DGIM 2024: MASH-Screening bei erhöhtem Risiko

Es wird geschätzt, dass etwa 20–30 Prozent der deutschen Bevölkerung eine MASLD aufweist und 3–5 Prozent eine MASH – Tendenz steigend. Um den Progress zu einer Leberzirrhose verhindern zu können, wäre eine frühe Erkennung einer Steatose und Fibrose wichtig

Leber Anatomie

Eine hohe Prävalenz der MASLD (engl. für Metabolic Dysfunction-associated Steatotic Liver Disease, früher nicht-alkoholische Fettlebererkrankung, NAFLD) ist vor allem bei Adipösen und Menschen mit Typ-2-Diabetes zu erwarten, berichtete Professor Dr. Andreas Geier von der Abteilung für Hepatologie der Universitätsklinik Würzburg [1]. Schlanke ohne Diabetes können ebenfalls ein erhöhtes Risiko für eine steatotische Lebererkrankung aufweisen, wenn andere Aspekte des metabolischen Syndroms vorhanden sind, beispielsweise eine Hypertriglyceridämie oder eine arterielle Hypertonie, erläuterte er anlässlich des 130. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) in Wiesbaden.

Basisdiagnostik für alle

Zur Stratifizierung des Risikos für eine MASLD oder MASH (engl. Metabolic Dysfunction-associated Steatohepatitis, früher nicht-alkoholische Fettleberentzündung, NASH) empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Viszeralmedizin in ihrer Leitlinie folgende Basisdiagnostik bim Hausarzt [2]:

  • Abklärung des kardiovaskulären Risikos entsprechend der Empfehlungen der kardiologischen Fachgesellschaften
  • Erfassung von Body Mass Index, Bauchumfang und Blutdruck
  • Labor: Nüchternglukosewerte, HbA1c, Triglyceride, LDL- und HDL-Cholesterin
  • Prüfung einer Malnutrition oder Sarkopenie
  • Erfassung von Komorbiditäten: (subklinische) Hypothyreose, polyzystisches Ovarialsyndrom (PCOS), obstruktives Schlaf-Apnoe-Syndrom

Leberwerte sind zur Beurteilung des MASLD-Risikos alleine ungenügend – selbst Patienten mit fortgeschrittener MASH und Fibrose können noch normale Aminotransferase-Werte haben [3].

Screening nur bei Verdacht

In der Risikopopulation von Patienten mit Typ-2-Diabetes, Adipositas und metabolischem Syndrom sollten die Leberwerte vom Hausarzt gelegentlich kontrolliert werden [2]. Wenn Transaminasenwerte wiederholt und kontinuierlich erhöht sind, wird die Überweisung an den Gastroenterologen/Hepatologen empfohlen. Das gilt auch, wenn Auffälligkeiten im Ultraschall oder – falls verfügbar – in der transienten Elastographie auftreten. Ein MASH-Screening in der Allgemeinbevölkerung wird explizit nicht empfohlen.

Optimierter diagnostischer Algorithmus

Die spezialisierte diagnostische Abklärung bei erhöhtem Risiko kommt heute immer häufiger ohne eine Leberbiopsie aus, berichtete Geier. Hilfreich ist die Lebersteifigkeitsmessung (LSM) mittels transienter Elastographie. Bei LSM-Werten <8 kPa und ohne andere klinische Risikofaktoren wird weiter eine Kontrolle beim Hausarzt empfohlen [2]. Bei LSM-Werten von 8–12 kPa und klinischen Risikofaktoren sollte die Elastographie nach sechs Monaten wiederholt werden. Bei LSM >12 kPa und klinischen Zeichen einer fortgeschrittenen Lebererkrankung ist das Monitoring, die Therapie und die Prophylaxe von Komplikationen wichtig. Die Biopsie mit ihrem doch vorhandenen Komplikationsrisiko sei aktuell vor allem gerechtfertigt für die MASH-Diagnose und bei begleitenden Lebererkrankungen, meinte Geier.

Therapieansätze bei MASLD und MASH

Die medikamentöse Therapie bei MASLD oder MASH fußt auf einer adäquaten Behandlung der Begleiterkrankungen. Auch bei Lebersteatose sollte man laut Geier keine Angst vor Statinen haben, aber regelmäßig Leberwertkontrollen durchführen.

In den USA wurde kürzlich erstmals ein Medikament zur Behandlung der MASH-Fibrose bei Menschen ohne Diabetes zugelassen. Resmetirom ist ein oraler, lebergerichteter, selektiver Agonist des Schilddrüsenhormon-Rezeptors beta. Die Substanz zeigte in der placebokontrollierten Zulassungsstudie einen bedeutsamen Effekt auf die Verbesserung der Fibrose um mindestens ein Stadium im Vergleich zu Placebo [4]. Zudem verschwand bei mehr Patienten der Verumgruppe als im Kontrollarm eine MASH wieder. Häufigste Nebenwirkungen von Remetirom waren Diarrhö und Nausea, vor allem zu Beginn der Behandlung. Die Patienten verloren bei Therapie mit dem Medikament häufig auch Gewicht und der LDL-Cholesterinwert sank. Geier nannte die Studienergebnisse eine Ermutigung, aktiver nach diesen Patienten zu suchen. Er rechnet in diesem Jahr mit der Zulassung von Resmetirom auch in Europa.

Autor:
Stand:
24.04.2024
Quelle:
  1. Prof. Dr. Andreas Geier: „MASLD – wie kann ein optimiertes Screening aussehen?“, 15. April 2024, 130. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin in Wiesbaden vom 13. bis 16. April 2024
  2. Roeb E et al. (2022): Aktualisierte S2k-Leitlinie nicht-alkoholische Fettlebererkrankung der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS), Stand April 2022, AWMF-Registernummer: 021-025
  3. Fracanzan AL et al. (2008): Risk of severe liver disease in nonalcoholic fatty liver disease with normal aminotransferase levels: a role for insulin resistance and diabetes. Hepatology. DOI: 10.1002/hep.22429
  4. Harrison SA et al. (2024): A Phase 3, Randomized, Controlled Trial of Resmetirom in NASH with Liver Fibrosis. The New England Journal of Medicine. DOI: 10.1056/NEJMoa2309000
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