PD-L1-Inhibitoren

PD-L1-Inhibitoren sind eine Klasse von IgG-Antikörpern, die gegen das Transmembranprotein Programmed death-ligand 1 gerichtet sind. Durch Hemmung dieses Oberflächenproteins auf zytotoxischen T-Zellen wird eine verstärkte Immunantwort gegenüber dem Tumorgewebe hervorgerufen.

Anwendung

PD-L1-Inhibitoren werden zur Behandlung folgender Erkrankungen eingesetzt:

Wirkmechanismus

T-Zell-Rezeptoren und die nachgeschalteten Signalkaskaden spielen eine zentrale immunologische Rolle, da sie die Aktivierung von Effektorfunktionen ermöglichen. Um eine überschießende Immunantwort zu vermeiden, werden diese Signalkaskaden unter anderem durch den PD-1-Oberflächenrezeptor reguliert, der auf T-Zellen exprimiert wird.

PD-L1-Inhibitoren sind monoklonale Immunglobulin G1 (IgG1)-Antikörper, die gegen den programmierten Zelltod-Liganden 1 (PD-L1) gerichtet sind. Sie binden an PD-L1 und hemmen die Wechselwirkung zwischen PD-L1 und den Rezeptoren PD-1 und B7.1. Hierdurch wird die hemmende Wirkung von PD-L1 auf zytotoxische CD8+ T-Zellen aufgehoben. Die gegen den Tumor gerichtete T-Zell-Antwort wird wiederhergestellt.

Avelumumab induziert mittels antikörperabhängiger zellulärer Zytotoxizität zudem eine direkte Tumorzelllyse, die durch Natürliche Killerzellen (NK-Zellen) vermittelt ist.

PD-L1-Inhibitoren

Pharmakokinetik

Avelumab

Avelumab verteilt sich im systemischen Kreislauf und in geringem Umfang im Extrazellularraum. Das Verteilungsvolumen im Steady-State ist gering und wurde in klinischen Studien mit 4,72 L gemessen. Avelumab bindet nicht spezifisch an Plasmaproteine.

Die Eliminationshalbwertszeit beträgt bei der empfohlenen Dosis 6,1 Tage. Die systemische Gesamtclearance nimmt mit zunehmendem Körpergewicht zu.

Atezolizumab

Im Dosisbereich 1 mg/kg bis 20 mg/kg nahm die Exposition von Atezolizumab in klinischen Studien disproportional zu. Der Steady-State wird bei wiederholter Gabe nach 6-9 Wochen (entsprechend 2 bis 3 Zyklen) erreicht. Die terminale Eliminationshalbwertszeit beträgt 27 Tage.

Durvalumab

Bei Dosierungen < 3 mg/kg Körpergewicht zeigte sich in Studien eine überproportionale Zunahme der Exposition, dies weist auf eine nichtlinearen Pharmakokinetik hin. Bei Dosierungen ≥ 3 mg/kg Körpergewicht wurde eine dosisproportionale lineare Pharmakokinetik beobachtet. Der Steady-State wurde nach ca. 16 Wochen erreicht.

Die terminale Halbwertzeit betrug etwa 18 Tage. Die Ausscheidung von Durvalumab erfolgt entweder durch Proteinkatabolismus über das retikuloendotheliale System oder durch Elimination des Antikörper-Zielprotein-Komplexes.

Dosierung

Avelumab:

  • 800 mg einmal alle zwei Wochen, wird über 60 Minuten intravenös verabreicht.

Atezolizumab:

  • 840 mg einmal alle zwei Wochen intravenös, oder 1.200 mg einmal alle drei Wochen intravenös, oder 1.680 mg einmal alle vier Wochen intravenös.

Durvalumab:

  • 10 mg/kg Körpergewicht alle zwei Wochen intravenös über einen Zeitraum von 60 Minuten bis zur Krankheitsprogression, oder einer inakzeptablen Toxizität oder über maximal 12 Monate.

Nebenwirkungen

Aufgrund der immunstimulierenden Wirkung kann es zu überschießenden Reaktionen des Immunsystems kommen.

Insbesondere können sich kutane und gastrointestinale Nebenwirkungen zeigen:

  • Fatigue
  • Gastrointestinale Beschwerden: Übelkeit, Erbrechen, Diarrhö, Obstipation, verminderter Appetit, Abdominalschmerzen, Gewichtsverlust
  • Fieber
  • Dyspnoe
  • Husten
  • Hautausschlag
  • Pruritus

Wechselwirkungen

Pharmakokinetische Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln sind nicht zu erwarten, da PD-L1-Inhibitoren als Antikörper hauptsächlich über katabole Stoffwechselvorgänge eliminiert werden. Jedoch sollte die gleichzeitige Anwendung systemischer Kortikosteroide vermieden werden, um eine Verminderung der Wirksamkeit der PD-L1-Inhibitoren zu vermeiden.

Kontraindikationen

Bei Überempfindlichkeit gegen den Antikörper oder andere Bestandteile der Formulierung dürfen PD-L1-Inhibitoren nicht gegeben werden.

Alternativen

Die alternativen Behandlungsmöglichkeiten richten sich nach der Erkrankung, dem Erkrankungsstadium sowie patientenindividuellen Gegebenheiten.

Triple-negatives Mammakarzinom

NSCLC

SCLC

  • Operative Resektion
  • Simultane Radiochemotherapie
  • Kombinationschemotherapie (Cisplatin und Etoposid)
  • Prophylaktische Schädelbestrahlung

Nierenzellkarzinom

  • Operative Resektion
  • Systemtherapie: Interferon-alpha, Multikinase-Inhibitoren, Tyrosinkinase-Inhibitoren, mTOR-Inhibitoren, VEGF-Antikörper

Hepatozelluläres Karzinom

  • Chirurgische Resektion
  • Lebertransplantation
  • Radiofrequenzablation
  • Transarterielle Chemoembolisation

Urothelkarzinom

  • Transurethrale Resektion, wenn möglich in toto oder radikale Zystektomie
  • (Neo-)Adjuvante Chemotherapie (Cisplatin, 5-Fluoruracil, Mitomycin C) und Immunmodulation durch intravesikale Instillation von Tuberkulose-Erregern (Bacillus Calmette-Guérin, BCG)
  • Bei Fernmetastasierung: palliative Chemotherapie mit Gemcitabin und Cisplatin

Wirkstoffe

Hinweise

  • Bisher liegen keine oder nur sehr begrenzte Erfahrungen mit der Anwendung von PD-L1-Inhibitoren bei Schwangeren vor.
  • Da die IgG-Antikörper plazentagängig sind und in die Muttermilch übergehen können, wird die Anwendung während der Schwangerschaft und Stillzeit nicht empfohlen.
Autor:
Stand:
18.07.2023
Quelle:
  1. Fachinformation Bavenico
  2. Fachinformation Tecentriq
  3. Fachinformation IMFINZI
  4. AWMF: S3-Leitlinie Mammakarzinom 2018
  5. AWMF: S3-Leitlinie Lungenkarzinom 2018
  6. AWMF: S3-Leitlinie Nierenzellkarzinom 2023
  7. AWMF: S3-Leitlinie hepatozelluläres Karzinom 2022
  8. AWMF: S3-Leitlinie Harnblasenkarzinom 2020

Abbildung

Dr. Isabelle Viktoria Maucher, Created with Biorender

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