Prämenstruelles Syndrom erhöht das Risiko kardiovaskulärer Erkrankungen

Eine schwedische Registerstudie mit über 99.000 Frauen belegt erstmals robust den Zusammenhang zwischen dem prämenstruellen Syndrom (PMS) bzw. einer schweren prämenstruellen dysphorischen Störung (PMDS) und einem erhöhten Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen.

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Herz-Kreislauf-Erkrankungen als führende Todesursache bei Frauen

Kardiovaskuläre Erkrankungen (CVD) stellen die Haupttodesursache bei Frauen dar. Neben etablierten Risikofaktoren wie Hypertonie, Diabetes und Dyslipidämie gewinnen geschlechtsspezifische Faktoren zunehmend an Bedeutung. Reproduktive Faktoren wie Präeklampsie oder eine frühe Menopause wurden bereits als Risikomarker identifiziert. Weniger erforscht sind jedoch zyklusassoziierte Störungen wie das prämenstruelle Syndrom (PMS) und die prämenstruelle dysphorische Störung (PMDS), die 20–30 % bzw. 3–8 % der Frauen im reproduktiven Alter betreffen.

Bisherige Hinweise auf Zusammenhänge zwischen PMS/PMDS und Herz-Kreislauf-Risiko

Frühere Studien deuteten an, dass Frauen mit PMS häufiger vaskuläre Risikoprofile aufweisen, etwa erhöhten Blutdruck oder ungünstige Lipidwerte. Zudem bestehen pathophysiologische Parallelen wie inflammatorische Prozesse und eine Dysregulation des Renin–Angiotensin–Aldosteron-Systems. Belastbare Daten zum langfristigen Risiko manifester CVDs lagen bislang jedoch kaum vor.

Studie analysiert Daten von fast 100.000 Frauen zu PMS und kardiovaskulären Erkrankungen

Die nun vorliegende bevölkerungsbasierte, registergestützte Kohortenstudie eines Teams um Erstautorin Yihui Yang vom Karolinska-Institut in Stockholm untersuchte 99.411 Frauen zwischen 2001 und 2022 mit dokumentierten PMDS im Vergleich zu über 947.000 Kontrollen. Zusätzlich wurde eine Geschwisteranalyse mit 36.061 betroffenen Frauen durchgeführt, um genetische und frühe Umwelteinflüsse zu kontrollieren. Der primäre Endpunkt war das erstmalige Auftreten kardiovaskulärer Erkrankungen, differenziert nach Subgruppen wie Hypertonie, ischämische Herzkrankheit, Schlaganfall und Arrhythmien.

Frauen mit PMS haben erhöhtes Risiko für Herzerkrankungen und Schlaganfälle

Frauen mit PMS/PMDS wiesen ein signifikant erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen auf (adjustierte Hazard Ratio [aHR] 1,11; 95 % Konfidenzintervall [KI] 1,08 bis 1,13). Die Geschwisteranalyse bestätigte diese Assoziation (aHR 1,10; 95 %-KI 1,06 bis 1,15). Besonders ausgeprägt war das Risiko bei Diagnosen von PMS vor dem 25. Lebensjahr sowie bei postnataler Depression als Komorbidität. Unter den Subtypen der CVDs zeigten sich stärkere Assoziationen für Arrhythmien (aHR 1,31) und ischämische Schlaganfälle (aHR 1,27).

Limitationen der Studie und Ausblick zu weiterem Forschungsbedarf

Aus einer Kohortenstudie lassen sich keine kausalen Zusammenhänge ableiten. Weitere Studien mit längerer Nachbeobachtung, einem anderen Studiendesign und unter Einbeziehung weiterer Daten wie Bewegungs- und Ernährungsprofil und Alkoholkonsum sind notwendig, um die Generalisierbarkeit zu prüfen und pathophysiologische Zusammenhänge zu klären. Sollten die Ergebnisse bestätigt werden, könnten PMS/PMDS künftig in Leitlinien zur kardiovaskulären Prävention bei Frauen berücksichtigt werden.

Prämenstruelles Syndrom im Risikoprofil von Frauen berücksichtigen

Die Ergebnisse dieser Studie legen nahe, dass PMS/PMDS als unabhängiger kardiovaskulärer Risikofaktor in die Risikostratifizierung von Frauen einbezogen werden sollte. Klinisch relevant ist die Beobachtung, dass insbesondere junge Patientinnen mit früher Diagnose und psychiatrischer Komorbidität gefährdet sind. Offene Fragen betreffen die zugrunde liegenden Mechanismen sowie mögliche präventive Strategien.

Autor:
Stand:
09.09.2025
Quelle:

Yang et al. (2025): Premenstrual disorders and risk of cardiovascular diseases. Nature Cardiovascular Research, DOI:10.1038/s44161-025-00684-4.

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