Cranberrys wurden bereits in der nordamerikanischen Volksmedizin zur Prävention rezidivierender Harnwegsinfektionen angewendet. Den Inhaltsstoffen Proanthocyanidin, Fructose, Xyloglucan und Phenolderivaten wird ein Fimbrien blockierender Effekt zugeschrieben, der das Anhaften von Bakterien verhindert. Es sind verschiedene Darreichungsformen wie Kapseln und Tabletten sowie Säfte und getrocknete Beeren auf dem Markt [1,2].
Studienlage
Studien und Metaanalysen zur Langzeitprävention rezidivierender Harnwegsinfektionen mit Cranberry in verschiedenen Darreichungsformen gegenüber Placebo, Nicht-Behandlung und anderen Präventionsregimen zeigen widersprüchliche Daten.
In einer Cochrane Metaanalyse zeigten aus 24 Studien mit insgesamt 4.473 Teilnehmenden kleinere Studien zwar einen gewissen prophylaktischen Effekt, der aber durch größere Studien nicht bestätigt werden konnte. Auch konnte keine signifikante Reduktion der Symptome bei rezidivierender Harnwegsinfektion nachgewiesen werden [1,2].
Laut der S3-Leitlinie Harnwegsinfektionen ist die Einnahme größere Saftmengen wegen hoher Abbrecherquoten unrealistisch, es sind aber möglicherweise mit höher dosierten Kapseln oder Tabletten (Proanthocyanidingehalt ca. 100 mg/Tag, aktuelle Empfehlung 36 mg/Tag) noch positive Effekte zu erwarten. Diesbezüglich sind derzeit aber keine Studien vorhanden. Die bisher vorliegenden Daten zum Vergleich mit der antibiotischen Langzeitprävention sind widersprüchlich. Die nicht-antibiotische Langzeitprävention mit Cranberry-Kapseln führt allerdings im Gegensatz zur Langzeitprävention mit Cotrimoxazol zu geringeren Resistenzraten gegenüber Cotrimoxazol im Darm [1].
Die deutsche S3-Leitlinie sowie die europäische Leitlinie kommen zu dem Schluss, dass für Cranberry-Präparate derzeit keine Empfehlung ausgesprochen werden kann [1,2].