechselwirkungen zwischen Hidradenitis suppurativa und psychiatrischen Erkrankungen besser zu verstehen. Darüber hinaus bestehe Bedarf an Untersuchungen zum Einfluss psychosozialer Interventionen auf Krankheitsaktivität und Lebensqualität. Zudem sei eine stärkere Verankerung psychodermatologischer Aspekte in der medizinischen Ausbildung erforderlich.











