Definition
- Kinderkrankheit durch Toxine von Streptococcus pyogenes
- Häufig bei Kindern zwischen 5–15 Jahren
- Leitsymptome: Tonsillopharyngitis, feinfleckiges Exanthem
Epidemiologie
- Eine der häufigsten bakteriellen Infektionen im Kindesalter
- Jährlich ca. 5 von 1000 Kindern betroffen
- Saisonaler Gipfel: Winter bis April
- Folgekrankheiten wie akutes rheumatisches Fieber in Industrieländern selten
Ursachen & Pathogenese
- Erreger: Scharlach wird durch Streptococcus pyogenes (β-hämolysierende Streptokokken der Gruppe A, GAS) ausgelöst.
- Normalflora: Manche Stämme leben harmlos im Rachen, Darm oder Urogenitaltrakt.
- Krankheitsrisiko: GAS können eitrige Infektionen und Folgekomplikationen wie rheumatisches Fieber oder Nierenentzündungen verursachen.
- M-Protein: Schützt Bakterien vor Abwehrzellen; >200 Varianten → erneute Infektionen möglich.
- Weitere Virulenzfaktoren: Streptolysin S/O zerstören Zellmembranen, pyrogene Exotoxine lösen den typischen Hautausschlag aus.
- Superantigene: Manche Exotoxine aktivieren T-Zellen stark → Überreaktion des Immunsystems, Risiko für Schock oder Organversagen.
Infektionsweg
- Tröpfcheninfektion (selten Kontakt-/Lebensmittelübertragung)
- Inkubationszeit: 2–5 Tage
- Ansteckungsfähigkeit: unbehandelt bis 3 Wochen, unter Antibiotika <24 h
Symptome
- Akut: Halsschmerzen, Fieber, Unwohlsein, evtl. Kopfschmerzen, Erbrechen
- Befunde: hochroter Rachen, Tonsillenbeläge, Petechien am Gaumen, schmerzhafte Lymphadenopathie
- Typisch: Erdbeer-/Himbeerzunge, periorale Blässe, Pastia-Linien
- Exanthem: feinfleckig, beginnt am Oberkörper, Ausbreitung → Extremitäten, nachfolgende Desquamation
- Begleitinfektionen: Sinusitis, Otitis media, Pneumonie
Komplikationen
- Eitrig: Peritonsillar-/Retropharyngealabszess, Otitis media, Sinusitis, Mastoiditis, Bakteriämie
- Nicht-eitrig: akutes rheumatisches Fieber, Post-Streptokokken-Glomerulonephritis
- Neuropsychiatrisch: Chorea minor, mögliche Pädiatrische autoimmun-neuropsychiatrische Krankheiten (PANDAS)
- Invasiv: Pneumonie, Meningitis, Sepsis, nekrotisierende Fasziitis, Toxin-Schock-Syndrom (Letalität ca. 30%)
Diagnostik
- Klinische Diagnose durch Symptomatik
- Streptokokken-Schnelltest
- Goldstandard: Rachenabstrich und Kultur
- Antikörpernachweis nur bei Folgeerkrankungen sinnvoll
Differentialdiagnosen
- Bakterielle Pharyngitiden durch andere Erreger (z. B. C. diphtheriae, Arcanobacterium hemolyticum)
- Kawasaki-Syndrom
- Exanthematische Kinderkrankheiten (Masern, Röteln, Windpocken)
Therapie
- Standard: Penicillin V oral, 7 Tage (bei Rezidiv bis 10 Tage)
- Alternativen: Amoxicillin, Cephalosporine (1. Gen.), Makrolide, Clindamycin
- Symptomlinderung: Paracetamol, Ibuprofen
- Keine Resistenzen gegen β-Laktame beschrieben
Prognose
- Rückfälle möglich durch unterschiedliche M-Typen
- In Mitteleuropa selten: akutes rheumatisches Fieber
- Gute Prognose unter antibiotischer Therapie
Prophylaxe
- Keine Impfung verfügbar
- Hygienemaßnahmen, frühe Diagnostik und Therapie wichtig
- Erkrankte 24 h nach Antibiotikabeginn nicht mehr ansteckend
- IfSG: Ausschluss aus Gemeinschaftseinrichtungen bis Symptomfreiheit und 24 h nach Therapiebeginn
Meldepflicht
- Spezifisch nur in Sachsen und Thüringen
- §34 IfSG: Leiter von Gemeinschaftseinrichtungen müssen Erkrankungen melden










