Definition
- Degenerative Veränderungen der Gefäßwände mittelgroßer bis großer Arterien.
- Gefäßlumenverengung → Ischämie; vollständiger Verschluss → Infarkt.
- Wichtige Folgeerkrankungen: pAVK, KHK, Herzinfarkt, zerebrale Durchblutungsstörungen, Nierenarterienstenose, viszerale Durchblutungsstörungen.
Epidemiologie
- KHK & ischämischer Schlaganfall verursachen ~50 % aller frühzeitigen Todesfälle durch nicht-infektiöse Erkrankungen.
- Arteriosklerose liegt ~90 % der KHK, 70 % der zerebralen Durchblutungsstörungen zugrunde.
- Weltweit ~200 Mio. Menschen mit pAVK, zu ~90 % durch Arteriosklerose verursacht.
Ursachen / Risikofaktoren
- Endotheliale Dysfunktion → lokale Entzündung → fibröse Plaques → Gefäßverengung.
- Risikofaktoren: Hypercholesterinämie, Rauchen, Hypertonie, Diabetes mellitus, genetische Prädisposition, Alter, Geschlecht, Adipositas, Inaktivität, Lipoprotein(a) > 300 mg/l, Homocysteinämie, Pille, Hyperfibrinogenämie, psychosoziale Faktoren.
Pathogenese
Frühphase
- Endotheliale Dysfunktion → Entzündung & fettige Ablagerungen in Gefäßwand („fatty streaks“).
- Einwanderung von Muskelzellen & Makrophagen → Makrophagen nehmen oxidiertes LDL auf → Bildung von Schaumzellen.
- Anlagerung von Thrombozyten & Leukozyten → aktiviert T-Zellen.
Spätphase
- Bildung komplexer Plaques mit fibröser Kappe.
- Stabile Plaque: Kappe intakt → keine akute Gefahr.
- Instabile Plaque: Kappenriss → Thrombus → akuter Verschluss.
Symptome
- Lange asymptomatisch; Beschwerden bei Ischämie.
- Lokalisationabhängig:
- KHK: Angina pectoris, Dyspnoe, Herzinfarkt, plötzlicher Herztod.
- pAVK: Belastungsschmerzen, Ruhebeschwerden, Hautveränderungen, fehlender peripherer Puls, Nekrosen, Gangrän.
- Zerebrale Durchblutungsstörungen: TIA, ischämischer Schlaganfall.
- Nierenarterienstenose: oft asymptomatisch, Bluthochdruck.
- Mesenterialstenose: kolikartige Schmerzen, Übelkeit, Erbrechen, akutes Abdomen.
Diagnostik
- Anamnese: Schmerzcharakter, Belastungsabhängigkeit, neurologische Symptome, Risikofaktoren.
- Klinische Untersuchung: Pulspalpation, Hautinspektion, Gefäßauskultation, Blutdruck beidseitig.
- Spezielle Tests: Ratschow-Lagerungsprobe, Gehtest, Faustschlussprobe, Allentest.
- Nicht-invasive Verfahren: Ultraschall, Dopplerdruckmessung, ABI, Oszillographie.
- Angiographische Verfahren: Katheterangiographie, MR-Angiographie, CT-Angiographie.
Therapie
- Sekundärprävention: Gewichtsreduktion, Ernährung, Rauchstopp, körperliches Training, Behandlung von Hypertonie/Diabetes.
- Therapie der Folgeerkrankungen: Bewegungstherapie, lumeneröffnende Maßnahmen (PTCA, Thrombendarteriektomie, Bypass), pharmakologische Therapie (Thrombozytenaggregationshemmung, Thrombolyse, Fibrinolyse, vasoaktive Substanzen; bei pAVK Vasodilatatoren, Alpha-Blocker; Kalziumantagonisten sind kontraindiziert).
Prognose
- Heilung nicht möglich; Lebensstiländerungen verzögern Progression, fördern Kollateralenbildung.
- Nach Myokardinfarkt: 35 % Sterblichkeit in ersten Stunden, weitere 5–10 % in 48 h.
- KHK-Patienten mit höchstem Risikoprofil: 1-Jahres-Sterblichkeit 45 %.
- pAVK: Lebenserwartung um ca. 10 Jahre reduziert.
Prophylaxe
- Risikofaktorenreduktion, Maßnahmen der Sekundärprävention.
Hinweise
- Arteriosklerose als Sammelbegriff degenerativer Arterienkrankheiten.
- Weitere Formen: Mönckeberg-Sklerose, Arteriolosklerose.








