Verschiedene Lebensstilfaktoren, darunter körperliche Aktivität, Körpergewicht und Ernährung, wurden mit dem Auftreten mehrerer Krebsarten in Verbindung gebracht. In Großbritannien lassen sich etwa 40% aller malignen Tumore auf veränderbare Risikofaktoren zurückführen, beispielsweise Fettleibigkeit/Adipositas, Tabakrauchen, Alkoholkonsum und eine unzureichende Ballaststoffaufnahme.
In einer prospektiven Kohortenstudie hat ein Forschungsteam analysiert, wie sich die Umsetzung der Empfehlungen des World Cancer Research Fund (WCRF) und des American Institute for Cancer Research (AICR) auf die Krebsinzidenz im Vereinigten Königreich auswirkt. Die Studie zeigt, dass Personen, die die Lebensstilempfehlungen zur Krebsprävention besser befolgen, seltener von Krebs betroffen sind. Die Ergebnisse wurden im Fachmagazin 'BMC Medicine' veröffentlicht [1].
Aktuelle Empfehlungen zur Krebsprävention: Fokus auf Ernährung und Lebensstil
Das WCRF und AICR haben im Jahr 2018 zehn aktualisierte Empfehlungen zur Krebsprävention veröffentlicht. Diese basieren auf gesunden Lebensstilmustern, die darauf abzielen, das Risiko von Krebs und anderen nicht übertragbaren Krankheiten zu verringern. Obwohl in mehreren Studien untersucht wurde, ob die Einhaltung dieser Empfehlungen die Krebsinzidenz und Überlebensraten beeinflusst, berücksichtigten die meisten dieser Studien nicht die neuesten Empfehlungen.
In der aktuellen Fassung wurde beispielsweise die bisherige Empfehlung eines geringeren Salzkonsums gestrichen und eine eingeschränkte Aufnahme von zuckergesüßten Getränken aufgenommen. Darüber hinaus empfahl eine frühere Empfehlung aus dem Jahr 2007 einen Mindestverzehr von 25 g Ballaststoffen täglich, der in der Version von 2018 auf mindestens 30 g täglich erhöht wurde.
UK-Biobank-Analyse: Zusammenhang zwischen Lebensstil und Krebsinzidenz
Die prospektive Kohortenstudie basierte auf den Daten von 94.778 Teilnehmenden (53% weiblich, Durchschnittsalter 56 Jahre) aus der UK-Biobank. Sie untersuchte den Zusammenhang zwischen der Einhaltung der WCRF/AICR-Krebspräventionsempfehlungen 2018 anhand eines standardisierten, vollständig operationellen Scores und dem Risiko mehrerer Krebsarten. Zu diesem Zweck untersuchten die Forscher, wie sich Körpergewicht, Ernährung und körperliche Aktivität auf das Risiko aller invasiven Krebsarten sowie von vierzehn spezifischen Krebsarten auswirkt, darunter Karzinome von Gebärmutter, Blase, Gallenblase, Darm, Niere, Kopf und Hals, Brust, Lunge, Prostata, Bauchspeicheldrüse, Speiseröhre, Magen, Leber und Eierstöcke.
Die Adhärenz zu den Empfehlungen des WCRF/AICR wurde durch Bewertung des Body-Mass-Index (BMI), Taillenumfangs sowie selbstberichteter Informationen zu Ernährung und körperlicher Aktivität anhand eines Gesamtscores von 0 bis 7 Punkten gemessen. Die Zusammenhänge zwischen dem Gesamtscore und dem Karzinomrisiko berechneten die Wissenschaftler unter Verwendung des Cox-Proportional-Hazard-Modells; Faktoren wie Alter, Geschlecht, ethnische Zugehörigkeit und Raucherstatus wurden berücksichtigt. Der durchschnittliche Gesamtscore lag bei 3,8 (±1,0).
Risikoreduktion durch WCRF/AICR-Adhärenz
Während einer mittleren Nachbeobachtungszeit von 7,9 Jahren erhielten 7.296 Teilnehmer eine Krebsdiagnose, wobei Prostatakrebs am häufigsten vorkam, gefolgt von Brust- und Darmkrebs. Der Gesamtscore zur WCRF/AICR-Adhärenz korrelierte umgekehrt proportional mit dem Krebsrisiko (Hazard Ratio [HR] 0,93, 95%-Konfidenzintervall [95%-KI]: 0,90-0,95 pro Steigerung des Gesamtscores um einen Punkt). Jeder Anstieg des Scores um einen Punkt verringerte damit das Krebsrisiko um 7%.
Personen mit Tertilwerten von 3,75-4,25 Punkten und 4,5-7 Punkten zeigten ein um 8% bzw. 16% geringeres Risiko, ein Karzinom zu entwickeln.
Für spezielle Krebsarten wurden folgende Werte ermittelt:
- Brustkrebs: HR 0,90; 95%-KI 0,86–0,95
- Kolorektale Karzinome: HR 0,90, 95%-KI 0,84–0,97
- Nierenkrebs: HR 0,82, 95%-KI 0,72–0,94
- Ösophaguskarzinom: HR 0,84, 95%-KI 0,71–0,98
- Ovarialkarzinom: HR 0,76, 95%-KI 0,65–0,90
- Leberkrebs: HR 0,78, 95%-KI 0,63–0,97
- Gallenblasenkarzinom: HR 0,70, 95%-KI 0,53–0,93
Fazit: Konsequente Lebensstiländerungen senken das Krebsrisiko erheblich
Die Studienautoren kommen zu dem Schluss, dass eine konsequente Befolgung der WCRF/AICR-Krebspräventionsempfehlungen von 2018 das Risiko für verschiedene Krebsarten erheblich mindert. Die gewonnenen Erkenntnisse unterstreichen die Bedeutung eines gesunden Lebensstils als wirkungsvolle Maßnahme zur Verringerung des Krebsrisikos.









