
Hintergrund
Im Mai 2022 wurden die ersten Affenpockenfälle in Deutschland identifiziert. Mit Stand 15. November 2022 sind 3.671 Affenpockenfälle aus allen 16 Bundesländern ans Robert Koch-Institut (RKI) übermittelt worden. Betroffen waren vor allem Hotspotregionen wie Berlin oder große Städte in Nordrhein-Westfalen. Seit August 2022 geht die Zahl der wöchentlich gemeldeten Fälle zurück; seit Mitte Oktober werden nur noch Fallzahlen im einstelligen Bereich registriert [1]. Die Impfkampagne gegen Affenpocken hat hierzulande gut funktioniert, resümiert die Deutsche Arbeitsgemeinschaft ambulant tätiger Ärztinnen und Ärzte für Infektionskrankheiten und HIV-Medizin (DAGNÄ) [2].
Startschwierigkeiten
Im Frühjahr 2022 breiteten sich Affenpocken länderübergreifend aus, auch in Deutschland. Zur Eindämmung der Infektionen empfahl die Ständige Impfkommission (STIKO) am RKI Anfang Juni eine Impfung als Postexpositionsprophylaxe und Indikationsimpfung für Risikogruppen. Als Impfstoff wurde der Pockenimpfstoff Imvanex bzw. Jynneos von Bavarian Nordic eingesetzt. Die Europäische Kommission hat Imvanex im Juli 2022 die Zulassung zum Schutz gegen Affenpocken für Personen ab 18 Jahren erteilt. In den USA ist die Vakzine unter dem Namen Jynneos ebenfalls gegen Affenpocken bei Erwachsenen zugelassen.
Anfangs gab es nur wenig verfügbare Impfstoffe und die Nachfrage war hoch. Dies änderte sich erst Ende September, nachdem eine größere Impfstoff-Lieferung eintraf. Dennoch sanken die Fallzahlen seit Juli deutlich ab. „Die Impfkampagne war insgesamt effektiv: In den infektiologischen HIV-Schwerpunktpraxen sind im November 2022 kaum noch MPX-Fälle zu verzeichnen“, schreibt die DAGNÄ. Dass bisher keine Ausbreitung der Affenpockeninfektionen in die Allgemeinbevölkerung zu beobachten war, heben die Infektiologen ebenfalls positiv hervor.
Impfkampagne, vorsichtiges Verhalten und Quarantäne dämmen Affenpocken ein
Die Gründe für die erfolgreiche Eindämmung des Affenpockenausbruchs seien nach Sicht der Experten vielfältig. Neben der Impfkampagne haben ein umsichtiges und vorsichtiges Eigenverhalten der Risikopopulationen sowie eine gewisse Infektionsprävalenz und Quarantänemaßnahmen eine wichtige Rolle gespielt. Hilfreich waren vor allem der rasche Einsatz des Impfstoffs im Off-Label-Use, die hohe Impfbereitschaft sowie eine pragmatische und lösungsorientierte Kommunikations- und Verteilungsweise.
Kritikpunkte
Trotz erfolgreicher Eindämmung äußerte die DAGNÄ aber auch Kritik. Ein stärkerer bundeseinheitlicher Rahmen bezüglich der Einbindung der Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) oder Melderoutinen hätten einem Flickenteppich unterschiedlicher Strategien vorbeugen können. Und natürlich der Impfstoffmangel. Dies habe zu Verunsicherung und Frustration bei den Betroffenen geführt. Trotz teilweiser regionaler freier Impfstoffkapazitäten soll es vielfach Wartelisten gegeben haben.
Eine frühzeitigere Kommunikation hätte eine bessere Planbarkeit in den Impfstellen ermöglicht. „Das Terminmanagement sollte künftig digital unterstützt werden, etwa über die 116117, um freie Ressourcen passgenau verteilen zu können“, so die DAGNÄ.
Lange Isolationspflicht verunsicherte Betroffene
Die teils rigorose Auslegung der Schutzmaßnahmen mit einer Isolationspflicht von 21 Tagen hätte ebenfalls Verunsicherung und Unverständnis bei Betroffenen und BehandlerInnen ausgelöst. Potenziell Infizierte sollen sich aus Angst vor der als stigmatisierend empfundenen langen Isolationszeit gar nicht erst in ärztliche Behandlung begeben haben. Wünschenswerter sei eine effektive kommunikative Infrastruktur wie beispielsweise in Großbritannien und den USA, die auf Partizipation und Sensibilisierung der Betroffenen statt auf teils rigide Verordnungen setzt, schreiben die Infektiologen.
MPX-Impfung in die Regelversorgung
Den Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses von August 2022, der den Weg der MPX-Impfung in die Regelversorgung vorzeichnet, begrüßt die DAGNÄ. Zuvor müssten allerdings noch offene rechtliche Fragen wie die Apotheken-Verfügbarkeit des Impfstoffs geklärt werden.