Erdafitinib: Therapie von fortgeschrittenem Urothelkarzinom mit FGFR3-Genveränderungen

Die Zulassung vorausgesetzt, könnte Erdafitinib (BALVERSA®) die erste Therapie sein, die gezielt FGFR3-Genveränderungen bei Patienten mit fortgeschrittenem Urothelkarzinom behandelt. Im Vergleich zur Chemotherapie reduzierte der Tyrosinkinase-Inhibitor das Sterberisiko um 36%.

Blasenkrebs Urothelkarzinom

In Deutschland werden jährlich etwa 31.000 neue Fälle von Harnblasenkarzinomen diagnostiziert, wobei knapp drei Viertel der Betroffenen Männer sind, so der Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ). Rauchen ist der wichtigste Risikofaktor für diese Erkrankung. Die häufigste Form von Blasenkrebs ist das Urothelkarzinom, das häufig gleichzeitig an mehreren Stellen innerhalb der Blase und der Harnwege auftreten kann. Die Überlebenschancen sind im fortgeschrittenen metastasierten Stadium gering.

Pharmakovigilanz-Ausschuss der EMA empfiehlt Erdafitinib

Der neue Tyrosinkinase-Hemmer Erdafitinib (BALVERSA) könnte das Leben der Betroffenen verlängern. Ende Juni 2024 sprach der Pharmakovigilanz-Ausschuss (CHMP) der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) eine positive Empfehlung für Erdafitinib aus.

Es soll als einmal täglich einzunehmende orale Monotherapie zur Behandlung von Erwachsenen mit inoperablem oder metastasiertem Urothelkarzinom und FGFR3-Mutationen eingesetzt werden. Die Patienten müssen zuvor mindestens eine Therapielinie mit einem PD-1- oder PD-L1-Inhibitor erhalten haben.

Laut einer Pressemitteilung von Janssen-Cilag weisen bis zu 20% der Patienten mit metastasiertem Urothelkarzinom genetische Veränderungen in den FGFR-Genen auf.

THOR-Studie als Grundlage für CHMP-Empfehlung zu Erdafitinib

Die positive Stellungnahme des CHMP basiert auf Daten aus Kohorte 1 der randomisierten, kontrollierten, offenen Phase-III-THOR-Studie. In dieser Studie wurden Wirksamkeit und Sicherheit von Erdafitinib im Vergleich zu einer Chemotherapie bei Patienten mit fortgeschrittenem oder metastasiertem Urothelkarzinom mit FGFR3-Genveränderungen untersucht. Alle Teilnehmenden hatten zuvor mindestens eine Behandlung mit einem Anti-PD-(L)1-Wirkstoff erhalten.

Die Studie umfasste zwei Kohorten: In Kohorte 1 wurde Erdafitinib gegen eine Standardchemotherapie mit Docetaxel oder Vinflunin getestet, während in Kohorte 2 Erdafitinib mit Pembrolizumab nach einer vorherigen Behandlung ohne Anti-PD-(L)1-Wirkstoff verglichen wurde.

Im Juni 2023 wurde die THOR-Studie aufgrund einer positiven Interimsanalyse zur Wirksamkeit vorzeitig gestoppt. Alle Patienten, die der Chemotherapie zugeteilt worden waren, erhielten anschließend die Möglichkeit, Erdafitinib zu erhalten.

Erdafitinib überzeugt mit verlängertem Überleben und besserer Verträglichkeit

Erdafitinib zeigte beim primären Endpunkt der Studie, dem Gesamtüberleben, eine deutliche Überlegenheit gegenüber der Chemotherapie.

Patienten, die BALVERSA erhielten, lebten im Durchschnitt 12,1 Monate, während es in der Chemotherapie-Gruppe nur 7,8 Monate waren. Auch das mediane progressionsfreie Überleben war mit 5,6 Monaten unter Erdafitinib doppelt so lang wie unter Chemotherapie.

Mehr als ein Drittel der Erdafitinib-Gruppe zeigte ein Ansprechen auf die Behandlung, im Vergleich zu nur 8,5 % in der Chemotherapie-Gruppe.

Zu den häufigsten Nebenwirkungen zählten Hyperphosphatämie, Diarrhoe und Stomatitis. Schwere behandlungsbedingte unerwünschte Ereignisse traten bei 13% der Patienten unter Erdafitinib auf, verglichen mit rund einem Viertel in der Chemotherapie-Gruppe.

Über Erdafitinib

Erdafitinib ist ein Pan-FGFR-Tyrosinkinase-Inhibitor, der gezielt die Enzyme der Fibroblasten-Wachstumsfaktor-Rezeptoren (FGFR) blockiert. Diese Rezeptoren spielen eine zentrale Rolle bei biologischen Prozessen wie der Gewebereparatur, Entzündungsreaktionen und dem Zellstoffwechsel.

Veränderungen in den Genen, die FGFR regulieren (insbesondere FGFR1 bis FGFR4), wie z. B. Fusionen oder Mutationen, können das Tumorwachstum fördern und das Überleben der Krebszellen begünstigen, was zur Entwicklung und zum Fortschreiten bestimmter Krebsarten beiträgt.

Tests, die somatische Mutationen und Fusionen in diesen Genen nachweisen, können helfen, Patienten zu identifizieren, die für eine Behandlung mit FGFR-spezifischen Therapien wie Erdafitinib geeignet sind.

Autor:
Stand:
30.08.2024
Quelle:
  1. Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ), Blasenkrebs, Stand 11. Juni 2023.
  2. Europäische Arzneimittelagentur (EMA), Balversa, Stand 28. Juni 2024. 
  3. Janssen-Cilag, Pressemitteilung, 28. Juni 2024.
  • Teilen
  • Teilen
  • Teilen
  • Drucken
  • Senden
Orphan Disease Finder
Orphan Disease Finder

Hier können Sie seltene Erkrankungen nach Symptomen suchen: