Definition
- Diabetische Nephropathie (DNP) bezeichnet alle Formen der Nierenschädigung im Zusammenhang mit Diabetes mellitus.
- Die Bestimmung erfolgt unter anderem durch den Albumin-Kreatinin-Quotienten.
- Pathologisch ist sie durch eine noduläre Glomerulosklerose (Morbus Kimmelstiel-Wilson) gekennzeichnet.
Epidemiologie
- Führende Ursache für Niereninsuffizienz in Industrieländern
- In Deutschland verantwortlich für ca. ein Drittel aller dialysepflichtigen Fälle
- Prävalenz bei Typ-1- und Typ-2-Diabetes-Patienten in Deutschland: ca. 30%
Ursachen
- Primärursache: Vorbestehender Diabetes mellitus Typ 1 oder Typ 2
- Beeinflussbare Risikofaktoren: Hyperglykämien, Bluthochdruck, Albumin-Ausscheidungsrate, Nikotinkonsum, Dyslipidämie, erhöhter BMI
- Nicht beeinflussbare Faktoren: Alter, Geschlecht, Dauer der Diabetes-Erkrankung, ethnische Herkunft
Pathogenese
- Hyperglykämien aktivieren den Transformierenden Wachstumsfaktor β (TGF-β) und führen zur Verdickung der Basalmembranen.
- Induktion von VEGF erhöht vaskuläre Permeabilität und Entzündungsmediatoren tragen zu Schädigungen bei.
- Folge: tubulointerstitielle Fibrose und möglicherweise Glomerulosklerose (Morbus Kimmelstiel-Wilson)
Klinik
- Inital erhöhte glomeruläre Filtration, im Verlauf zunehmender Abfall
- Übergang in chronische Niereninsuffizienz mit Gefahr der Urämie
- Arterielle Hypertonie
- Ggf. renale Anämie
- Komplikationen: akutes Nierenversagen mit Dialysepflichtigkeit, kardiovaskuläre Komorbiditäten (z.B. Herzinsuffizienz)
Diagnostik
- Verdachtsdiagnose bei Mikroalbuminurie und bestehendem Diabetes mellitus
- Bestätigung erfolgt durch Anamnese, klinisches Bild und Laborbefunde
- Labor: Blutbild, HbA1c, Kalium, Kreatinin, Lipidprofil sowie die geschätzte (estimated) glomeruläre Filtrationsrate (eGFR)
- Urin: Albuminurie-Screening
- Die Stadien der Nierenerkrankung bei Diabetes mellitus werden anhand der eGFR und Albuminurie eingeteilt (G1-G5 für eGFR, A1-A3 für Albuminurie)
Therapie
- Ziel der Therapie: Progression des Nierenschadens und kardiovaskuläre Ereignisse verhindern
- Basismaßnahmen umfassen Lebensstilmodifikation: Gewichtsreduktion, Nikotinabstinenz, Reduktion des Salzkonsums, Normalisierung der Eiweißaufnahme, körperliche Aktivität
- Medikamente der ersten Wahl: SGLT-2-Inhibitoren, ACE-Hemmer/AT1-Rezeptor-Antagonisten
- Spezifische Therapiemaßnahmen je nach Stadium der Niereninsuffizienz und vorhandenen Komorbiditäten
Prognose und Prophylaxe
- Ohne Behandlung: Fortschreitung der Erkrankung von Mikro- zu Makroalbuminurie und schließlich Niereninsuffizienz
- Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse erhöht; jedoch teilweise reversibel bei optimaler Kontrolle von Blutzucker und Blutdruck
- Prophylaxe: optimale Blutzucker- und Blutdruckeinstellung zur Verzögerung der Krankheitsprogression










