Dermatologische Manifestationen sexuell übertragbarer Infektionen bei Männern

Viele sexuell übertragbare Infektionen lassen sich bereits anhand dermatologischer Veränderungen erkennen. In der urologischen Praxis sind diese Befunde entscheidend für eine frühe Diagnose, eine gezielte Therapie und die Vermeidung von Komplikationen.

Ekzem Mann Genitalbereich

Sexuell übertragbare Infektionen (STI) zählen zu den häufigsten akuten Infektionskrankheiten weltweit und stellen eine erhebliche Herausforderung für die öffentliche Gesundheit dar. Vor allem Männer, insbesondere solche mit gleichgeschlechtlichen Sexualkontakten, weisen eine erhöhte Prävalenz vieler Erreger auf. Die klinische Bedeutung ergibt sich nicht nur aus der Häufigkeit, sondern auch aus möglichen Komplikationen.

Die Diagnostik von STI ist historisch eng mit der Dermatologie verbunden, da viele Infektionen typische Haut- und Schleimhautveränderungen hervorrufen. Männer mit genitalen Läsionen, Ulzera oder Ausfluss werden häufig einem Urologen vorgestellt. Dermatologische Kenntnisse sind daher auch in der urologischen Praxis unverzichtbar

Erste Untersuchung und strukturiertes Vorgehen

Die Abklärung beginnt mit einer strukturierten Anamnese. Die von den Centers for Disease Control and Prevention (CDC) empfohlenen „5 Ps“ – Partners, Practices, Protection, Past history und Pregnancy intention – dienen als praxisnahes Schema. Die körperliche Untersuchung sollte sichtbare Läsionen, Ausfluss und Lymphadenopathien einschließen. Bei unklarer Situation ist eine vollständige Hautuntersuchung angezeigt.

Ein praktischer Ansatz ist die Einteilung nach Warzen, Ulzera, Urethralausfluss und Papeln. Damit kann bereits vor dem Erregernachweis eine empirische Therapie begonnen werden. Dies kann Therapieabbrüche verhindern, birgt aber das Risiko einer Übertherapie und Resistenzenentwicklung. Für Infektionen wie Syphilis, Gonorrhoe, Chlamydien, Chancroid und das Humanes Immundefizienz-Virus (HIV) besteht zudem eine Meldepflicht.

Kondome reduzieren das Risiko einer Übertragung, bieten aber keinen vollständigen Schutz. Bis zum Heilungsnachweis oder Abschluss der Therapie sollte sexuelle Abstinenz empfohlen werden.

Anogenitale Warzen

Condylomata acuminata gehören zu den häufigsten STI bei Männern. Sie werden überwiegend durch das humane Papillomavirus (HPV) verursacht, wobei die Typen HPV 6 und 11 dominieren. Hochrisikotypen wie HPV 16 oder 18 sind dagegen mit intraepithelialen Neoplasien und Karzinomen assoziiert. Klinisch treten die Warzen papillomatös oder verrukös auf, gelegentlich auch flach oder filiform. Sie können konfluieren, bleiben aber meist asymptomatisch.

Die Diagnose erfolgt in der Regel klinisch. Atypische oder therapieresistente Läsionen sollten biopsiert werden, um ein Plattenepithelkarzinom auszuschließen. Zur Therapie stehen topische Substanzen wie Imiquimod oder Podophyllotoxin sowie Kryotherapie oder Exzision zur Verfügung. Eine spontane Regression ist möglich, dauert jedoch oft mehrere Monate.

Die HPV-Impfung stellt die wichtigste Präventionsmaßnahme dar. Die STIKO empfiehlt die HPV-Impfung für Jungen und Mädchen im Alter von 9 bis 14 Jahren, eine Nachholimpfung ist bis zum vollendeten 17. Lebensjahr möglich. Für Erwachsene bis 45 Jahre kann sie individuell erwogen werden.

(Genitale Ulzera

Genitale Ulzera können unterschiedliche Ursachen haben. Typischerweise zeigt sich Syphilis als schmerzloses, induriertes Ulkus (Ulcus durum, harter Schanker). Unbehandelt kann die Erkrankung in sekundäre und tertiäre Stadien übergehen. Syphilis wird auch als „great imitator“ bezeichnet, da die Hautmanifestationen sehr variabel sein können.

Genitaler Herpes verursacht schmerzhafte, gruppierte Vesikel oder Ulzera. Chancroid (Ulcus molle) führt zu schmerzhaften Ulzera mit purulentem Belag, kommt in Europa jedoch selten vor. Das Lymphogranuloma venereum beginnt mit einer kleinen, schmerzlosen Ulzeration, gefolgt von Lymphadenopathie und möglichen Spätfolgen wie Strikturen. Die Donovanose verursacht progrediente, stark vaskularisierte Ulzera, die unbehandelt destruktiv verlaufen können.

Die Diagnose erfolgt klinisch, ergänzt durch serologische oder molekulare Tests. Eine frühzeitige Therapie verhindert Komplikationen und reduziert die Übertragungsrate.

Urethritis und Ausfluss

Ein häufiges Symptom von STI ist urethraler Ausfluss. Die häufigsten Erreger sind Neisseria gonorrhoeae und Chlamydia trachomatis. Typische Symptome sind Dysurie, Brennen und ein eitriger oder klarer Ausfluss. Diagnostisch sind nukleinsäurebasierte Amplifikationstests Standard.

Da Koinfektionen häufig sind, wird eine duale Therapie empfohlen. Aufgrund der Resistenzentwicklung bei Gonokokken ist eine konsequente Testung und ggf. eine Anpassung der Therapie erforderlich.

Papulöse Läsionen

Papulöse Veränderungen im Genitalbereich haben zahlreiche differenzialdiagnostische Ursachen. Scabies äußert sich in Form von stark juckenden Papeln und typischen Gängen. Molluscum contagiosum verursacht zentral eingedellte Papeln, die meist selbstlimitierend sind, bei immunsupprimierten Patienten jedoch persistieren. Mpox äußert sich in Form von papulopustulösen Läsionen, die auch generalisiert auftreten können. Pediculosis pubis wird durch Filzläuse im Schamhaarbereich verursacht und geht mit Juckreiz und Papeln einher.

Die visuelle Diagnostik ist entscheidend, sollte aber durch mikroskopische oder molekulare Methoden ergänzt werden.

Früherkennung als Schlüssel zur besseren Versorgung

STI manifestieren sich bei Männern häufig durch kutane und mukosale Veränderungen. Eine zuverlässige visuelle Diagnostik erlaubt eine frühzeitige Therapie und trägt zur Verbesserung der Versorgung bei. Urologen profitieren besonders von dermatologischen Kenntnissen, da sie oft die ersten Ansprechpartner sind. Angesichts zunehmender Resistenzen und neuer diagnostischer Verfahren gewinnt die rechtzeitige Erkennung und Behandlung zunehmend an Bedeutung.

Autor:
Stand:
26.08.2025
Quelle:

Lindenbaum et al. (2025): Visual clues — dermatological manifestations of sexually transmitted infections in men. Nature Review Urology, DOI: 10.1038/s41585-025-01071-1.

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