Seit Jahren gilt die platinbasierte Chemotherapie als Standard in der Erstlinienbehandlung des lokal fortgeschrittenen oder metastasierten Urothelkarzinoms. Dennoch bleiben die 5-Jahres-Überlebensraten unbefriedigend und die Prognose für die Patienten ist nach wie vor schlecht.
Bislang konnte keine Behandlung die platinbasierte Chemotherapie in der Verbesserung des Gesamtüberlebens bei Patienten mit zuvor unbehandeltem, lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Urothelkarzinom übertreffen.
Eine kürzlich im 'The News England Journal of Medicine' veröffentlicht Phase-III-Studie zeigte jetzt jedoch überraschend positive Ergebnisse.
Studienübersicht: Enfortumab Vedotin und Pembrolizumab vs. Platinbasierte Chemotherapie
Die globale, offene, randomisierte Phase-III-Studie untersuchte die Wirksamkeit und Sicherheit von Enfortumab Vedotin in Kombination mit Pembrolizumab im Vergleich zu platinbasierter Chemotherapie bei Patienten mit zuvor unbehandeltem lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Urothelkarzinom.
Insgesamt wurden 886 Teilnehmende im Verhältnis 1:1 randomisiert. Eine Gruppe erhielt Enfortumab Vedotin in einer Dosis von 1,25 mg/kg intravenös an den Tagen 1 und 8 sowie Pembrolizumab in einer Dosis von 200 mg intravenös an Tag 1 (EV+P-Gruppe).
Die andere Gruppe erhielt Gemcitabin in Kombination mit entweder Cisplatin oder Carboplatin, abhängig von der individuellen Eignung für Cisplatin (Chemotherapie-Gruppe).
Primäre Endpunkte der Studie waren das progressionsfreie Überleben und das Gesamtüberleben. Die Behandlung wurde fortgesetzt bis zum Fortschreiten der Krankheit, dem Auftreten nicht tolerierbarer Nebenwirkungen, dem Beginn einer anderen Krebstherapie oder dem Erreichen der maximalen Anzahl an Behandlungszyklen (sechs Zyklen für die Chemotherapie, 35 Zyklen für Pembrolizumab und unbegrenzte Zyklen für Enfortumab Vedotin bis zum Fortschreiten des Tumors).
Überlebensvorteile und Behandlungszyklen im Vergleich
Die mediane Nachbeobachtungszeit betrug 17,2 Monate.
Während dieser Zeit war das mediane progressionsfreie Überleben in der EV+P-Gruppe mit 12,5 Monaten doppelt so lang wie in der Kontrollgruppe mit 6,3 Monaten. Auch das Gesamtüberleben war in der EV+P-Gruppe im Median deutlich länger mit 31,5 vs. 16,1 Monaten. Die durchschnittliche Anzahl der Behandlungszyklen lag bei zwölf in der Enfortumab-Vedotin-Pembrolizumab-Gruppe und bei sechs in der Chemotherapie-Kohorte.
Der Überlebensvorteil zeigte sich in allen vordefinierten Subgruppen, einschließlich derjenigen, die nach Eignung oder Nichteignung für eine Cisplatintherapie, nach PD-L1-Expressionsstatus sowie nach Vorhandensein oder Fehlen von Lebermetastasen differenziert wurden.
Überlegene Wirksamkeit und überzeugendes Sicherheitsprofil
Die Kombination von Enfortumab Vedotin und Pembrolizumab zeigte bei Patienten mit unbehandeltem lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Urothelkarzinom signifikant bessere Ergebnisse als die Chemotherapie. Das Sicherheitsprofil entsprach den bisherigen Berichten.
Die häufigsten Nebenwirkungen in der EV+P-Gruppe waren periphere sensorische Neuropathien, Pruritus und Alopezie. Behandlungsbedingte Nebenwirkungen vom Grad 3 oder höher traten bei 55,9% der Patienten in der EV+P-Gruppe und bei 69,5% der Patienten im Chemotherapie-Arm auf.
Während der Chemotherapie kam es am häufigsten zu Anämien, Neutropenien und Thrombozytopenien. In der Enfortumab Vedotin-Pembrolizumab-Gruppe waren es vor allem makulo-papulöse Ausschläge, Hyperglykämien und Neutropenien.
Enfortumab Vedotin und Pembrolizumab als neuer Standard in der Erstlinientherapie?
Die Kombination aus Enfortumab Vedotin und Pembrolizumab ist einer platinbasierten Chemotherapie hinsichtlich der Überlebenszeiten deutlich überlegen. Mit diesen Ergebnissen könnte sich die Kombinationstherapie als neuer Standard in der Erstlinienbehandlung des fortgeschrittenen oder metastasierten Urothelkarzinoms etablieren.









