Die Psoriasisarthritis (PsA) ist eine systemische, entzündliche Erkrankung, die mehrere Organsysteme betrifft. Neben den klassischen kardiovaskulären Ereignissen wie Myokardinfarkt, Schlaganfall und Herzinsuffizienz rücken auch kardiale Rhythmusstörungen zunehmend in den Fokus. Insbesondere stellt sich dabei die Frage nach dem Beitrag entzündlicher Krankheitsmechanismen zu deren Entstehung und klinischer Relevanz.
Rolle der systemischen Entzündung bei kardialen Rhythmusstörungen
Für autoimmune und entzündlich-rheumatische Erkrankungen ist ein erhöhtes Arrhythmierisiko im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung gut belegt. Als zentrale Ursache gilt die systemische Entzündung, die sowohl das Myokard als auch das kardiale Reizleitungssystem beeinflussen kann.
Proinflammatorische Zytokine verändern die Funktion von Ionenkanälen, beeinträchtigen die elektrophysiologischen Eigenschaften des Herzmuskels und begünstigen strukturelle Umbauprozesse, wie beispielsweise die Fibrosierung. Diese Mechanismen werden als mögliche pathophysiologische Erklärungen diskutiert.
Kardiovaskuläre Risikofaktoren und bisherige Datenlage
Zusätzlich sind klassische kardiovaskuläre Risikofaktoren wie Adipositas, arterielle Hypertonie und atherosklerotische Erkrankungen bei Patienten mit PsA häufiger vertreten. In der Literatur werden nichtsteroidale Antirheumatika und systemische Glukokortikoide auch mit einem erhöhten Arrhythmierisiko in Verbindung gebracht.
Populationsbasierte Registerstudien zeigten bereits ein erhöhtes Risiko für Vorhofflimmern, atrioventrikuläre Leitungsstörungen und die Implantation von Schrittmachern. Unklar blieb jedoch bislang, welchen Beitrag die Krankheitsaktivität selbst, unabhängig von diesen Faktoren, leistet.
Kohortenanalyse zur Arrhythmiehäufigkeit bei PsA
Das Ziel einer aktuellen Studie bestand darin, die kumulative Inzidenz kardialer Tachy- und Bradyarrhythmien bei PsA zu bestimmen und krankheitsspezifische Risikofaktoren zu identifizieren. Hierzu wurde eine große, prospektiv geführte Kohorte aus dem Gladman Krembil PsA-Programm mit langjähriger standardisierter Nachbeobachtung analysiert.
Die Arrhythmieereignisse wurden klinisch validiert und zusätzlich anhand von Krankenhausdaten erfasst. In multivariablen zeitabhängigen Analysen wurde geprüft, ob Parameter der Krankheitsaktivität mit dem Auftreten von Rhythmusstörungen assoziiert sind, unter Berücksichtigung klassischer kardiovaskulärer Risikofaktoren und der antirheumatischen Medikation. Dabei flossen sowohl aktuelle Krankheitswerte als auch kumulative Mittelwerte über den Krankheitsverlauf ein.
Inzidenz kardialer Arrhythmien in der PsA-Kohorte
In die Analyse wurden 1.670 Patienten mit PsA eingeschlossen, die im Mittel über einen Zeitraum von mehr als zehn Jahren nachbeobachtet wurden. In diesem Zeitraum traten 108 bestätigte Arrhythmieereignisse auf, darunter überwiegend atriale Tachyarrhythmien wie Vorhofflimmern und supraventrikuläre Tachykardien. Bradyarrhythmien und ventrikuläre Arrhythmien wurden deutlich seltener beobachtet.
Die Gesamtinzidenz aller Rhythmusstörungen betrug 5,5 Ereignisse pro 1.000 Personenjahre. Mit 4,5 Ereignissen pro 1.000 Personenjahre kam atrialen Rhythmusstörungen die größte Bedeutung zu. Analysen zu ventrikulären Arrhythmien und Bradykardien waren aufgrund geringer Ereigniszahlen limitiert. Mit zunehmendem Alter, insbesondere ab dem 60. Lebensjahr, nahm die Inzidenz atrialer Tachyarrhythmien deutlich zu.
Zusammenhang zwischen Krankheitsaktivität und Arrhythmierisiko
Bis zum 70. Lebensjahr entwickelten 7,8 % der Patienten eine atriale Tachyarrhythmie. Dieser Anteil stieg bis zum 80. Lebensjahr auf 17,1 %. Ventrikuläre Arrhythmien und Bradykardien blieben insgesamt selten, nahmen mit dem Alter jedoch ebenfalls zu.
Ein zentrales Ergebnis der Analyse ist der Zusammenhang zwischen Krankheitsaktivität und Arrhythmierisiko. So wiesen Patienten in Remission oder mit niedriger Krankheitsaktivität nach dem Disease Activity in Psoriatic Arthritis Score (DAPSA) ein signifikant geringeres Risiko für atriale Tachyarrhythmien auf als Patienten mit hoher Aktivität. Dieser Zusammenhang zeigte sich sowohl für aktuelle Krankheitswerte als auch für kumulative Mittelwerte im Verlauf.
Auch schmerzhafte und geschwollene Gelenke sowie eine höhere subjektive Krankheitslast waren unabhängig voneinander mit einem erhöhten Risiko assoziiert. Ein Trend war bei höheren Werten im Psoriasis Area and Severity Index (PASI) erkennbar, jedoch wurde keine statistische Signifikanz erreicht.
Krankheitsaktivität als relevanter Faktor für kardiale Komorbidität
Die Daten verdeutlichen, dass es sich bei der Psoriasisarthritis um eine systemische Erkrankung mit relevanten kardialen Implikationen handelt. Dabei kommt atrialen Tachyarrhythmien eine besondere klinische Bedeutung zu, da sie nicht nur altersabhängig auftreten, sondern auch eng mit der entzündlichen Krankheitsaktivität assoziiert sind.
Für die klinische Praxis ergibt sich daraus die Notwendigkeit einer ganzheitlichen Therapieplanung. Eine konsequente Kontrolle der Krankheitsaktivität ist nicht nur für die Gelenk- und Hautmanifestationen, sondern auch für das langfristige kardiovaskuläre Risiko von Bedeutung und sollte daher Bestandteil der Langzeitversorgung sein.









