Krebserkrankungen zählen weltweit zu den häufigsten Todesursachen. Lebensstilfaktoren, darunter Ernährungsgewohnheiten, werden seit Jahrzehnten im Hinblick auf ihr präventives Potenzial untersucht. Während der Zusammenhang zwischen rotem und verarbeitetem Fleisch und bestimmten Tumorarten vielfach beschrieben wurde, ist die Evidenz zu vegetarischen und veganen Ernährungsformen heterogen.
Eine im 'British Journal of Cancer' publizierte gepoolte Analyse des Cancer Risk in Vegetarians Consortium, koordiniert durch Oxford Population Health (Vereinigtes Königreich), untersuchte nun den Zusammenhang verschiedener nicht-fleischbasierter Ernährungsweisen mit der Inzidenz spezifischer Krebserkrankungen.
Daten von mehr als 1,8 Millionen Erwachsenen ausgewertet
In die Analyse flossen Daten aus neun prospektiven Kohortenstudien aus dem Vereinigten Königreich, den USA, Taiwan und Indien ein. Insgesamt wurden 1.817.477 Erwachsene eingeschlossen. Die mediane Nachbeobachtungszeit betrug 16 Jahre.
Die Teilnehmer wurden anhand von Fragebogendaten zu Ernährungsgewohnheiten bei Studieneinschluss in fünf Gruppen eingeteilt:
- Fleischesser (Konsum von rotem oder verarbeitetem Fleisch)
- Geflügelesser (kein rotes oder verarbeitetes Fleisch)
- Pescetarier (Fisch, aber kein Fleisch oder Geflügel)
- Vegetarier (kein Fleisch oder Fisch, Konsum von Milchprodukten und/oder Eiern)
- Veganer (keine tierischen Produkte)
Primärer Endpunkt war die Inzidenz von 17 Tumorarten, darunter kolorektale, mamma-, prostata-, pankreas-, nieren- und ösophageale Karzinome sowie multiples Myelom.
Zur Risikoschätzung wurden multivariable Cox-Regressionen mit Berechnung von Hazard Ratios (HR) und 95 %-Konfidenzintervallen durchgeführt. Die Ergebnisse der einzelnen Kohorten wurden mittels Meta-Analyse zusammengeführt. Es erfolgte eine Adjustierung für relevante Kovariablen, darunter Alter, Geschlecht, Region, Rauchen, Alkoholkonsum, Body-Mass-Index, körperliche Aktivität und weitere tumorspezifische Faktoren.
Signifikant geringere Inzidenz mehrerer Tumorarten bei Vegetariern
Im Vergleich zu Fleischessern zeigten sich bei Vegetariern folgende Risikoreduktionen
- Pankreaskarzinom: Hazard Ratio (HR) 0,79 (95 %-Konfidenzintervall [KI] 0,65–0,97) – entsprechend einer Risikoreduktion von 21 %
- Mammakarzinom: HR 0,91 (0,86–0,97) – 9 % geringeres Risiko
- Prostatakarzinom: HR 0,88 (0,79–0,97) – 12 % geringeres Risiko
- Nierenkarzinom: HR 0,72 (0,57–0,92) – 28 % geringeres Risiko
- Multiples Myelom: HR 0,69 (0,51–0,93) – 31 % geringeres Risiko
Diese Ergebnisse waren statistisch signifikant.
Für das kolorektale Karzinom zeigte sich bei Vegetariern kein statistisch signifikanter Unterschied im Vergleich zu Fleischessern. Demgegenüber war das Risiko für ein Plattenepithelkarzinom des Ösophagus bei Vegetariern um 93 % erhöht (HR 1,93; 1,30–2,87); auch diese Assoziation war statistisch signifikant.
Für andere untersuchte Tumorarten, darunter Magen-, Leber-, Endometrium- oder Ovarialkarzinome, ergaben sich keine statistisch signifikanten Unterschiede.
Ergebnisse für Pescetarier, Geflügelesser und Veganer
Bei Pescetariern wurden im Vergleich zu Fleischessern niedrigere Risiken beobachtet für:
- Kolorektalkarzinom: HR 0,85 (0,77–0,93) – 15 % geringeres Risiko
- Mammakarzinom: HR 0,93 (0,88–0,98) – 7 % geringeres Risiko
- Nierenkarzinom: HR 0,73 (0,58–0,93) – 27 % geringeres Risiko
Diese Assoziationen waren statistisch signifikant.
Geflügelesser wiesen ein um 7 % geringeres Risiko für Prostatakarzinome auf (HR 0,93; 0,88–0,98).
Bei Veganern zeigte sich ein um 40 % erhöhtes Risiko für kolorektale Karzinome (HR 1,40; 1,12–1,75). Allerdings war die Fallzahl in dieser Gruppe im Vergleich zu den übrigen Ernährungsformen geringer. Für andere Tumorarten ergaben sich bei Veganern keine statistisch signifikanten Unterschiede.
Fazit: Differenzierte Krebsrisiken je nach Ernährungsform
Die gepoolte Analyse aus neun prospektiven Kohorten zeigt unterschiedliche Krebsrisiken je nach nicht-fleischbasierter Ernährungsform. Vegetarische Ernährung war mit einem statistisch signifikant niedrigeren Risiko für Pankreas-, Mamma-, Prostata- und Nierenkarzinome sowie multiples Myelom assoziiert, jedoch mit einem erhöhten Risiko für ösophageale Plattenepithelkarzinome. Pescetarier wiesen signifikant niedrigere Risiken für kolorektale, Mamma- und Nierenkarzinome auf, während bei Veganern ein signifikant erhöhtes Risiko für kolorektale Karzinome beobachtet wurde.
Als Beobachtungsstudie erlaubt die Analyse keine kausalen Schlussfolgerungen. Die Ergebnisse liefern jedoch differenzierte Daten zu spezifischen Tumorarten und Ernährungsformen und bilden eine Grundlage für weiterführende Untersuchungen in unterschiedlichen Populationen.






