Anlässlich des Weltkrebstags 2026 veröffentlichte das Zentrum für Krebsregisterdaten (ZfKD) am Robert Koch-Institut (RKI) aktuelle Kennzahlen zur Krebsinzidenz und -mortalität in Deutschland. Krebserkrankungen gehen dabei weiterhin mit einer hohen Zahl an Todesfällen einher: 2023 wurden laut Todesursachenstatistik etwa 229.000 Krebssterbefälle registriert.
Nach aktuellen Berechnungen erkrankt im Laufe des Lebens nahezu jeder zweite Mann (49 %) und mehr als zwei von fünf Frauen (43 %) an Krebs. Etwa jede sechste Frau und jeder siebte Mann erhält die Diagnose vor dem 65. Lebensjahr.
Für das Jahr 2023 wurden bundesweit 517.800 Neuerkrankungen registriert, davon 276.400 bei Männern und 241.400 bei Frauen. Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei 69 Jahren. Prostata-, Brust-, Lungen- sowie kolorektale Karzinome machen zusammen nahezu die Hälfte aller Neuerkrankungen aus.
Die krebsbedingte Mortalität lag 2023 bei rund 229.000 Todesfällen. Unter Berücksichtigung der demografischen Alterung sind die altersstandardisierten Sterberaten in den vergangenen 25 Jahren rückläufig. Der Rückgang betrug bei Männern 31 % und bei Frauen 21 %.
Prostata- und Mammakarzinom dominieren die Krebsstatistik
Aus den altersstandardisierten Inzidenzraten lassen sich kumulative Erkrankungsrisiken bis zu einem bestimmten Alter ableiten. Neben den hohen Lebenszeitrisiken insgesamt zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen einzelnen Entitäten.
Bei Männern ist das Prostatakarzinom die häufigste Tumordiagnose, bei Frauen das Mammakarzinom. Lungen- und Darmkrebs folgen bei beiden Geschlechtern an zweiter Stelle. Zusammen verursachen Lungen-, Darm-, Pankreas- und Mammakarzinome knapp die Hälfte aller krebsbedingten Todesfälle.
Zunehmende Melanom-Inzidenz bei Älteren, Rückgang unter 35 Jahren
Die altersstandardisierte Inzidenz des malignen Melanoms ist in Deutschland insgesamt gestiegen. Zwischen 1999 und 2023 nahm die Rate bei Männern von 19,3 auf 32,2 pro 100.000 Personen zu, bei Frauen von 18,8 auf 29,5 pro 100.000.
Im Jahr 2008 wurde für Erwachsene ab 35 Jahren ein bundesweites Hautkrebsscreening eingeführt. Im Anschluss kam es zu einem deutlichen Anstieg der Inzidenzraten, gefolgt von einem weiteren leichten Anstieg.
Altersspezifisch zeigen sich jedoch unterschiedliche Entwicklungen:
- Bei Personen über 50 Jahren steigen die Raten weiterhin.
- In jüngeren Altersgruppen, insbesondere unter 35 Jahren, sind die Raten rückläufig.
So sank die Inzidenz bei 20- bis 34-jährigen Männern von 6,2 pro 100.000 im Jahr 2010 auf 4,4 im Jahr 2023, bei gleichaltrigen Frauen von 17,1 auf 8,8 pro 100.000.
Rückläufige Inzidenz beim Zervixkarzinom in jungen Altersgruppen
Für das Zervixkarzinom wird insgesamt ein leicht rückläufiger Trend der altersstandardisierten Neuerkrankungsraten beschrieben.
Seit 2007 besteht eine Impfempfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) gegen humane Papillomviren (HPV) für Mädchen im Alter von zwölf bis 17 Jahren. Später wurde die Empfehlung auf Jungen im Alter von neun bis 14 Jahren ausgeweitet; zugleich wurde das empfohlene Impfalter für Mädchen auf neun bis 14 Jahre abgesenkt.
In der Altersgruppe der 20- bis 34-jährigen Frauen sank die Inzidenz von 7,8 pro 100.000 im Jahr 2015 kontinuierlich auf 4,3 pro 100.000 im Jahr 2023. In der nicht geimpften Altersgruppe der 35- bis 49-Jährigen zeigte sich im gleichen Zeitraum kein eindeutiger Trend.
Lungenkrebs: Rückgang bei Männern, gegenläufige Entwicklung bei Frauen
Beim Lungenkarzinom bestehen ausgeprägte Unterschiede zwischen Altersgruppen und Geschlechtern.
Bei Frauen im Alter von 40 bis 59 Jahren ist seit etwa 2014 ein Rückgang der altersstandardisierten Neuerkrankungsraten zu beobachten. Die Rate sank von 37,5 pro 100.000 im Jahr 2014 auf 27,5 pro 100.000 im Jahr 2023. In höheren Altersgruppen von Frauen steigen die Raten weiterhin an, sodass sich insgesamt noch kein genereller Rückgang ergibt.
Bei Männern sind die altersstandardisierten Inzidenzraten im gleichen Zeitraum in allen Altersgruppen rückläufig. Die Raten liegen weiterhin über denen der Frauen, nähern sich jedoch insbesondere in jüngeren Altersgruppen an.
Unterschiedliche Inzidenzverläufe vor und nach Einführung des Mammographie-Screenings
Für das Mammakarzinom zeigt sich in jüngeren Altersgruppen ein kontinuierlicher leichter Anstieg der altersstandardisierten Inzidenzraten. Bei 30- bis 49-jährigen Frauen erhöhte sich die Rate von 85,9 pro 100.000 im Jahr 1999 auf 107,8 pro 100.000 im Jahr 2023.
Das bundesweite Mammographie-Screening wurde 2009 flächendeckend eingeführt. In der ursprünglich anspruchsberechtigten Altersgruppe der 50- bis 69-Jährigen kam es zunächst zu einem Anstieg der Inzidenzraten, gefolgt von einem Rückgang auf ein leicht erhöhtes Niveau im Vergleich zur Zeit vor Einführung des Screenings.
Bei Frauen über 70 Jahren zeigte sich ein leichter Anstieg der Raten bis etwa 2009; seither sind keine wesentlichen Veränderungen mehr erkennbar.
Vergleich der Krebsraten mit dem EU-Durchschnitt
Im Vergleich zur Europäischen Union (EU-27) liegt Deutschland bei Frauen hinsichtlich der Krebsinzidenz und -mortalität leicht über dem EU-Durchschnitt, bei Männern leicht darunter.
Vergleichsweise höhere Raten zeigen sich unter anderem für:
- Mammakarzinom (Inzidenz)
- Prostatakarzinom (Inzidenz)
- Ösophaguskarzinom (Inzidenz)
- Lungenkrebs bei Frauen (Inzidenz)
- Pankreaskarzinom (Mortalität)
- Malignes Melanom (Inzidenz)
Niedrigere Werte finden sich unter anderem für kolorektale Karzinome sowie für Leber-, Nieren- und Harnblasenkarzinome.







