Impfstoffe gegen Meningokokken
Das Robert Koch-Institut (RKI) hat in Abstimmung mit der Ständigen Impfkommission (STIKO) die Empfehlungen zur Prävention invasiver Meningokokken-Erkrankungen überarbeitet. Ziel ist eine evidenzbasierte Immunisierung gegen Neisseria meningitidis der Serogruppen B, C sowie A, C, W und Y. In Deutschland sind mehrere zugelassene Meningokokkenimpfstoffe verfügbar:
Gegen Serogruppe B
- Bexsero Injektionssuspension in einer Fertigspritze
o ab zwei Monaten zugelassen
o Standardimpfung gemäß STIKO für alle Säuglinge
o enthält rekombinante Proteine (NHBA, NadA, fHbp) und OMV-Komponenten (PorA P1.4)
o induziert bakterizide Antikörperantworten gegen multiple Stämme
o prophylaktische Paracetamolgabe wird empfohlen, um Fieber nach Impfung zu reduzieren - Trumenba® Injektionssuspension in einer Fertigspritze
o ab zehn Jahren zugelassen
o empfohlen für Personen mit erhöhtem Risiko
o enthält rekombinante Faktor-H-bindende Proteine in zwei Varianten
o bewährte Immunogenität in Studien mit robusten Antikörpertiter-Erhöhungen
Gegen Serogruppe C (Monokomponenten-Impfstoffe)
Gegen Serogruppen A, C, W, Y (Konjugat-Impfstoffe)
Alle in Deutschland zugelassenen Meningokokkenimpfstoffe sind für die intramuskuläre Anwendung vorgesehen.
STIKO-Empfehlungen im Überblick
Die STIKO unterscheidet bei der Prävention invasiver Meningokokken-Erkrankungen zwischen Standard- und Indikationsimpfungen.
Standardimpfungen umfassen die einmalige MenC-Impfung ab dem zwölften Lebensmonat sowie die im Jahr 2025 neu eingeführte MenB-Impfung im 2+1-Schema ab dem zweiten Lebensmonat. Da MenB-Erkrankungen bereits in den ersten Lebensmonaten gehäuft auftreten, soll die Impfserie zum frühestmöglichen Zeitpunkt im Alter von zwei Monaten begonnen werden. Zusätzlich werden Nachholimpfungen bis zum vollendeten 5. Lebensjahr empfohlen, wenn das Schema nicht vollständig durchgeführt wurde.
Indikationsimpfungen richten sich an definierte Risikogruppen, darunter Personen mit angeborenen oder erworbenen Immundefekten, Asplenie, Therapie mit C5-Komplement-Inhibitoren, exponiertes Laborpersonal sowie bestimmte Reisende. Für diese Gruppen empfiehlt die STIKO eine kombinierte Impfung mit MenB- und ACWY-Konjugatimpfstoffen.
Für Reisende nach Mekka (Hadj, Umrah) besteht die Pflicht zum Nachweis einer gültigen ACWY-Impfung, wobei Konjugatimpfstoffe einen Schutz von fünf Jahren bieten.
Impfschemata und Immunogenität
MenB:
- Grundimmunisierung: 2+1-Schema bei Säuglingen
- Nachholimpfungen bis zum vollendeten 5. Lebensjahr empfohlen (zwei Dosen ≥ 2 Monate Abstand)
- Studien zeigen robuste bakterizide Antikörperantworten mit hohen Seropositivitätsraten (> 90 % für mehrere Antigene)
- Statistisch signifikante Reduktion invasiver Erkrankungen um 75 % im britischen Impfprogramm (IRR 0,25; 95 %-KI 0,19–0,36)
MenC:
- einmalige Dosis ab zwölf Monaten gemäß STIKO-Standardimpfkalender
- Nachholimpfungen bei älteren Kindern ohne dokumentierte MenC-Impfung möglich
- Konjugatimpfstoffe induzieren eine T-Zell-abhängige Immunantwort
- langjährig etablierte Wirksamkeit mit deutlicher Reduktion der Krankheitslast in Deutschland
MenACWY:
- Einzeldosis oder altersgerechte Schemata gemäß Fachinformation
- evidenzbasierte Schutzwirkung gegen invasive Erkrankungen der Serogruppen A, C, W und Y
- geeignet für Kleinkinder, Jugendliche und Erwachsene mit Risikoprofil
Nebenwirkungen
Proteinbasierte Impfstoffe gegen Serogruppe B
In klinischen Studien traten bei Säuglingen und Kleinkindern sehr häufig lokale Reaktionen wie Druckschmerzen, Erytheme, Schwellung und Verhärtung an der Injektionsstelle auf. Systemische Nebenwirkungen umfassten sehr häufig Fieber ab 38 °C, Reizbarkeit, Schläfrigkeit, ungewöhnliches Weinen sowie gastrointestinale Symptome wie Diarrhö und Erbrechen. Bei gleichzeitiger Verabreichung mit Routineimpfstoffen wurde eine höhere Fieberrate beobachtet, die sich jedoch durch prophylaktische Gabe von Paracetamol verringern ließ.
Bei Jugendlichen und Erwachsenen wurden Schmerzen an der Injektionsstelle, Unwohlsein, Kopfschmerzen, Myalgie und Arthralgie als sehr häufige unerwünschte Wirkungen dokumentiert.
Insgesamt zeigten die Studien keine Zunahme der Häufigkeit oder Schweregrad von Nebenwirkungen bei nachfolgenden Dosen der Impfserie.
Monokomponentenimpfstoffe gegen Serogruppe C
Auch diese zeigen in klinischen Studien ein gutes Verträglichkeitsprofil. Sehr häufig treten lokale Reaktionen an der Injektionsstelle wie Schmerzen, Rötung und Schwellung auf. Häufig werden Fieber, Reizbarkeit und Appetitlosigkeit beobachtet. Die meisten Reaktionen sind mild bis moderat ausgeprägt und klingen innerhalb weniger Tage ab. Das Sicherheitsprofil ist über langjährige Anwendung im Kindesalter sehr gut dokumentiert.
ACWY-Impfstoffe
In klinischen Studien wurden bei Kindern zwischen zwei und zehn Jahren sehr häufig lokale Reaktionen wie Schmerzen, Erythem und Verhärtung an der Injektionsstelle sowie Reizbarkeit und allgemeines Unwohlsein beobachtet. Systemische Nebenwirkungen umfassten sehr häufig Kopfschmerzen und Schläfrigkeit sowie häufig gastrointestinale Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen und Durchfall. Fieber ab 38 °C und Schüttelfrost traten häufig auf, hielten gewöhnlich ein bis zwei Tage an und waren nicht schwerwiegend.
Bei Jugendlichen und Erwachsenen waren Schmerzen an der Injektionsstelle, Kopfschmerzen, Myalgie, Übelkeit und allgemeines Unwohlsein sehr häufig. Arthralgie, Hautausschlag, Fieber und Schüttelfrost wurden häufig dokumentiert.
Die Häufigkeit und der Schweregrad unerwünschter Wirkungen waren über alle Altersgruppen hinweg vergleichbar. In klinischen Prüfungen wurde keine klinisch relevante Beeinträchtigung der Immunantwort auf gleichzeitig verabreichte Impfstoffe festgestellt.
Kontraindikationen
Für alle in Deutschland zugelassenen Meningokokkenimpfstoffe gelten einheitlich folgende Kontraindikationen:
- bekannte Überempfindlichkeit gegen einen Bestandteil des Impfstoffs
- Vorliegen einer akuten schweren, fieberhaften Erkrankung, bei der die Impfung verschoben werden sollte
Impfschutz
Die Immunisierung gegen Meningokokken stellt die zentrale präventive Maßnahme zur Vermeidung invasiver Meningokokken-Erkrankungen dar. Die MenB-Impfung zielt auf einen umfassenden Schutz gegen Serogruppe B ab und induziert eine robuste bakterizide Antikörperantwort gegen mehrere Antigene. Beobachtungsstudien belegen eine signifikante Reduktion invasiver Erkrankungen nach Einführung der Säuglingsimpfung im 2+1-Schema.
Die ACWY-Konjugatimpfstoffe bieten einen breiten Schutz gegen Serogruppen A, C, W und Y. Sie induzieren eine T‑Zell-abhängige Immunantwort mit nachgewiesener hoher Immunogenität und werden für Risikopersonen, Reisende in Endemiegebiete und bestimmte Berufsgruppen empfohlen.
Die Monokomponentenimpfstoffe gegen Serogruppe C sind Bestandteil des Standardimpfkalenders ab dem zwölften Lebensmonat. Sie zeigen seit ihrer Einführung eine klare Reduktion der Krankheitslast und gewährleisten einen wirksamen Schutz durch Induktion langanhaltender Antikörpertiter.
Hinweis zur Epidemiologie und regionalen Empfehlungen
Die STIKO empfiehlt derzeit für Kinder ab zwölf Monaten standardmäßig die MenC-Impfung, während ACWY-Konjugatimpfstoffe für Risikogruppen vorgesehen sind. Die Sächsische Impfkommission (SIKO) lässt ACWY-Impfstoffe im Kinderimpfplan auch als Alternative zu MenC zu. Hintergrund ist eine veränderte Serogruppenverteilung in Deutschland mit einem zunehmenden Anteil an MenY-Fällen in den vergangenen Jahren.