Kardiorenal-metabolische Störungen erhöhen Psoriasisrisiko

Menschen mit beeinträchtigter Herz-, Nieren- und Stoffwechselfunktion haben ein deutlich erhöhtes Psoriasisrisiko – insbesondere Personen mit hoher genetischer Veranlagung.

Herzerkrankung

Psoriasis ist eine chronisch-entzündliche Hauterkrankung, die eine erhebliche Belastung für Betroffene und Gesundheitssysteme darstellt. Neben den dermatologischen Symptomen ist die Erkrankung eng mit metabolischen, kardiovaskulären und renalen Komorbiditäten assoziiert. Die genaue Rolle dieser Begleiterkrankungen bei der Entstehung von Psoriasis war bislang jedoch nicht vollständig geklärt.

UK-Biobank-Daten liefern neue Erkenntnisse zu Psoriasis

Eine Arbeitsgruppe der China Medical University in Shenyang analysierte in Zusammenarbeit mit internationalen Partnern Daten aus der UK Biobank. Die Ergebnisse wurden im 'Journal of the European Academy of Dermatology and Venereology' veröffentlicht. Ziel war es, den Zusammenhang zwischen kardiorenal-metabolischer Gesundheit (engl. cardiovascular-kidney-metabolic, CKM), genetischem Risiko und dem Auftreten von Psoriasis zu untersuchen. Zudem wurde die Auswirkung des kardiorenal-metabolischen Syndroms (KRMS) auf die Lebenserwartung von Patienten mit Psoriasis bewertet.

Daten von fast 400.000 Teilnehmern ausgewertet

Die prospektive Kohortenstudie umfasste 392.454 Teilnehmer ohne vorbestehende Psoriasis. Das genetische Risiko für Psoriasis wurde mithilfe eines polygenen Risikoscores quantifiziert. Zur Analyse des Erkrankungsrisikos kamen Cox-Regressionen mit Hazard Ratios (HR) und 95 %-Konfidenzintervallen (KI) zum Einsatz.

Stadien des kardiorenal-metabolischen Syndroms

Das kardiorenal-metabolische Syndrom wurde anhand von kardiovaskulären Erkrankungen, chronischer Niereninsuffizienz und Stoffwechselstörungen wie Adipositas oder Diabetes mellitus Typ 2 in fünf Stadien (0–4) eingeteilt.

Die American Heart Association (AHA) hat hierfür ein Staging-System entwickelt, das die unterschiedlichen Schweregrade abbildet:

  • Stadium 0 (keine Risikofaktoren für KRMS):
    Normalgewicht, normoglykämische Stoffwechsellage, normale Blutdruckwerte, unauffälliger Lipidstatus, keine Hinweise auf chronische Niereninsuffizienz oder kardiovaskuläre Erkrankung.
  • Stadium 1 (Übergewicht, Adipositas oder dysfunktionales Fettgewebe):
    Adipositas oder Übergewicht ohne weitere metabolische Risikofaktoren oder chronische Niereninsuffizienz, definiert u. a. durch BMI ≥ 25 kg/m², erhöhten Taillenumfang oder grenzwertig erhöhte Blutzuckerwerte.
  • Stadium 2 (Metabolische Risikofaktoren und CKD):
    Vorliegen von Hypertonie, Hypertriglyzeridämie, metabolischem Syndrom, Diabetes mellitus Typ 2 und/oder chronischer Niereninsuffizienz.
  • Stadium 3 (Subklinische kardiovaskuläre Erkrankung):
    Nachweis subklinischer Atherosklerose oder Herzinsuffizienz bei Adipositas, kombiniert mit weiteren metabolischen Risikofaktoren oder chronischer Niereninsuffizienz.
  • Stadium 4 (Klinische kardiovaskuläre Erkrankung):
    Manifeste kardiovaskuläre Erkrankungen wie koronare Herzkrankheit (KHK), Herzinsuffizienz, Schlaganfall oder periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK). Dieses Stadium wird weiter differenziert in:

Höheres Psoriasisrisiko mit fortschreitendem KRMS-Stadium

Im Vergleich zu Stadium 0 stiegen die multivariat adjustierten Hazard Ratios für eine Psoriasis-Erkrankung mit zunehmendem kardiorenal-metabolischem Stadium an:

  • Stadium 1: HR 1,21 (95 %-KI: 1,06–1,38)
  • Stadium 2: HR 1,38 (95 %-KI: 1,24–1,55)
  • Stadium 3: HR 1,64 (95 %-KI: 1,42–1,91)
  • Stadium 4: HR 1,72 (95 %-KI: 1,47–2,01)

Damit zeigte sich eine deutliche stadienspezifische Risikoerhöhung.

Genetische Prädisposition verstärkt das Psoriasisrisiko deutlich

Besonders ausgeprägt war das Erkrankungsrisiko bei Patienten mit fortgeschrittenem kardiorenal-metabolischem Stadium und gleichzeitig hohem genetischem Risiko. In Stadium 4 lag das Risiko für Psoriasis bei HR 2,82 (95 %-KI: 2,28–3,49) im Vergleich zu Stadium 0 und niedrigem genetischem Risiko. Es bestand eine signifikante positive additive Interaktion zwischen Stadium und genetischem Risiko (RERI = 0,82; 95 %-KI: 0,35–1,32).

Fortgeschrittenes KRMS-Stadium verkürzt Lebenserwartung bei Psoriasis

Zusätzlich wurde ein Einfluss auf die Prognose der Psoriasispatienten festgestellt. Teilnehmer mit Stadium 4 hatten eine im Mittel um 2,03 Jahre verkürzte Lebenserwartung (95 %-KI: 0,25–3,81).

Fazit: Beeinträchtigte kardiorenal-metabolische Gesundheit erhöht Psoriasisrisiko

Die Ergebnisse belegen, dass eine beeinträchtigte kardiorenal-metabolische Gesundheit signifikant mit einem erhöhten Psoriasisrisiko verbunden ist. Besonders bei genetisch vorbelasteten Patienten verstärkt sich dieser Zusammenhang. Zudem ist ein fortgeschrittenes kardiorenal-metabolisches Syndrom mit einer reduzierten Lebenserwartung unter Psoriasispatienten assoziiert. Diese Daten unterstreichen die Notwendigkeit einer differenzierten Risikoeinschätzung im klinischen Alltag und liefern eine Grundlage für weitere Forschung.

Autor:
Stand:
20.10.2025
Quelle:

Zheng, G. et al. (2025): Cardiovascular-kidney-metabolic health, genetic predisposition and incident risk of psoriasis. Journal of the European Academy of Dermatology and Venereology, DOI: 10.1111/jdv.20852.

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